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Benimm ist in: Immer mehr Kinder lernen gutes Benehmen

Benimm ist in: Immer mehr Kinder lernen gutes Benehmen

Die lange Tafel ist mit frisch gepflückten Blumen dekoriert, Teelichter flackern und an jedem Platz liegen gefaltete Servietten. Die Gabel kommt in die rechte Hand, der Löffel in die linke.

Von Annette Thoma

Was in dieser Konstellation natürlich eine Ausnahme ist, denn es gibt Pasta. Aber nicht irgendeine Pasta aus dem Supermarkt. Nein - hier wird selbst gekocht. Und zwar mit frischen und saisonalen Zutaten. Gut dreißig Kinder helfen fleißig mit, sei es dabei, die Tomaten und Zwiebeln zu schneiden, den Nudelteig in Mehl zu rollen oder den Tisch zu decken. Alles unter den wachsamen Augen von Karen Hammer. Die Kinder sind aus dem Hort der 50. Grundschule Gertrud Caspari, Karen Hammer ist die Leiterin der Benimmschule und Erlebnismanufaktur "Erlebnissimo".

In dieser Kombination von Benimm- und Kochkurs lernen die Grundschüler nicht nur, wie man Speisen frisch und selbst herstellen kann, sondern auch, wie man sich bei Tisch verhält und eine schöne Atmosphäre schafft. Ästhetik und Manieren - das klingt auf den ersten Eindruck für manche altmodisch. Aber der Schein trügt. "Die Anmeldungen für Benimm- und Kochkurse haben in letzter Zeit zugenommen, besonders im Teenager-Alter", so Karen Hammer. Ganz nach dem Motto "Benimm ist in" bietet sie ein facettenreiches Programm für die Kleinen und die Großen. "Benimm tut nicht weh. Es ist zeitgemäß und nicht antiquiert." Wieder Regeln im Miteinander zu entdecken, das sei heutzutage ein Trend. "Die Leute erkennen die Notwendigkeit darin."

Gesundes Essen, ein hohes Maß an Selbstständigkeit, gewisse Umgangsformen untereinander und die Ästhetik der Tischdekoration - all das sind nur einige Aspekte des Kurses von Karen Hammer. Für manche Kinder ein neues Erlebnis, alles so hautnah mitzuerleben, andere geben sich routinierter. Bevor gegessen wird, werden einige Fragen zu den Tischmanieren geklärt. Dass man den Mund zumacht beim Kauen, wissen sie alle. Aber auf Hammers Frage, ob man denn auch sagen dürfe, wenn es nicht geschmeckt hat, stutzen einige und sind unsicher. Die meisten verneinen. "Doch, das darf man", klärt die Leiterin auf, "aber auf eine höfliche Art und Weise." Die Kinder lernen mehr als das einfache "Danke" und "Bitte".

Ortswechsel in die Kita "Haus der Kinder" in Dresden-Pieschen. Auch wenn die Benimmschule von Karen Hammer und die Kita auf den ersten Blick nicht allzu viel miteinander zu tun haben, gibt es viele Gemeinsamkeiten, was das Essen angeht. Denn auch hier wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass Kinder gewisse Regeln bei Tisch einhalten.

Benimm ist in: Kinder können mehr als "Danke" und "Bitte"

Jeden Tag isst der Nachwuchs in einem Kinderrestaurant. Die Kinder sollen einen hohen Grad an Selbstständigkeit entwickeln. Sie helfen, die Tischdekoration auszuwählen, holen sich selbst Geschirr und Besteck und oder wischen nach dem Essen ihren Platz. "Für die Selbstständigkeit müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen sein", sagt Gudrun Wündrich, die Leiterin der Kita. Und so ein Restaurant sei ein ganz wichtiger Lernort. Sie weist auf einen Schrank mit mehreren Fächern in der Mitte des Zimmers. Darin befinden sich Teller, Tassen oder Besteck, alles auf Sichthöhe der Kinder. Sowohl mit Bild als auch mit Text in Deutsch und Englisch ist der jeweilige Inhalt der Fächer gekennzeichnet.

Und tatsächlich: Selbst dreijährige Kinder decken selbst, holen sich das Essen nach und schenken sich Getränke ein, Wasser mit Zitrone oder frischen Tee. Sie essen aus Porzellantellern. Das hat nicht nur etwas mit der Ästhetik zu Tisch zu tun, sondern auch damit, den Kindern etwas zuzutrauen. Mit Papp- oder Plastiktellern sei das kaum möglich. Außerdem sollen sie sich die Kleinen wohlfühlen.

