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Burghart Klaußner wechselt die Seiten: Heute hat seine Inszenierung "Baumeister Solness" in Dresden Premiere

Burghart Klaußner wechselt die Seiten: Heute hat seine Inszenierung "Baumeister Solness" in Dresden Premiere

Im Theatercafé am Kleinen Haus sind die Handwerker eingezogen. Es sieht darin aus wie in einem Architektenbüro: Zeichengerät, ein Reißbrett, Arbeitslampen, an den Wänden flotte Sprüche.

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Burghart Klaußner: "Mich interessiert am Theater das Erzählen extremer Geschichten im Gewand der Alltäglichkeit."

Quelle: Martin Steffen

All das deutet auf die heutige Premiere hin, auf "Baumeister Solness" von Henrik Ibsen. Regisseur dieses Spätwerks von einem Autor, der tief in die menschliche Seele geblickt hat, ist der Berliner Schauspieler Burghart Klaußner. Der zählt zu den absoluten Publikumslieblingen in Dresden, errang internationale Berühmtheit durch sein Mitwirken in Filmen wie "Rossini", "Good Bye, Lenin", "Der Vorleser" oder "Das weiße Band" - nun führt er erstmals am Dresdner Staatsschauspiel Regie.

"Das war von Anfang an eine Verabredung mit Intendant Wilfried Schulz," erläutert Klaußner, "wenn ich hier die Gelegenheit zum Spielen bekomme, dass ich dann auch mal Regie führen darf." Erfahrungen in diesem Metier hat er sich mehrfach erworben, etwa in Hamburg, wo er 2006 Edward Albees "Ziege" inszenierte, und in Bochum mit der deutschen Erstaufführung von Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels". Eigentlich gehe die Beschäftigung mit dieser Seite des Theaterhandwerks aber bis auf die Schauspielschule zurück, räumt Burghart Klaußner ein. Doch er habe sich Zeit nehmen wollen, erst das Eine reifen lassen und dann das Andere angehen. "Es war aber auch immer eine Mutfrage für mich, denn es gibt auf dem Gebiet der Regie in Deutschland viele verschiedene Stile - ob da wohl meine Auffassung von Theater gefragt war?"

Seine Auffassung definiert der Regie führende Mime wie folgt: "Mich interessiert am Theater das Erzählen extremer Geschichten im Gewand der Alltäglichkeit." Damit dürfte Klaußner bei Ibsen die ideale Vorlage gefunden haben, denn der norwegische Autor gilt als psychologischer Feindeuter menschlicher Abgründe. "Baumeister Solness" hat es dem Schauspieler angetan: "Das Stück ist für Jung und Alt bedeutsam, denn es geht um die fatale Beziehung eines älteren Mannes zu einer sehr jungen Frau. Im Grunde nur ein Missverständnis, möglicherweise ein missglückter Annäherungsversuch, vielleicht aber auch ein Missbrauch - nach einer Inkubationszeit von zehn Jahren wird sich diese Geschichte vollenden. Wie auch immer."

Es heißt, Ibsen habe mit diesem im Alter von 64 Jahren geschriebenen Stück auch eine Allegorie auf das eigene Leben und Schaffen gesetzt. Klaußner weiß mehr darüber: "Ibsen hat als älterer Mann auch mindestens zwei recht intensive Bekanntschaften mit jüngeren Damen gepflegt, beispielsweise einen Sommer lang mit einer 18-jährigen Österreicherin im Südtiroler Gossensaß. Und er hat dieses Generationenproblem auch als Autor erfahren, indem er vom dreißig Jahre jüngeren Knut Hamsun öffentlich in die Enge getrieben wurde. Ihn muss die Frage sehr gequält haben, wie lange sein dichterisches Schaffen überdauern würde. Wie wir heute wissen, ist sein Werk so aktuell wie eh und je. Das ist toll!"

Burghart Klaußner, der gewiss auch als Darsteller auf der Bühne einen grandiosen Baumeister Solness abgegeben hätte, er wirkt von diesem Stoff durchdrungen und sieht in der Personage weniger das Problem der Selbstüberschätzung als das der Selbsteinschätzung. "Die Figuren in diesem Stück sind sich ihrer selbst höchst unsicher. Sie werden von Alpträumen und Schuldgefühlen geplagt und bekommen die Last der Vergangenheit nicht los. Es sind zutiefst bedrängte Menschen. Sie fragen ständig ihr Gegenüber, was wollen Sie von mir? Das könnten sie sich aber auch selber fragen - was will ich von mir?!"

Bezeichnenderweise sei ausgerechnet der Doktor in "Solness" die einzige Person, die voll von sich überzeugt ist. Alle anderen würden ihrer selbst nicht wirklich habhaft, resümiert Klaußner, "sie schwimmen in Unsicherheiten". Das sei nicht nur aktuell, sondern rühre an Grundfragen. Diese Vermengung von gesellschaftlichen und individuellen Themen mache Ibsen nachhaltig spannend, wagt er eine Analyse: "Er hat über Frauenemanzipation, bürgerliche Ehe, über den Umgang mit Kindern geschrieben, rührt gleichzeitig an tiefere Schichten, an alte Ängste, an uralte Mythen und an all das, was der Mensch nicht so ohne weiteres in den Griff kriegt. Und nicht zuletzt ist es auch ein Stück über Gotteslästerung." Diese Thematik hat es ihm angetan, denn: "Das Arbeiten in unserem Beruf hat nach meinem Ethos was mit Wahrheitssuche zu tun. Und die verträgt sich nicht mit Eitelkeit." Michael Ernst

Premiere heute, 19.30 Uhr, Kleines Haus

Weitere Termine: 19., 25., 30.1., 8., 13.2., 8.3.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.01.2013

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