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Bürger.Courage kämpft mit mobilem Kunstprojekt gegen Alltagsrassismus in Dresden

Bürger.Courage kämpft mit mobilem Kunstprojekt gegen Alltagsrassismus in Dresden

Gestern Mittag ertönten auf dem Jorge-Gomondai-Platz aus einem eigentümlichen Automobil absurde Warnhinweise über einen Lautsprecher. "Füttern Sie keine Enten im Großen Garten!" oder "Hüten Sie sich vor alten Männern mit Rollatoren!" wird aus dem Auto paroliert, das die Aufschrift "Schnelle mobile Hilfe" trägt.

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Christian Demuth von Bürger.Courage (r.) erklärt einem Neugierigen das Kunstprojekt .

Quelle: C.Juppe

Das Ganze ist ein neues Kunstprojekt, initiiert vom Verein Bürger.Courage. Es soll auf Alltagsrassismus hinweisen, denn hinter jeder der eigenartigen Warnungen steckt eine wahre Geschichte. So wurde ein kleines Kind mit dunkler Hautfarbe von einem älteren Herren zuerst rassistisch beleidigt und dann vor den Augen der Mutter von ihm mit dessen Rollator angefahren. Eine ähnlich respektlose Tat passierte im Großen Garten. Eine Oma fütterte dort mit ihrem farbigen Enkel Enten. Daraufhin beleidigte ein Jugendlicher beide und forderte sie auf "dahin zurückzugehen, wo sie hergekommen sind".

Derartige Vorkommnisse ereignen sich täglich auf Dresdner Straßen, oft von den meisten Leuten unbemerkt. "Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die Dresdner für derartigen Rassismus zu sensibilisieren und darauf hinzuweisen, wie schlimm so etwas für Bürger mit Migrationshintergrund ist", erklärt der Vereinsvorsitzende Christian Demuth. Seit acht Jahren setzt sich der Verein Bürger.Courage mit etwa 80 Mitgliedern aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit ein. Demuths Meinung nach stören nicht nur offensichtliche Beleidigungen. Es gehöre sich genauso wenig, jemanden aufgrund seiner Hautfarbe minutenlang anzustarren oder mit dem Finger auf ihn zu zeigen.

Die Idee zu dem Projekt kam, nachdem sich ein Vater verzweifelt an den Verein wendete, weil sein farbiges Kind ständig beleidigt und diskriminiert wurde.

Die freie Bühnen- und Kostümbildnerin Katja Turtl durfte die Idee künstlerisch umsetzen. Das Auto als Darstellungsmedium wählte sie, da man damit mobil ist und die Leute durch den Lautsprecher auf dem Dach und der "Schnelle mobile Hilfe"-Beschriftung zum Anhalten bewegt werden. "Darum geht es uns: um das Aufklären", sagt Demuth. "Effektiv eingreifen muss aber letztendlich der Staat", fordert er.

Aller drei Tage gibt es laut Robert Kusche, Geschäftsführer der Opferberatung Sachsen, einen tätlichen Übergriff mit ausländerfeindlicher Motivation. "Die Täter sind dabei aus allen sozialen Schichten und allen Altersgruppen", erklärt er. Musche findet das Projekt von Bürger.Courage sehr gut, denn die Opferhilfe hat mit den Gewaltopfern schon genug zu tun. "Die Polizei wird leider auch nur selten eingeschalten, da viele schon institutionellem Rassismus begegnet sind und sich davor fürchten".

Das Auto kann man bis zum 13. September an verschiedenen Orten in Dresden antreffen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2013

Johann Voigt

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