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Bewährungsstrafe für 25-jährigen Randalierer

Vor Gericht Bewährungsstrafe für 25-jährigen Randalierer

Martin B. hatte bisher ein sehr bewegtes Leben, obwohl er selbst, außer Alkohol und Drogen, wenig bewegt hat – achte Klasse, Lehre abgebrochen, keine Arbeit. Er lehnte sich zurück und ließ lieber andere machen. Ämter und Behörden kümmerten sich um sein Leben, egal ob Ausbildung, Wohnung, Miete, Familie, Stütze.


Quelle: dpa

Dresden. Martin B. hatte bisher ein sehr bewegtes Leben, obwohl er selbst, außer Alkohol und Drogen, wenig bewegt hat – achte Klasse, Lehre abgebrochen, keine Arbeit. Er lehnte sich zurück und ließ lieber andere machen. Ämter und Behörden kümmerten sich um sein Leben, egal ob Ausbildung, Wohnung, Miete, Familie, Stütze. Nur wenn etwas nicht nach seinem Willen funktionierte, legte B. los – dann aber richtig. Das brachte ihm mal wieder einen Platz auf der Anklagebank ein.

Kam einmal das Geld vom Jobcenter nicht, weil der Weiterbewilligungsantrag noch nicht entschieden war, wurde gedroht: „Wenn die Kohle in zwei Tagen nicht da ist, bring ich euch um.“ Die Mitarbeiterin wurde auch noch persönlich beleidigt. Für den 25-Jährigen nicht so schlimm. „Es kann sein, dass ich Fo.. gesagt habe, ich brauchte den Scheck, ich habe ja Kinder. Aber umbringen habe ich nicht gesagt, höchstens anzünden“. Das macht es nicht besser. Zudem gibt es andere Mittel an das Geld zu kommen – abgesehen von der Möglichkeit, es sich mit Arbeit zu verdienen. Das tun Millionen andere auch.

Als ihn das Arbeitsamt zu einer Arbeitsmaßnahme schickte, war er so verärgert, dass er sich besoff und dann Passanten am Jacob-Winter-Platz terrorisierte. Er attackierte einen Aufzugsmonteur mit Bierflaschen, warf Steine auf dessen Dienstwagen und zerschmiss die Frontscheibe, demolierte ein weiteres Auto sowie die Klingelanlage und Eingangstür eines Wohnhauses und schubste einen kleinen Jungen hin und her, der zufällig vorbei kam. „Ich bin in Prohlis einiges gewohnt, aber soviel Aggressivität habe ich noch nie erlebt“, sagte der Monteur. Der Angeklagte konnte sich an nicht erinnern. „Ich war betrunken, es tut mir leid.“ Damit scheint die Sache für ihn erledigt zu sein. Wenn auch niemand ernsthaft zu Schaden kam, die Betroffenen mussten viel Zeit und Geld investieren, um die Schäden beheben zu lassen. Erst seit drei Monaten bemüht er sich um Schadenswiedergutmachung, das hätte er längst tun können.

Im März 2015 gab es wieder einen Grund zur Verärgerung: Seine Freundin musste ins Gefängnis und er sich um die Kinder kümmern. Martin B. war so empört, dass er einem Straßenbahnfahrer, der ihm mit dem Kinderwagen aus der Bahn helfen wollte, dreimal mit der Faust aufs Ohr schlug. Gehts noch? Straßenbahnen nutzt der Angeklagte generell sehr oft – nur bezahlt er selten. Unter anderem deshalb musste er Anfang des Jahres fünf Monate in Haft – Bewährungswiderruf.

Er wolle sich ändern, beteuerte der 25-Jährige, aber hat er wirklich begriffen, dass es um sein Leben geht? Wenn sich jemand beschwert, dass das Amt „nur“ die Miete zahlt, und der restlichen Lebensunterhalt vom Lohn bestritten werden muss, hat man so seine Zweifel. Immerhin, Martin B. hat jetzt eine feste Arbeit, deshalb gab ihm die Richterin eine letzte Chance und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die noch einmal zur Bewährung ausgesetzt wurde. Bewährungsauflagen: Er muss zur Suchtberatung, die Schadenswiedergutmachung vorantreiben und dies dem Gericht nachweisen. So kommen die Geschädigten wenigstens zu ihrem Geld.

Von Monika Löffler

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