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Bürgermeister Seidel: „Sächsischer Betreuungsschlüssel für Kitas ist nicht mehr zeitgemäß“

Bürgermeister Seidel: „Sächsischer Betreuungsschlüssel für Kitas ist nicht mehr zeitgemäß“

„Ich bräuchte eigentlich 12 Arme und sechsmal einen Schoß, auf den sich die Kinder kuscheln können“. So bringt Erzieherin Peggy den Konflikt um den Betreuungsschlüssel auf den Punkt.

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Quelle: dpa

Die Dresdnerin arbeitet Vollzeit in einer freien Kita im Bereich Krippe, das heißt, sie betreut Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren. Derzeit sieht der Betreuungsschlüssel vor, dass eine Erzieherin sechs Krippenkinder betreut. Später im Kindergarten kümmert sich eine pädagogische Fachkraft um 13 Kinder.

„In vielen Situationen, wie beim Anziehen der Kinder für einen Spaziergang merke ich, dass ich zu viele Kinder betreuen muss. Ohne die Hilfe unserer FSJ´lerin könnte ich die Kinder nicht fertig machen für den Wald und müsste mit ihnen im Gruppenraum bleiben“, so die Erzieherin. Auch wenn drei Kinder gleichzeitig weinen, etwa nach einem Streit könne sie sich nicht um alle gleichzeitig kümmern, bedauert die 36-Jährige. In der Realität sei ein Schlüssel von 1:7 nicht selten, gerade wenn Kollegen krank oder im Urlaub sind. Wünschen würde sich die Pädagogin, dass sie nur noch für vier Kinder gleichzeitig zuständig sei. „Alle Kinder wollen gesehen und ernst genommen werden. Im Sportraum muss ich meiner Aufsichtspflicht richtig nachkommen können“, erzählt die Dresdnerin.

Auch Eva-Maria Stange sieht das Problem als längst nicht gelöst. „Seit 2009 sprechen wir über den zu hohen Betreuungsschlüssel in Sachsen und es hat sich bisher nichts geändert“, empört sich die SPD-Landtagsabgeordnete. Sachsen liegt mit seinem Schlüssel von 1:6 am unteren Ende. Laut Bertelsmann-Stiftung liegt die Quote im Bundesschnitt für den Krippenbereich bei 1:4,5. „Kinder brauchen für ihre Entwicklung eine möglichst individuelle Betreuung. Erzieher, die Zeit zum Basteln und Vorlesen haben“, so die bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Die Folgen einer niedrigen Betreuungsdichte können nach Angaben von Bildungsforschern gravierend sein. Erzieher leisten beispielsweise beim Vorlesen wichtige Bildungsarbeit. Regelmäßiges Vorlesen ist für die sprachliche Entwicklung von Kindern immens wichtig, bestätigt auch Eva-Maria Stange. „Es gibt in diesem Bereich besorgniserregende Entwicklungen." 30 Prozent der Dresdner Kinder seien bei der Schuleingangsuntersuchung sprachauffällig, so Stange.

Innerhalb der ersten drei Lebensjahre sei die Grundsteinlegung für die Sprachentwicklung bei Kindern abgeschlossen, danach könnten die Lücken nur schwer wieder geschlossen werden. Als Ursachen für den hohen Schlüssel sieht Stange die zu niedrigen Zuschüsse vom Land Sachsen an die Kommunen. 1875 Euro zahlt der Freistatt pro Kind und Jahr an die Kommunen, die letzte Anhebung gab es 2006. „Mehr Personal einzustellen und damit den Schlüssel zu senken, können sich die Kommunen schlicht nicht leisten“, sagte Eva-Maria Stange.

Auch Dresdens Sozialbürgermeister Martin Seidel weiß um den Handlungsbedarf beim Personalschlüssel in den Betreuungseinrichtungen. „Der derzeitige Schlüssel in Sachsen ist nicht mehr zeitgemäß. Sachsen liegt deutschlandweit am unteren Ende, es muss dringend etwas passieren“, so Seidel auf Anfrage von DNN-Online. Die Pauschale des Freistaates würde sich zwar ab 1. Januar 2015 auf 2060 Euro pro Kind und Jahr erhöhen, das reiche aber noch nicht aus. „Der Schlüssel muss landeseinheitlich gesenkt werden und diese Änderungen müssen im sächsischen Kitagesetz verankert werden. Der zu hohe Schlüssel ist kein Dresdner, sondern ein sächsisches Problem“, sagte der Sozialbürgermeister. Doch die Senkung des Betreuungsschlüssels koste viel Geld, so der Bürgermeister.

Allein die Senkung von derzeit 1:6 in der Krippe auf 1:5 und im Kindergarten von 1:13 auf 1:12 würde für die kommunalen und freien Träger in Dresden zusammen 20 Millionen Euro im Jahr kosten. Noch nicht mitgerechnet sei die Vor- und Nachbereitungszeit der Erzieher. Wer für die Senkung des Schlüssels stimme, dem müsse klar sein, dass sich dann auch der Elternanteil an den Kitakosten erhöhe, sagte Seidel. Außerdem müssten dafür rund 400 neue Erzieher eingestellt werden, bestätigte der Politiker. Doch um fehlende Bewerber müsse sich die Stadt Dresden derzeit keine Sorgen machen. Auf jede ausgeschriebene Stelle würden sich im Schnitt drei Anwärter bewerben.

Julia Vollmer

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