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Behördenchef Frank Richter zum Streit um die Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung mit Zeitzeugen

Behördenchef Frank Richter zum Streit um die Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung mit Zeitzeugen

"Der größte Feind des Historikers ist der Zeitzeuge". Dieser Scherz wird gern und oft in den Geschichtswissenschaften weitergetragen und hat im jüngsten Disput um die Zeitzeugen-Arbeit der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung neue Brisanz gewonnen.

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Frank Richter, Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, versucht Erinnerungen von Zeitzeugen einzubetten in die Aufarbeitung der Geschichte.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dahinter steckt einerseits eine - nicht mehr haltbare - Vorliebe früherer Historiker-Generationen für das Quellenstudium.

Andererseits ist es ein bekanntes Phänomen, dass sich der Rückblick von Beteiligten über die Jahre hinweg im Sinne ihrer eigenen Deutung von Geschichte "begradigt", oft auch nur von Dritten Gehörtes mit den eigenen Erinnerungen verschmilzt. Und dann passen Forschungsergebnisse von Zeitzeugen und Erinnertes oft nicht mehr zueinander. Längst haben Historiker und Didaktiker aber auch erkannt, dass "erzählte Geschichte" wichtige Puzzle-Teile für unser Bild vergangener Ereignisse und Zusammenhänge liefern: über das hinaus, was offizielle Akten vermerken.

"Wir brauchen Geschichten wie ein Lebensmittel", meint auch Frank Richter - als Landeszentralen-Direktor dem wissenschaftlicher Geschichtsaufarbeitung verpflichtet, durch seine Rolle in den Dresdner Wende-Demos aber gleichermaßen Zeitzeuge. Und solche Zeugen, so meint Richter, "bereichern den Geschichtsunterricht ungemein. Die Vorstellung von dem, was sich in der Vergangenheit ereignet hat, gewinnt durch die Begegnung mit ihnen an Farbe, Emotionalität und Menschlichkeit."

Problematisch werde es indes, so Richter, wenn Zeitzeugen versuchen würden, "die Erklärungs- und Deutungshoheit über die Vergangenheit" zu übernehmen. "Manche sagen: ,Ich erzähle euch jetzt mal, wie es wirklich war.'" Aber Erinnerung verliere an Schärfe. "Und: Zeitzeugen können uns nur ihre Geschichte erzählen. Diese muss in Beziehung gesetzt werden zu den Geschichten, die andere Zeitzeugen erzählen. Und sie muss verglichen werden mit weiteren Quellen, mit Akten zum Beispiel, mit Zeitungsberichten, mit Fotografien und Dokumenten."

Auslöser des jüngsten Zeitzeugen-Disputs war die Kritik des früheren Zwickauer Dompfarrers Edmund Käbisch, Richter erlaube ihm und anderen nicht mehr, als Zeitzeugen in den Schulen aufzutreten. Der Direktor hatte dies zurückgewiesen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.03.2014

hw

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