Und was ist nun wichtiger: die Ästhetik oder die Manieren bei Tisch? "Das ist eins", betont Gudrun Wündrich. "Es ist das Rüstzeug für die Kinder. Sie brauchen von klein auf gewissen Rituale." Die persönliche Unterstützung ist dabei die wichtigste Voraussetzung. "Mit Zwang läuft gar nichts. Probieren Sie mal, ein zweijähriges Kind dazu zu bringen, mit Messer und Gabel zu essen." Kein Zwang, kein Muss. Stattdessen die Kinder spielerisch an etwas Neues heranführen, ihnen gut zureden oder sie positiv motivieren. Das hat oberste Priorität in der Kita "Haus der Kinder". Das, was die Kinder drauf haben sollten ist abhängig vom Alter und von ihrer Entwicklung.

Kleine Rituale und Unterstützung als wichtigste Voraussetzung

Während des Essens ist es still, leise Tischgespräche sind erlaubt. So auch bei Karen Hammer und den 30 Grundschülern. Lärm oder Quatsch machen am Tisch gibt es nicht. Genau so wenig wie die Ellenbogen auf dem Tisch. Frau Hammer erinnert die Kinder immer wieder daran, aufrecht zu sitzen. "Denkt an die Katze, die ihr auf dem Schoß habt." Ihren Augen entgeht nichts. "Und auch die Maus hinter eurem Rücken nicht vergessen!" Spielerisch lernen ist bei Kindern eine bewährte Taktik. "Bringt man ihnen etwas anschaulich bei, prägen sie es sich viel leichter ein", weiß sie. Deshalb bringt sie zu ihren Benimmkursen bei den ganz Kleinen auch immer Stofftiere mit. Die Katze kommt auf den Schoß, um Abstand vom Tisch zu halten. Eine kleine Maus wiederum klemmt zwischen Rücken und Stuhllehne, damit sich die Kinder nicht leger anlehnen. "Die gerade Haltung fällt vielen Kindern schwer. Die Einsicht fehlt, dass das schöner aussieht als ein gekrümmter Rücken."

Einen Haken gibt es - und das bemerkt nicht nur Karen Hammer, sondern auch Gudrun Wündrich. Ziehen die Eltern zu Hause nicht mit, ist die Arbeit der beiden Frauen fast umsonst. "Die Eltern müssen darauf achten und nachhaltig sein. Das Kind lernt durch Wiederholung", meint die Leiterin der Benimmschule. Die Eltern sind die wichtigsten Vorbilder für den Nachwuchs. Kinder schauen sich das ab, was sie vorgelebt bekommen.

Warum Benimm so wichtig sei und bereits Dreijährige davon etwas wissen sollten? Die Zeit habe sich sehr gewandelt, so Karen Hammer. "Kinder müssen sich immer öfters durchsetzen und fordern mehr für sich ein." Tischmanieren, ein Sinn für Ästhetik und Höflichkeit helfen dabei, sich in der Welt zu behaupten, helfen bei Bewerbungen und im Beruf. Die Kinder müssen aber dort abgeholt werden, wo sie stehen. Nicht nur in einem Benimmkurs oder in der Kita. Jeden Tag. Zu Hause.

Die Kindertagesstätte "Haus der Kinder" befindet sich in Dresden-Pieschen, Heidestraße 29 und ist unter der Nummer 858 06 23 zu erreichen.

Die Benimmschule für Kinder und Erlebnismanufaktur "Erlebnissimo" von Karen Hammer, Röhrhofsgasse 2, bietet eine Vielzahl an Kursen rund um das Thema Benimm und Knigge an. Auf der Homepage unter www.erlebnissimo.de gibt es weitere Informationen. Karen Hammer ist entweder per Mail unter info@erlebnissimo.de zu erreichen oder telefonisch unter 484 25 54, mobil unter 0174/609 39 53. Die Kosten für eine Kindergruppe beginnen bei 3,50 Euro pro Person, maximal kostet ein Kurs 25 Euro.

Auch im art'otel dresden, Ostra-Allee 33, wird ein "Kinder-Knigge-Kurs" angeboten. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren können sich unter 492 27 40 anmelden. Die nächsten Kurse finden am 29. 9., 6. 10. und 13. 10. statt, jeweils um 11 Uhr und kosten 9,50 Euro, inklusive eines 2-Gänge-Menüs.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.09.2012

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