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Bei einer OP zugeschaut: "Ein Chirurg hat den besten Job der Welt"

Bei einer OP zugeschaut: "Ein Chirurg hat den besten Job der Welt"

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten.

24 Tage lang bis zum Weihnachtsabend öffnen die DNN wie bei einem Adventskalender jeden Tag ein besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Pforten. Dieses Mal waren wir in einem Operationssal des Universitätsklinikum "Carl Gustav Carus".

Von Nadine Steinmann

Sie retten den Menschen das Leben, sind ständig im Einsatz und benötigen eine 15-jährige Ausbildung, um ihrer Berufung nachzugehen: Chirurgen. Einer von ihnen ist Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie im Uniklinikum. Übersetzt bezeichnet dies die Eingriffe an Bauch, Lunge und Blutgefäßen. Täglich operieren die Chirurgen hier zwischen 15 und 20 Menschen.

Weitz liebt seinen Beruf. "Man erlebt immer wieder was neues. Jeder Mensch und seine Körperorgane sind verschieden", erklärt der Klinikdirektor. Es brauche also viel Köpfchen, sich jedes Mal aufs Neue Strategien für eine Operation zurecht zu legen. Aber vor allem die Hände sind das Kapital der Chirurgen. "Man muss geschickt sein. Das Wichtigste ist aber, immer Ruhe zu bewahren. Schließlich entscheiden wir, wie ein Patient sein Leben weiter führen wird", berichtet Weitz.

Doch bevor es überhaupt in den OP-Saal geht, steht die tägliche Visite an. 7.10 Uhr versammeln sich dafür alle Oberärzte auf der Intensivstation und besuchen jeden einzelnen Patienten. Danach folgt die Frühbesprechung. Hier kommen die Assistenzärzte und Röntgenärzte dazu. Jeder Fall wird dort mit den Kollegen besprochen und die Röntgenbilder ausgewertet. "Dann berichtet der diensthabende Arzt, welche Operationen in der Nacht durchgeführt und welche Patienten stationär neu aufgenommen worden sind", erklärt der 46-Jährige weiter. Selbst in der Nacht stehen übrigens zwischen fünf und sieben Notoperationen an. Meistens sind das akute Gallenblasenentzündungen, Gefäßverstopfungen oder Blinddarmdurchbrüche. Sind diese Fälle alle erklärt, geht es für die Ärzte in den OP-Saal.

Dabei muss man laut Weitz vieles beachten: "Der Eingriff an für sich ist nur die Spitze des Eisberges". Der Patient muss vorbereitet, desinfiziert und in Narkose versetzt werden. Die andere Seite der Vorbereitungen ist die Sterilisation aller Instrumente. "Es gibt ja auch einen Unterschied zwischen steril und desinfiziert. Die meisten Leute wissen das gar nicht", fährt der Klinikdirektor fort. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Steril sind in der Regel nur die Instrumente, denn diese werden bei 100 Grad abgekocht, so dass sämtliche Bakterien verschwinden. "Mit einer menschlichen Hand kann man das natürlich nicht machen. Zumindest nicht mehr als einmal", fügt Weitz schmunzelnd hinzu. Deswegen sind die Hände mit dafür vorgesehenen Lösungen auch nur desinfiziert . Sprich: Die meisten Bakterien werden abgewaschen, aber eben nicht zwangsläufig alle, Vier verschiedene Lösungen stehen im Gang vor dem OP-Saal zur Verfügung. "Auch das ist ganz wichtig, denn einige unserer Chirurgen reagieren allergisch auf eine ganz bestimmte. Und so hat man die Auswahl", berichtet Weitz. Was natürlich auch nicht fehlen darf, sind Haube, Mundschutz, OP-Kittel und -hose.

Erst dann darf man den Saal betreten. Die Schwester reicht Weitz nun den Kittel, zieht ihm Handschuh über und knotet den Kittel zu. "Bei einer guten Schwester brauche ich eigentlich nichts mehr machen. Es geschieht alles selbstverständlich", erklärt der Chirurg. Doch bevor das Messer gezückt wird, geht das Operationsteam eine Checkliste durch. Es wird überprüft, ob der richtige Patient auf dem Tisch liegt, die richtige Seite vorbereitet ist und wie viele Bauchtücher und Tupfer vorhanden sind. Danach stellen sich die behandelnden Chirurgen und Schwestern gegenseitig vor, damit sie wissen, mit wem sie arbeiten - und nun geht es los.

Auf dem Tisch vor Weitz liegt diesmal ein 45-jähriger Mann, der einen Leistenbruch erlitten hat. Um dies einmal kurz zu erläutern: Über der Bauchhöhle liegt das Bauchfell, danach folgen drei Muskelschichten, gefolgt von der Fettschicht und abschließend der Haut. Bei einem Leistenbruch ist das Bauchfell durch das Muskelgewebe gebrochen und hat es zerstört. Würde man den Bruch nicht behandeln, kann der Darm hinaustreten. "Wir gehen kurz über dem Bauchnabel durch die Fettschicht hindurch bis zum Bauchfell. Dieses drängen wir zurück an seinen Platz und legen eine Plasteabdeckung auf den Bruch", erklärt Weitz das Verfahren.

Das ganze geschieht minimalinvasiv, das heißt, der Schnitt am Bauch ist maximal drei Zentimeter lang. Kaum Blut, keine großen Narben. "Der Patient soll sich nach dem Eingriff nicht schämen, im Bikini oder in der Badehose am Strand entlang zu gehen", sagt der Klinikdirektor. Sollten jetzt die Frage aufkommen, wie der Chirurg bei so einem kleinen Schnitt etwas sehen kann, dann ist dies einfach beantwortet: Eine Bauchspiegel-Kamera wird in den Körper eingeführt und schickt das Bild auf zwei Monitore. Durch zwei weitere kleine Schnitte kann Weitz mit den benötigten Instrumenten agieren. "Auch hier ist die Schwester wie eine Ehefrau. Bevor ich irgendwas sage, weiß sie genau, was ich brauche", sagt der Chirurg.

Eine Stunde dauert der Eingriff. Danach wird erneut die Checkliste durchgegangen. "Hier zählen wir, ob alle Bauchtücher und Tupfer draußen sind und nicht aus Versehen eines im Körper geblieben ist", berichtet Weitz. Nun wird der Patient zugenäht und in den Aufwachraum verlegt. Weitz widmet sich seinem nächsten Patienten.

Bis der Klinikdirektor aber so selbstsicher an den Patienten agieren konnte, durchlief er eine lange Ausbildung: sechs Jahre Studium, sechs weitere Fachausbildung und drei Jahre fachspezifische Ausbildung. Zusätzlich hat der gebürtige Pfälzer zwei Jahre in New York verbracht. Das dortige "Memorial Sloan-Kettering Cancer Center" gilt als eine der besten Krebskliniken der Welt.

Seit September ist Weitz in Dresden am Uniklinikum. Hier erleichtert er nun jeden Tag das Leben der Menschen "Erst vor Kurzem habe ich einem jungen Mann, der schon von zwei Ärzten gesagt bekommen hatte, dass sein Tumor inoperabel sei, das Geschwür komplett raus geholt", erzählt der Chirurg stolz. Diese lebensrettenden Maßnahmen sind seiner Meinung nach genau der Grund, warum ein Chirurg den besten Job der Welt hat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.12.2012

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