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Bogenschießen - auch für Blinde und Sehbehinderte möglich

Bogenschießen - auch für Blinde und Sehbehinderte möglich

Mit viel Gefühl sucht Henry Schenker sein Ziel, den linken Arm hat er durchgestreckt, mit dem rechten zieht er die Sehne nach hinten, lässt los und der Pfeil rauscht ins Ziel.

Der Schuss trifft beinahe die Mitte der bunten Zielscheibe. Solider Schuss, würde man sagen, nichts Außergewöhnliches. Doch Henry Schenker ist blind. Da stellt sich doch zuallererst die Frage, wie Schießsport und Sehbehinderung zusammen passen.

"Die Schützen brauchen natürlich Unterstützung, denn anders als sehende Menschen können Blinde nicht das eigentliche Visier benutzen", erklärt Boris Ludz. Der Erlebnispädagoge bietet Blinden und sehbehinderten Menschen in seiner Bogenschule "Bogen-Abenteuer" im Dresdner Hechtviertel die Möglichkeit, sich trotz der Einschränkung im Schießsport zu üben.

"Manche der Teilnehmer haben noch eine Sehkraft von etwa 20 bis 30 Prozent, die können dann noch die grellen Farben der Zielscheibe wahrnehmen, andere sind komplett blind. Manche von Geburt an, manche erst seit dem Kindes- oder Jugendalter", so Ludz. In Kooperation mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen e.V. gründete der Erlebnispädagoge im Herbst vergangenen Jahres die Gruppe. "Natürlich geht es dabei nicht ohne Hilfsmittel", erklärt Ludz.

"Nachdem sich die Teilnehmer mit Pfeil und Bogen vertraut gemacht haben, versuchten wir in der Gruppe herauszufinden, mit welchen Mitteln wir arbeiten können, um das Zielen zu erleichtern." Zuerst probierten es die blinden Schützen mit akustischen Signalen. "Wir brachten diese zunächst so an, dass sie von der Zielscheibe ausgingen. Die Schallwellen konnten allerdings nicht von jedem klar geortet werden, beziehungsweise war die Tonhöhe nicht für jeden Teilnehmer wahrnehmbar." Die passende Methode hat sich schnell gefunden: "Damit die Blinden die Position alleine einnehmen können, werden auf dem Boden zwei Matten im rechten Winkel zueinander gelegt, so dass sich der Schütze mit den Fußspitzen dort richtig positionieren kann. Um die Richtung der Zielscheibe genauer auszumachen, kommt Gummiband zum Einsatz", erzählt Ludz. Das Seil ist von der Zielscheibe bis hin zum kleinen Finger an der Zughand des Schützen gespannt. Mit der Bogenhand kann sich der Schütze am Gummiseil orientieren, oder auch einmal kleine Korrekturen in alle Richtungen vornehmen. "Sportbogenschützen trainieren ja auch Blindschüsse", erklärt Boris Ludz. "Diese sind wichtig, um das Bewegungsgedächtnis trainieren". Darüber hinaus sei der Sport gut für Rücken und Seele, betont der Trainer.

In der Sportbranche nehmen die Angebote für Blinde stetig zu. Ob Fußball oder Biathlon - nichts ist unmöglich. Auch Henry Schenker ist trotz seiner Erblindung in seiner Freizeit sportlich aktiv. Neben dem Bogenschießen spielt er regelmäßig Tischtennis und geht schwimmen. "Ich versuche, trotzdem fit zu bleiben und mich stets zu betätigen", erzählt Schenker. "Das Bogenschießen ist für mich eine besondere interessante Erfahrung". Der 72-Jährige erkrankte im Jugendalter am grünen Star und verlor mit 15 Jahren seine Sehkraft. Für ihn noch lange kein Grund, sich nicht sportlich zu betätigen. Zusammen mit seinem Sohn Kai geht Henry Schenker einmal in der Woche zum Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte. Der 44-Jährige Sohn ist zwar nicht blind, dennoch besitzt er nur noch einen Rest seiner Sehkraft.

Das längerfristige Ziel bei dem Kurs ist es, den Pfeil irgendwann ohne die mechanischen Hilfsmittel zur Zielscheibe zu schießen. Für den Spaßfaktor befestigt Boris Ludz aufgeblasene Luftballons an der Zielscheibe. "So ist das Erfolgserlebnis noch hörbarer".

Die blinden Bogenschützen treffen sich wöchentlich dienstags ab 11 Uhr im "Bogen-Abenteuer" auf der Hechtstraße 27.

www.bogen-abenteuer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.02.2015

Juliane Weigt

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