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Bratwürste und erzwungener Sex

Prozess wegen Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht Dresden Bratwürste und erzwungener Sex

Tiefkühlbratwürste und erpresster Sex – dieser Prozess um Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht Dresden hat so einige schräge Facetten, die ihn für Juristen und Beobachter ein wenig besonders machen. Richter Ulrich Stein muss herausfinden, auf welcher Seite gelogen wird.

Im Prozess um Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht Dresden gibt es viele Versionen des Geschehens.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Langweilig war die kurze Beziehung von Martin K. und Claudia L. sicher nie – eher eine Art Berg- und Talbahn. Große Liebe, Streit, Trennung, Versöhnung, wieder Zank. Im Oktober vergangenen Jahres eskalierte die Situation. Der 29-Jährige soll der jungen Frau nach einem Streit eine Packung tiefgekühlter Bratwürste an den Kopf geschlagen haben. Die 27-Jährige erlitt eine Platzwunde an der Stirn, die ärztlich versorgt werden musste. Einige Tage später drohte er, so die Anklage, sie beim Finanzamt und dem Jobcenter anzuzeigen, da die Arbeitslose Kindersachen für 900 Euro bei Ebay verkauft, dies den Ämtern aber nicht mitgeteilt habe. Man werde ihr die Sozialleistungen kürzen und sie werde im Sorgerechtsstreit mit ihrem Mann die Kinder verlieren, drohte er und bot ihr ein Tauschgeschäft an: Schweigen gegen Sex. Aus Angst um ihre Kinder ließ sie sich darauf ein. Um zu dokumentieren, dass alles freiwillig geschah, filmte er dies. Sie zeigte ihn trotzdem an. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu sexuellen Handlungen steht Martin K. derzeit vor dem Amtsgericht.

Der Angeklagte präsentierte eine völlig andere Version des Geschehens. Ja, sie habe die gefrorenen Bratwürste an den Kopf bekommen, aber aus Versehen. „Sie stürmte so hysterisch in die Küche, dass ich Angst bekam“, erklärte Martin K. Denn sie (eine kleine Frau) habe ihn (ein stämmiger Kerl) schon einige Male geschlagen. Er habe Essen machen wollen, und sie müsse dann irgendwie in die Bratwürste gelaufen sein.

Seine Sicht auf den Sex klingt ebenfalls sehr abenteuerlich. Alles sei einvernehmlich gewesen, auch die Videos – sozusagen die Versöhnung nach der Bratwurstattacke. Warum dann Anzeige erstattet worden sei, will nicht nur Richter Ulrich Stein wissen. „Sie wollte mir eine reindrehen, weil ich zweigleisig gefahren bin und noch eine andere Freundin hatte“, entgegnet der Angeklagte. Die junge Frau erzählte eine andere Geschichte. Grund für die ständigen Streiterein sei vor allem sein erhebliches Alkoholproblem gewesen. Der Arbeitslose habe ständig getrunken, deshalb habe sie sich wieder einmal getrennt. „Er kam und wollte noch seine Sachen holen, und dann kam unvermittelt der Schlag mit den Würsten“, erzählte die 27-Jährige. Danach habe er gedroht, sie beim Amt zu verpfeifen, wenn sie nicht mit ihm schliefe. Für ihre Schilderung der sexuellen Nötigung wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

 Einer von beiden lügt – wer, muss das Gericht herausfinden. Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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