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Blick vom Dresdner Rathausturm bleibt weiter verwehrt

Bislang keine Aussicht auf Sanierung Blick vom Dresdner Rathausturm bleibt weiter verwehrt

Da kann der goldene Rathausmann so betrübt dreinschauen, wie er will: Der Blick vom Rathausturm bleibt Dresdnern und Besuchern der Stadt auf unabsehbare Zeit verwehrt. „Der Turm entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an den Brandschutz“, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht mit.

Vom Rathausturm bietet sich ein traumhaft schöner Blick auf die Stadt. Von dort oben aus lassen sich auch die 16 Sandsteinfiguren aus nächster Nähe betrachten.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Da kann der goldene Rathausmann so betrübt dreinschauen, wie er will: Der Blick vom Rathausturm bleibt Dresdnern und Besuchern der Stadt auf unabsehbare Zeit verwehrt. „Der Turm entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an den Brandschutz“, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht auf DNN-Nachfrage mit. So lange es keinen zweiten Flucht- und Rettungsweg gebe, bleibe Dresdens – nach dem Fernsehturm – zweithöchster Turm geschlossen. Wann Bauarbeiten vorgesehen sind und wie viel es kostet, den Brandschutz auf Vordermann zu bringen, konnte Schuricht nicht sagen. So viel steht aber fest: Nachdem die Kosten für die Rathaussanierung aus dem Ruder gelaufen sind, fehlt offenbar schlichtweg das Geld, um einen weiteren Fluchtweg zu bauen.

Tilo Wirtz, der für die Linke im Bauausschuss sitzt, kann das bestätigen. „Der Turm ist aus der Sanierung herausgenommen worden, weil es sehr schwierig und teuer geworden wäre, ihn wieder öffentlich nutzbar zu machen.“ Der Stadtrat kann sich erinnern, dass es Pläne gab, einen Konferenzraum im Turm einzu-bauen. Das sei schon vor vielen Jahren gestrichen worden. „Wer den Turm jetzt ernsthaft nutzbar machen will, muss aber auch sagen, woher das Geld dafür kommen soll“, sagt Wirtz. Die Stadt habe zur Zeit allergrößte Schwierigkeiten, die Sanierung des restlichen Rathauses zu stemmen. „Wir sollten uns zunächst darum kümmern und den Rathausturm später in Angriff nehmen“, so der Linke-Stadtrat.

Dieser Fahrstuhl führt zur Aussichtsplattform. Weil es aber keinen zweiten Fluchtweg gibt, bleibt er für Besucher geschlossen.

Dieser Fahrstuhl führt zur Aussichtsplattform. Weil es aber keinen zweiten Fluchtweg gibt, bleibt er für Besucher geschlossen.

Quelle: Anja Schneider

Der Leiter des Stadtarchivs Thomas Kübler hat sich schon als Kind für den Rathausturm begeistert. Für ihn ist er der schönste Dresdner Turm – schöner als der Hausmanns- und der Frauenkirchenturm, die erst später hinzugekommen sind. Viele Kindheitserinnerungen hängen für ihn am Dresdner Rathausturm. „1970 haben mich meine Eltern das erste Mal mit hinaufgenommen“, entsinnt er sich. Sie hätten ihrem Jungen erklärt, was die 16 überlebensgroßen Sandsteinfiguren bedeuten, die ja alle nach dem Krieg wieder aufgestellt worden waren. „Sie symbolisieren Tugenden wie Güte, Weisheit und Hoffnung“, erzählt der Chef des Stadtarchivs. Er, Kübler, habe sich im Halbwinkel hinter einer Sandsteinfigur versteckt und dann auf die Stadt geblickt, berichtet er.

Insbesondere den Rathausmann hat Kübler geliebt. „Mich hat damals schon begeistert, wie das Dresdner Bürgertum die königliche Bauordnung überlistet hat, die ja vorschrieb, dass kein Turm höher sein durfte als der Hausmannsturm“, sagt der Archivdirektor. In der Tat ist es dem 5,60 Meter hohen Rathausmann zu verdanken, dass der Turm mit insgesamt 100,30 Metern zum damals höchsten avancierte. Er zählte nämlich nicht zum Bauwerk. König Friedrich August III. hatte angeordnet, dass der Rathausturm den 100 Meter hohen Schlossturm keinesfalls übertreffen dürfe.

Als Modell für den Rathausmann diente der einst bekannte Ringer und Artist Ewald Redam (1884 bis 1947). Bildhauer Richard Guhr ließ das Modell zunächst aus 2300 Kilogramm Gipsmasse formen und dann erst aus vergoldetem Kupferblech fertigen. Der Rathausturm verfügt zudem über Dresdens zweitgrößte Turmuhr. Das Zifferblatt hat einen Durchmesser von vier Metern. Der Minutenzeiger misst zwei Meter und der Stundenzeiger 1,40 Meter.

„Wir hatten dann 2005 die Idee, den Rathausmann mit einem alpinen Kran runterzunehmen vom Rathaus und ihn in der Uni röntgen zu lassen, um zu sehen, was im Kopf drin ist“, berichtet Thomas Kübler. Tatsächlich wurde eine kupferne Schatulle mit allerlei Zeitdokumenten, darunter ein „Dresdner Anzeiger“ vom 15. April 1908, zutage gefördert und ins Stadtarchiv übernommen.

Der Rathausmann selbst ist binnen acht Monaten in Berlin komplett restauriert worden und im Juli 2006 auf seinen Turm zurückgekehrt. Seine Kupferhaut ist mit 520 Gramm extrastarkem Blattgold belegt worden. Nach der Sanierung des Rathausmannes stand der Rathausturm noch drei Jahre offen. Auch Thomas Kübler selbst ist das letzte Mal 2009 oben gewesen. Seitdem wartet der einsame Rathausmann darauf, dass man ihm, wenn schon nicht Gesellschaft leistet, so doch wieder ein ganzes Stückchen näher kommt.

Von Katrin Richter

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