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Büromensch wird zum Nomaden

Büromensch wird zum Nomaden

Der Büroarbeiter der Zukunft ist ein Nomade - oder zumindest ein Teil des Personals. Auch in Dresden fasst dieses Konzept jetzt Fuß. Die auf Internetportale und digitale Läden spezialisierte Telekom-Tochter "T-Systems Multimedia Solutions" will jetzt einen Teil seiner Büros im ehemaligen Sozialrathaus an der Riesaer Straße in diese Richtung umbauen, kündigte Geschäftsführer Peter Klingenburg an.

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Christian Soyez arbeitet bei T-Systems nach dem Nomaden-Konzept": Sein Arbeitsplatz nimmt er mobil per Rollcontainer (rechts hinten) mit.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Von Heiko Weckbrodt

Das Konzept: Statt eines festen Arbeitsplatzes bekommen die Kundenbetreuer einen brusthohen Rollcontainer, in dem sie all ihre Unterlagen und persönlichen Sachen verschließen. Kommen sie von ihren Außeneinsätzen ins Büro, schieben sie ihren Container zum nächsten freien Tisch und geben eine Geheimzahl am Telefon ein, um ihre persönliche Rufnummer dorthin umzuleiten. Per Passwort nehmen sie auch ihre individuellen Computereinstellungen und Daten mit zum nächstbesten PC, der gerade frei ist.

Einen Nutzen davon hat vor allem das Unternehmen, das weniger Büroflächen anmieten und weniger Arbeitsplätze einrichten muss, wenn es viele Mitarbeiter hat, die tagsüber viel unterwegs sind. Denn gleichzeitig sind dann stets deutlich weniger Beschäftigte im Stammsitz, als nominal zur Abteilung gehören. Insgesamt hat die Telekom-Tochter 1269 Mitarbeiter, davon 1033 in der Dresdner Zentrale.

Vor allem aber trage man so dem Trend zu oft wechselnden Team-Zusammensetzungen Rechnung, betonte Klingenburg. Durch das Nomaden-Konzept könne man da rascher reagieren und die passenden Spezialisten schneller zusammen bringen.

Und, man mag darüber staunen, auch die Angestellten selbst stehen bei T-Systems in Dresden dem Nomaden-Dasein recht aufgeschlossen gegenüber. "Wir sind hier oft drei bis vier Tage pro Woche auswärts unterwegs - warum sollte man den Kollegen da unnötig Platz wegnehmen?", fragt sich beispielsweise T-Systems-Berater Christian Soyez. "Außerdem schärft dieses Konzept die Selbstdisziplin: Man sammelt nicht unnötig viel Zeug an und sortiert alte Unterlage wirklich aus, weil ja alles in den Rollcontainer passen muss."

"Von diesem Konzept haben wir auch schon gehört, praktizieren es aber bei uns nicht", sagte dazu Karin Raths von Globalfoundries Dresden. "Das machen vor allem Internetfirmen - ich kenne das zu Beispiel von Yahoo." Dass traditionelle Büroraumkonzepte in der heutigen Arbeitswelt aber an Grenzen stoßen, hat auch das Chip-Unternehmen schon gespürt: Wegen der vielen Kunden- und Entwicklungsprojekte gibt es viel Beratungsbedarf und mittlerweile gibt es auf dem Werksgelände in Dresden-Wilschdorf schon über 100 Konferenzräume. "Anfangs haben wir sie in einem bestimmten System nach deutschen Großstädten benannt, um uns zurecht zu finden", erinnert sich Raths. "Dann gingen uns die Städtenamen aus und wir haben sie nach Seen und Flüssen benannt - da muss man oft schon eine ganze Weile überlegen, wohin man gehen muss." Mittlerweile gebe es im Firmennetzwerk extra eine Konferenzraum-Landkarte dafür.

Auch die Globalfoundries-Sprecherin geht davon aus, dass die Arbeitswelt in technologie- und dienstleistungsorienmtierten Branchen konzeptionell bereits im Wandel begriffen ist. "Ein, zwei Generationen später werden unseren Nachfolgern unsere Büros vielleicht schon wie ein Anachronismus vorkommen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.02.2012

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