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Bodenpersonal im Warnstreik - lange Schlangen an Sachsens Airports

Bodenpersonal im Warnstreik - lange Schlangen an Sachsens Airports

Lange Schlangen gestern früh an den Check-in-Schaltern in Leipzig/Halle und Dresden. Verspätungen oder gar Flugausfälle gab es aber trotz des Streiks des Lufthansa-Bodenpersonals nicht.

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Lange Schlangen gab es gestern früh am Check-in-Schalter der Lufthansa an den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden.

Quelle: Frank Johannsen

Schkeuditz/Dresden. "Es gab keine streikbedingten Verspätungen", erklärte eine Lufthansa-Sprecherin, "weder in Leipzig/Halle noch in Dresden." Zu spüren war der Ausstand aber dennoch, und das sogar deutlich. In Schkeuditz bildete sich früh um 7 Uhr am Check-in-Schalter eine lange Schlange, die quer durch die ganze Halle ging bis zum Ticket-Schalter gegenüber. Der war streikbedingt komplett verweist. Ebenso die Gepäckermittlung im Abflugterminal nebenan. "Wegen Streik geschlossen", stand dort an der Tür.

Auch am Check-in waren nur zwei der sechs Schalter geöffnet. Und dabei war eigentlich Stoßzeit: Für sechs Maschinen - von Lufthansa, Germanwings und Austrian - war gleichzeitig zum Einchecken aufgerufen worden. "Darf ich mich hier überhaupt anstellen?", fragte eine junge Frau, die eigentlich nur ihren Koffer aufgeben wollte. Denn geöffnet waren nur die beiden Schalter, die eigentlich Business und First Class vorbehalten sind. Doch da die vier Economy-Schalter daneben komplett unbesetzt waren, mussten sich alle hier anstellen.

Nur wenige Meter neben dem Schalter standen die Mitarbeiter, die hier sonst Dienst tun: Gut zwei Dutzend Bodenbedienstete hatten weiße Streik-Westen der Gewerkschaft übergestreift. 32 Teilnehmer an dem Ausstand zählte die Gewerkschaft allein in Leipzig. "Das ist fast die komplette Frühschicht", sagte Verdi-Verhandlungsführer Gerd Doepelheuer. Die beiden Kolleginnen, die am Schalter den Notdienst absichern, seien die einzigen, die jetzt arbeiten. "Alle anderen sind hier. Das läuft richtig gut."

Ganz ähnlich sah es zeitgleich in Dresden aus. Auch dort waren laut Verdi rund 30 Mitarbeiter im Ausstand - und nur zwei Schalter besetzt. "Für das erste Mal ist das eine super Beteiligung", sagte Doepelheuer. Denn sowohl in Dresden als auch in Leipzig/Halle war das Personal der beiden Lufthansa-Töchter, die sich hier um die Abfertigung am Boden kümmern, zum ersten Mal im Ausstand. Betroffen war nur die Frühschicht, um 10 Uhr wurde der Ausstand an beiden Airports beendet. "Es ist ja erst einmal nur ein Warnstreik", so Doepelheuer. "Da wollten wir nicht gleich die ganz große Keule rausholen." Von den Mitarbeitern der Frühschicht hätten sich am Ende aber mehr als 90 Prozent beteiligt. "Wirklich Klasse für das erste Mal."

Anders als an anderen Airports übernimmt die Lufthansa Check-in, Gepäckaufgabe und Boarding in Sachsen nicht selbst, sondern hat dies an selbstständige Töchter ausgelagert: Airport Service Leipzig GmbH und Airport Service Dresden GmbH, beide 100-prozentige Lufthansa-Töchter und gegründet 1990. Die jeweils 120 Mitarbeiter tragen zwar Lufthansa-Uniformen. Doch bezahlt werden sie nach einem eigenen Haustarif. "Und der liegt massiv unter dem Niveau der Lufthansa", sagte Doepelheuer. In der aktuellen Tarifrunde fordert Verdi daher vier Prozent mehr. Die Lufthansa bietet nur ein Prozent an und ein weiteres Prozent ab November.

"Dass wir jemals Lufthansa-Tarif bekommen, haben wir uns alle längst abgeschminkt", sagte einer der Streikenden. "Aber mehr als ein Prozent Plus muss es schon geben. Das ist einfach indiskutabel." Laut Verdi kommt eine Vollzeitkraft je nach Dienstalter auf 1440 bis 1850 Euro brutto pro Monat. In der nie- drigsten Stufe seien das gerade einmal 8,50 Euro pro Stunde, so Doepelheuer.

Dem widersprach die Lufthansa. "Die Einstiegsvergütung in der untersten Vergütungsgruppe liegt bereits jetzt deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn", erklärte Konzernsprecher Wolfgang Weber. Für die geforderte Erhöhung sieht er keinen Spielraum. "Wir haben es mit einer wirtschaftlich schwierigen Situation an beiden Flughäfen zu tun und mit einer negativen Ergebnisprognose. Mehr als das bisherige Angebot ist angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht möglich." Die Gewerkschaft forderte er auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Verdi hatte die Gespräche Anfang März nach der dritten Runde abgebrochen. Solange die Lufthansa nicht nachbessere, würden Verhandlungen aber keinerlei Sinn ergeben. "Wir brauchen ein verhandlungsfähiges Angebot", so Doepelheuer. "Wenn sich die Arbeitgeberseite weiter nicht bewegt, gehen die Aktionen weiter." Bis hin zum unbefristeten Streik sei dann alles möglich. "Dann werden auch Flüge ausfallen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2015

Frank Johannsen

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