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Betreuungsnot: Dresden streicht Krippenplätze

Betreuungsnot: Dresden streicht Krippenplätze

Die Situation für junge Eltern ist katastrophal: Dresden kommt bei den aktuellen Geburtenzahlen und Zuzügen nicht hinterher und kann nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder bieten.

Von Madeleine Arndt

Um den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab drei Jahren noch gewährleisten zu können, werden jetzt sogar Krippenplätze abgebaut. "Plätze in Kindertagesstätten, die von der Betriebserlaubnis her für Kinder unter drei Jahren genutzt werden dürfen, werden nun für die Betreuung von älteren Kindern in Anspruch genommen", bestätigte Marco Fiedler, Referent des Sozialbürgermeisters Martin Seidel (parteilos). Außerdem hat der Kita-Eigenbetrieb im November alle Tagesmütter gebeten, die Betreuung der Kinder über das dritte Lebensjahr hinaus zu verlängern. Im Krippenbereich verschärft sich dadurch die Lage. Bis zum Juni 2012 wird es laut Fiedler an 1500 Krippenplätzen fehlen.

Die Stadt sieht sich außerstande, diese gewaltige Lücke im nächsten Jahr zu schließen. Bis zum Schuljahresende 2012/13 sollen 985 neue Betreuungsplätze geschaffen werden. Das ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein, denn durch weitere Geburten brauchen im Juni 2013 immer noch 1400 Jungen und Mädchen eine Tagesmutter oder eine Kindergärtnerin. Und obwohl das Kinderförderungsgesetz des Bundes bis zum Jahr 2013 für Ein- bis Dreijährige einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz angekündigt hat, ist für viele Kommunen jetzt schon klar, dass sich das Ziel des Familienministeriums nicht realisieren lassen wird.

"Wir müssen unbedingt noch mehr und schneller bauen", betont Fiedler. In der Verwaltung wird deshalb gerade über den Kita-Maßnahmeplan II beraten. Danach sollen bis zum Jahr 2015 etwa 2100 neue Plätze, davon je 250 bei Tagesmüttern und in Kindergärten, geschaffen werden. Des Weiteren sollen 1600 Jungen und Mädchen in 14 Container-Kitas untergebracht werden.

Wer jetzt für sein Kind Betreuung braucht, hat schlechte Karten. Die Stadt vergibt aktuell keine Betreuungsplätze für unter Dreijährige in ihren städtischen Einrichtungen. Damit bleibt Müttern nach 14 Monaten Elternzeit (Dauer des Elterngeldbezuges) der Wiedereinstieg in ihren alten Job verwehrt. Das geht sogar so weit, dass der mit der Schwangerschaft greifende Kündigungsschutz ausgehebelt wird. Mütter stehen unter dem Druck, ihre feste Stelle kündigen zu müssen, weil sie sich weiter ganztags um das Kind kümmern müssen. In nächster Konsequenz entfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil die Frau ja nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Existenzängste tun sich auf.

Bleibt noch die winzige Chance, in den umliegenden Städten nach einer Betreuung zu suchen. Doch auch dort sieht es schlecht aus und jede Kommune ist sich selbst am nächsten. So reichen beispielsweise in Freital, Radeberg und Pirna die Kapazitäten gerade mal für den eigenen Bedarf. "Wir nehmen vorrangig Kinder auf, deren Eltern ihren Wohnsitz in Pirna haben", sagt Stadtsprecherin Sabine Schlechtiger. Alles weitere seien Einzelfallentscheidungen.

In Radebeul und Coswig sind die Krippenplätze prinzipiell nur den Einheimischen vorbehalten. "Wir können keine Kapazitäten für die Dresdner vorhalten", heißt es aus der Coswiger Stadtverwaltung. Nur in seltenen Ausnahmefällen, wenn beide Eltern zwar in Dresden wohnen, aber zum Beispiel in Radeberg oder Radebeul arbeiten, lässt sich auch für das Kind etwas einrichten. In Heidenau gibt es sogar einen Stadtratsbeschluss, nach dem Heidenauer Kitas ausschließlich Heidenauer Kindern vorbehalten sind. Wer Familie und Beruf miteinander vereinbaren will, muss demnach aus Dresden wegziehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.12.2011

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