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Behinderter Dresdner düst mit einmaligem Bike durch Stadt und Land

Nach schwerem Unfall Behinderter Dresdner düst mit einmaligem Bike durch Stadt und Land

Vor vier Jahren ist Jürgen Frey verunglückt. Seit dem schweren Motorradunfall kann er seine Beine nicht mehr bewegen. Das Motorradfahren will er dennoch nicht lassen und hat dafür eine ganz besondere Lösung gefunden.

Jürgen Frey fällt auf mit seinem ganz besonderen Motorrad.
 

Quelle: Christoph Springer

Dresden.  Die Passanten treten ehrfürchtig zur Seite, reiben sich ungläubig die Augen und sind fasziniert vom schicken Ei-Design, wenn Jürgen Frey vorfährt. Der 41-Jährige steuert seinen „Monotracer“ geschickt durchs Publikum vor der „Scheune“ und stoppt vor einer Einfahrt. Dann öffnet er die große Flügeltür auf der linken Seite und bittet um Hilfe. Wieder staunt das Publikum, denn hinter Jürgen Frey, auf dem zweiten Sitz im segelfliegerähnlichen Cockpit, klemmt ein Rollstuhl. Der Diplom-Ingenieur für Aerodynamik ist behindert. Seit einem schweren Motorradunfall vor vier Jahren kann er seine Beine nicht mehr bewegen. Die Lust am Zweirad hat ihm das aber nicht genommen. Ganz im Gegenteil: Frey ist stolz auf seine Neuanschaffung, die er persönlich vor ein paar Wochen in Brno (Brünn) abgeholt hat. Seit einer Woche hat seine schnittige Zigarre auch ein Kennzeichen und der 41-Jährige wagt sich mit dem ungewöhnlichen Zweirad immer häufiger in den Alltagsverkehr.

Nirgendwo kann er stoppen, ohne sofort jede Menge Fragen zu seinem Fahrzeug beantworten zu müssen. „Was ist das denn?“, kreischt ein begeisterter Passant und Frey antwortet trocken: „Ein Motorrad.“ Basis BMW, handgefertigt in Tschechien, 116 PS, vier Gänge vorwärts, einer rückwärts, Heizung, Klimaanlage, Hubdach und etwa 270 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit. Einen Betrag im höheren fünfstelligen Bereich hat sich der Dresdner sein Motorrad kosten lassen. Zusätzlich wurde es für seine Bedürfnisse als Rollstuhlfahrer umgebaut, also alle Teile für die Fußbedienung wurden am Lenker integriert. Der Monotracer hat einen kleinen Kofferraum, da passt sogar sein demontierter Rollstuhl hinein. So kann er noch einen „Beifahrer“ mitnehmen im stromlinienförmigen Zweirad.

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Das Ein- und Aussteigen dauert ein paar Minuten, dennoch genießt Jürgen Frey aus Dresden die Möglichkeit, wieder Motorrad zu fahren. Das ist dank seines ganz besonderen Zweirads seit einer Woche wieder möglich. Jahrelang musste er nach einem schweren Unfall darauf verzichten.

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Den braucht Jürgen Frey im Grunde aber gar nicht. Das Ein- und Aussteigen klappt alleine, es dauert nur noch ein bisschen. „Ich übe noch“, lächelt er und bezieht das durchaus auch aufs Fahren. Zwar hat er auf der Grand Prix-Rennstrecke in Brünn eine dreitägige Einweisung samt Fahrübungen bekommen, der Verkehrsalltag auf den Straßen in Dresden ist aber etwas anderes. „Ich habe noch gehörigen Respekt“, beschreibt er seine Gefühle zwischen Pkws und Lastern. Eine besondere Herausforderung ist dabei die Bedienung der zwei Stützräder auf beiden Seiten der Zigarre, die per Knopfdruck ausgeklappt werden können, um das Zweirad bei geringen Geschwindigkeiten abzustützen. Die kleinen Räder sind dem 41-Jährigen ein wenig peinlich, viel eleganter und sportlicher findet er seinen Monotracer ohne die Hilfsräder.

Motorräder hatte Jürgen Frey schon immer. „Ein großes Spielzeug für einen großen Jungen“, nennt er die Zweiräder, die heute mehr Freizeitvergnügen als Fortbewegungsmittel für den Alltag sind. Mit seinem Monotracer will er irgendwann wieder auf Tour gehen, vielleicht mal rund um Dresden, ins Erzgebirge, später mal auf richtig lange Strecken, zum Beispiel in die Alpen. So wie vor seinem schweren Unfall, bei dem ihn nahe Halle eine Autofahrerin abgeschossen hat. „Vier Wochen später bin ich wieder aufgewacht, ich war eigentlich schon auf der anderen Seite“, beschreibt der 41-Jährige die Folgen der schweren Karambolage, bei der viel mehr als nur sein italienisches Motorrad kaputt gegangen ist. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen und auf eine behindertengerechte Wohnung.

„Für einen Aerodynamiker ist das standesgemäß“, freut sich Frey über seine weiße Zigarre, die demnächst häufiger in Dresden zu sehen sein wird. Zum ersten Mal hat er solch ein Fahrzeug vor fünf Jahren bei einer Luftfahrtmesse in Friedrichshafen gesehen. Da waren auch die Entwickler des Monotracers aus der Schweiz unter den Ausstellern. Insgesamt gibt es davon weltweit rund 80, kann er berichten, in Naumburg weiß er den nächsten Besitzer eines solchen Zweirads. Dennoch weiß er sich auch in Dresden unter seinesgleichen, denn der 41-Jährige ist jetzt wieder Motorradfahrer. Endlich. Nur eins stört ihn noch: „Die Motorradfahrer grüßen mich nicht“, bedauert er, „das finde ich unfair“.

Von Christoph Springer

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