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Bei Siemens in Dresden werden Transformatoren von Hand gefertigt

Bei Siemens in Dresden werden Transformatoren von Hand gefertigt

"Da bin selbst ich immer wieder beeindruckt." Andächtig blickt Werksleiter Gerald Kotte zur Decke der Montagehalle. Dort wird man gerade Zeuge eines besonderen Schauspiels: die "Hochzeit", so nennt der Fachmann den Moment, wenn der frisch gefertigte Aktivteil eines Transformators in den "Kessel" versenkt wird.

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Facharbeiter Ronny Bürger ist damit beschäftigt, die später den Strom leitende Wicklung für den Transformatorenkern herzustellen.

Quelle: Christian Juppe

Ein Kran hievt ein 79-Tonnen-Teil, über das später Strom fließen wird, spektakulär über das Gehäuse und lässt es sanft hineingleiten. Aus der Vereinigung hervor geht ein nagelneuer Transformator, der in diesem Fall bald in einem Umspannwerk in Turkmenistan arbeiten und ein "olympisches Dorf" mit Strom versorgen wird. Etwa 50 Tage dauert die Montage solcher bis zu 260 Tonnen schweren Ungetüme. "Von der Auftragseinholung über Planung und Design bis hin zur Montage machen wir alles selbst", erklärt Kotte. Von Hand, versteht sich. Serienfertigung ist an der Overbeckstraße ein Fremdwort, jedes Produkt ein Einzelstück und genau zugeschnitten auf die Wünsche des Auftraggebers. Der sitzt in zwei von drei Fällen im Ausland. "Die Lebenszeit eines Trafos beträgt 40 bis 50 Jahre. Da Deutschland in Sachen Stromversorgung bereits sehr gut aufgestellt ist, sind unsere Produkte folgerichtig anderswo gefragter", erläutert Kotte. Hauptabsatzmärkte sind Europa und der arabische Raum. Ob die künstlich angelegte Palmeninsel vor Dubai, der Transrapid in Shanghai oder der Flachbildfernseher daheim - Trafos aus Dresden hauchen ihnen Leben ein, denn erst sie wandeln die im Umspannwerk als Höchstspannung anlaufende Elektrizität in verbraucherfreundlichen Strom aus der Steckdose um. In Deutschland zählen daher vor allem die großen Energieversorger wie RWE, EON und EnSo, in Dresden die DREWAG, zum Kreis der Kunden.

Um auf dem Weltmarkt vorne mitzuspielen, brauchte das 1904 gegründete Traditionswerk einen langen Atem. Nach der Übernahme des ehemaligen VEB Transformatoren- und Röntgenwerk startete Siemens in Dresden nach der Jahrtausendwende wieder durch. 280 Mitarbeiter stehen heute wieder in den Fertigungshallen, weitere 170 sind in der Niederlassung nebenan beschäftigt. "Vor zehn Jahren waren wir bei gerade noch 125", sagt Gerald Kotte. In den vergangenen fünf Jahren konnte das Werk sein Auftragsvolumen nochmals verdoppeln. Und es wurde kräftig modernisiert. "Seit 2007 haben wir 25 Millionen Euro in Gebäude und Technik investiert", verrät Kotte. Kernbauhalle, Prüffeld, Spulenlager und Versandhalle wurden neu errichtet, die Technik in den Wickelhallen erneuert. Bei Transformatoren ist Siemens heute die Nummer zwei mit weltweit mehr als 20 Fertigungsstandorten.

Als einer von wenigen Siemens-Standorten verfügt das Dresdner Werk seit zwei Jahren über eine eigene Forschungsabteilung. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem Umweltschutz. "Das Thema spielt für uns eine bedeutende Rolle. Unsere Arbeit ist sehr ressourcenintensiv. Wir sind permanent bestrebt, Rohstoffe wie Stahl, Öl oder Kupfer einzusparen." Unter anderem durch Recycling ausgedienter Transformatoren. Beim Gang durch die Wickelhallen wird deutlich, dass Handarbeit auch wirklich Handarbeit meint. Hier erhalten die Transformatorenkerne ihre Ummantelung, die sogenannte Spule. Drei Lagen feinster Kupferdraht werden um den Eisenkern gelegt. Eine Woche lang sind die Arbeiter damit beschäftigt. Gearbeitet wird rund um die Uhr im Dreischichtsystem. Und damit der Nachwuchs nicht ausbleibt, setzt Gerald Kotte auf Volksnähe: "Wir hoffen, dass zur Langen Nacht der Industrie viele junge Leute kommen, die vielleicht im Bereich Elektrotechnik oder Maschinenbau studieren oder eine Ausbildung machen wollen." Die Premiere 2012 war ein voller Erfolg. Beide Führungen waren hoffnungslos überbucht.

Jane Jannke

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