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Buch mit Zeichnungen von Hubertus Giebe und Gedichten von Viktor Kalinke erschienen

Buch mit Zeichnungen von Hubertus Giebe und Gedichten von Viktor Kalinke erschienen

Hubertus Giebe überrascht gern all jene, die ihn eingeordnet glauben. Mit jeder Ausstellung der letzten drei Jahre wurden andere Facetten seines reichen Formenspektrums und technischen Repertoires aufgeblättert.

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Hubertus Giebe. Rückenakt, nach rechts, 2009, Bleistift, aquarelliert.

So ließ er der beeindruckenden Ausstellung seiner "Geschichtsbilder" im Dresdner Palais im Großen Garten eine Ausstellung von Landschaften und Stillleben im Medinger Refugium folgen. Zwischen diesen Ausstellungen veröffentlichte er im Leipziger Literaturverlag unter dem Titel "Der geschliffene Elfenbeinturm" seine Widerreden und Würdigungen - Essays, die das Fragwürdige des heutigen Kunstbetriebs sowie das Bewahrungswürdige und fast Vergessene signifikant benennen. Eine Nachdenken provozierende Schriftensammlung, die mehr als ein Geheimtipp ist.

Neben seinen ausdrucksstarken großformatigen Lithografien und Radierungen hat Giebe immer wieder auch Zeichnungen ausgestellt. Zeichnen ist seine tägliche Übung und zugleich die Voraussetzung für die Entstehung der großen Bilder. So gibt es inzwischen aberdutzende Skizzenbücher von Hubertus Giebe, in denen sich philosophische Notizen neben Porträtskizzen, bissige Notate neben minutiös entworfenen Landschaften und Aktskizzen finden. Aus dem Fundus seiner Aktzeichnungen hat Giebe jetzt eine Auswahl getroffen und den Gedichten des Leipziger Lyrikers Viktor Kalinke zur Seite gestellt.

Giebe hat auch in der Vergangenheit Akte (Zeichnungen und Gemälde) gezeigt. Neu an der jetzt im Leipziger Literaturverlag im Band "Welcher König hat hier gehaust" vorgelegten Auswahl ist jedoch die Einheit von veristischem Stil und poetischer Kraft. Diese Zeichnungen folgen der Obsession der Erforschung des weiblichen Körper und haben zugleich etwas Intimes und Träumerisches. Die Modelle scheinen im Schlaf oder im Halbschlaf überrascht, gerade erwacht zu sein oder über etwas nachzusinnen. Das Erotische dieser Zeichnungen erzeugt einen Sog, Giebe in diese existentielle Körperwelt und ihre Sinnlichkeit zu folgen. Wer den Band zu Hand nimmt und zunächst nur die Zeichnungen betrachtet, wird sich diesem Reiz kaum entziehen können.

Auch die Gedichte von Viktor Kalinke sind direkt, und sie sprechen sich nicht weniger deutlich aus als die Akte. Einige sind Liebesgedichte und Beschwörungen des Liebesaktes, andere imaginieren Trennungskonstellationen und durchwachte Nächte. Wieder andere bezeugen, dass Kalinke Psychologe ist - das Gedicht "Fremdheit : Familie" könnte auch "Suchbild : Vater" heißen:

nie hat mein Vater um seinen Vater

getrauert : fröhlich erschien dem Kind

die Besatzung in Polen : was für ein guter

Job (sagt man heute) : gefolgt

vom schnellen Tod auf der Krim : fünf

war mein Vater : als sein Vater starb

Vermißt gemeldet : hat mein Vater seinen Vater

nie vermißt (sagt er) : drüberweg

gehen & weiter : war die Maxime -

Zu der von Giebe entfalteten zeichnerischen Stilistik und Deutlichkeit der Körperdarstellung fügen manche Gedichte Viktor Kalinkes weitergehende Erfahrungsbereiche und Weltnahme hinzu. Einige sind Reisegedichte eines Rastlosen, andere - und diese gehören zu den stärksten - bilden den Zeitgeist ab oder führen diesen ad absurdum ("Leipzig : Spinnerei").

Wieder andere erzählen kleine Geschichten ("der Teppich" oder "plötzliche Wendung"). Einige Gedichte enthalten traumhaft surreale Bilder ("sarmatische Jahreszeiten": "Kinderspiel / ist die Liebe : den leicht entschlüpfenden Fisch / fest auf den Rücken gebunden"), andere bezeugen Humor und eine leichte Feder.

Den Zeichnungen und Gedichten ist im bibliophilen Großformat des Bandes viel Raum gegeben. Das Buch macht so Lust zum Vor- und Zurückblätten und wird zu einer spannenden Begegnung von zwei Künstlern.

Die Dresdner können Hubertus Giebes Bücher am 11. Mai zur Hand nehmen, wenn die Kunsthandlung Koenitz zur Vernissage ihrer neuen Ausstellung von Giebe "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" einlädt.

Viktor Kalinke, Hubertus Giebe: "Welcher König hat hier gehaust", Gedichte und Zeichnungen, Leipziger Literaturverlag 2012. A4-Querformat, 116 Seiten, 24,95 Euro, ISBN 978-3-86660-136-9.

Hubertus Giebe: "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes", Kunsthandlung Koenitz Dresden, Obergraben 8, Vernissage am 11. Mai, 19 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.05.2012

Axel Helbig

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