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Britisch-amerikanischer Lebensmittelladen „Beyond the Pond“ in Dresdner Neustadt schließt

Britisch-amerikanischer Lebensmittelladen „Beyond the Pond“ in Dresdner Neustadt schließt

Wer das kleine türkise Schild mit der Aufschrift „Beyond the Pond“ auf der Rothenburger Straße entdeckt, wird seinen Augen kaum glauben, wenn er das Geschäft betritt.

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Quelle: Carola Fritzsche

Denn so unscheinbar der Laden von außen auch wirkt, von innen gleicht er einem British-American Dream. Kunterbunt und in jeglichen Formen und Sorten strahlen den Besuchern die exotisch wirkenden Produkte entgegen. Die Neugier ist geweckt für den einzigen britisch-amerikanischen Lebensmittelladen in Dresden.

„Beyond the Pond“ bedeutet „Hinter dem Teich“ und steht symbolisch für das wichtigste Anliegen des Ladens. Er soll nämlich nicht nur die Einkaufskörbe neugieriger Dresdner füllen, sondern vor allem gebürtigen Briten, Amerikanern und allen englischen Muttersprachlern ein Stück Heimweh nehmen und so den großen Teich, der zwischen ihnen und ihrer Heimat liegt, wenigstens gefühlt verkleinern.

Michele Williams-Schmid, Gründerin und Geschäftsführerin von „Beyond the Pond“, ist selbst gebürtige US-Amerikanerin und vor fast zehn Jahren mit ihrem Ehemann und ihren vier Kindern nach Dresden gezogen. Sie ist eigentlich Archäologin in Ur- und Frühgeschichte, doch in Dresden war es schwer eine Stelle in diesem Fachbereich zu finden. Aber Michele war offen für neue Herausforderungen und erzählt: „Ich hatte schon lange den Gedanken im Hinterkopf, dass Dresden solch ein Laden noch fehlt.“ Und nun wollte sie diese Idee auch in die Tat umsetzen.

Vor fünf Jahren war es dann soweit. Der Businessplan war fertig und die ersten Produkte bestellt. Doch da kamen schon die ersten potentiellen Tücken von einem internationalen Sortiment zum Vorschein, denn die Lieferzeiten von amerikanischen Produkten können sich bis zu drei Monate hinziehen. Und das auch nur, wenn alles glatt läuft. Die zollamtliche Abwicklung ist nämlich streng. Für kleine Läden, wie „Beyond the Pond“, kann das schädlich sein, denn verzögerte Lieferungen bedeuten meist auch zusätzliche Ausgaben. Hinzu kam der schlechte Wechselkurs vor etwa einem halben Jahr. Michele musste die Preise erhöhen, jedoch nicht zu stark, denn sonst wäre es zu teuer für viele Kunden geworden. Eine ständige Belastungsprobe war das und ein finanzieller Balanceakt, von dem sie letztlich nicht gut leben konnte.

Doch Michele war sich dieser Risiken von Anfang an bewusst und ist sie eingegangen, weil sie endlich einen Ort in Dresden schaffen wollte, an dem sich Menschen aus den verschiedensten anglophonen Ländern begegnen und austauschen können, aber auch Vorurteile abgebaut werden. „Ich erkläre zum Beispiel oft, dass auch amerikanische Ernährung gesund sein kann“, sagt Michele. Vor allem Lebensmittel füllen die zwei großen Regale in dem Laden, von dem britischen Cheddar Käse und einer Vielzahl von Teesorten bis hin zu amerikanischen Backzutaten, Barbecuesaucen und Biersorten. Aber auch eine ausgewählte Sammlung englischsprachiger Literatur befindet sich in einer kleinen Bücherecke.

Der ganze Laden ist für Michele zu einer Herzensangelegenheit geworden, aber auch für ihre Kunden, die im Minutentakt das Geschäft betreten und immer noch Freudensprünge machen, wenn Michele hin und wieder auf ihren Wunsch ein, zwei neue Produkte in das Sortiment aufnimmt. Zu ihrer Stammkundschaft gehört auch Walter Lock aus Tennessee: „Ich finde es sehr schade, dass sie bald schließt. Aber ich verstehe natürlich, wie schwierig es ist einen Laden zu leiten.“ Bis zu 60 Stunden arbeitet Michele in einer Woche. Nur einmal die Woche kommt eine Aushilfe. Ansonsten bestellt, verkauft, sortiert und protokolliert Michele alles alleine. Viel Zeit für ihre Familie bleibt deshalb leider nicht, ein sehr wichtiger Grund für ihre Entscheidung „Beyond the Pond“ am 27. August nun endgültig zu schließen. „Es war ein ständiger Kampf. Aber ich bereue nichts! Es war eine spannende, aber auch anstrengende Zeit voller schlafloser Nächte, lustiger Bekanntschaften und vieler neuer Freundschaften“, erinnert sich Michele mit einem Lächeln zurück.

Nun bleibt ihrer treuen Kundschaft nur noch Hamstereinkäufe zu tätigen, was nicht schwer fällt bei ständig gestiegenen Rabatten, die jetzt bei bis zu 50  Prozent liegen. Zur Erleichterung vieler übernimmt das Café „England, England“ auch ein kleines Sortiment. Bleibt trotzdem zu hoffen, dass sich irgendwann wieder jemand traut, solch ein besonderes Geschäft zu eröffnen, das mehr ist als nur ein Lebensmittelladen: Ein Ort zum Kulturaustausch.

Weitere Infos unter: www.beyondtheponddresden.de

Lisa Kirsten

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