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Baywobau-Chef Berndt Dietze: "Der Verfall hat mich nahezu krank gemacht"

Baywobau-Chef Berndt Dietze: "Der Verfall hat mich nahezu krank gemacht"

"Man mag immerhin Fehler begehen - bauen darf man keine." Dieser Goethe-Ausspruch ist schon so manchem Bauherrn und mancher Baufirma auf die Füße gefallen.

Von Genia Bleier

Jüngstes Dresdner Beispiel: die Eishalle. Oft genug steckt der Teufel im Detail und macht aus kleinen Ursachen große Wirkung. "Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht", sagt Berndt Dietze. Der Geschäftsführer der Baywobau Dresden Baubetreuung GmbH denkt bei diesen Worten zurück an den Beginn seines Engagements am Dresdner Neumarkt. Es begann noch auf freier Flur mit dem Bau der zentralen Tiefgarage - gegen viele Widerstände und mit großem Aufwand zum Schutz der wieder erstehenden Frauenkirche.

"Wir haben damals eine Kaution hinterlegt, falls es beim Aufgraben des Platzes irgendwelche Probleme gegeben hätte", erzählt der 69-jährige Dietze. "Ich wusste aber auch, die Bebauung rund um die Frauenkirche wird nicht wirtschaftlich ohne Tiefgarage." Dabei stand sie schon mit den archäologischen Grabungen fast wieder auf der Kippe. Man hatte das ehemalige Frauentor mit der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der Barbakane, gefunden und wollte diese Zeugnisse eigentlich sichtbar erhalten. Als Kompromiss blieb ein kleiner Ausschnitt in die Vergangenheit der Stadt. "Heute guckt die erhaltenen Teile gar keiner mehr an", stellt Dietze bedauernd fest.

Viel Aufregung, viel Ärger, viel Arbeit zumindest rund um die Bauprojekte, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Doch dieses Abenteuer, diesen oft steinigen Weg vom Grundstückserwerb bis zum Verkauf des fertigen Objektes - als Bauträger entwickelt das Unternehmen Projekte und versucht sie gewinnbringend zu veräußern - hat sich Berndt Dietze selbst erwählt. Er macht es gern, weil er seine sächsische Heimatstadt liebt und ihre noch vorhandenen Wunden schließen möchte. "Ich habe immer mit der Stadt gelitten. Ihr Verfall hat mich nahezu krank gemacht", sagt er. Verfall, der sich mit jedem neuen "Fuchsbau" abgezeichnet habe. Auf die Fragezeichen im Gesicht der Autorin folgt sogleich die Erklärung: Ein "Fuchsbau" war die Überdachung des Fußweges, die nötig war, um Vorübergehende vor Steinschlag zu schützen.

Nach der friedlichen Revolution sah das Münchner Unternehmen Baywobau Arbeit und Chancen im Osten und suchte 1991 per Annonce einen Geschäftsführer für den Firmenableger Baywobau Dresden. Dipl.-Ing. Berndt Dietze bewarb sich. Er gab seinen Job als Hauptabteilungsleiter für Datenverarbeitung im ehemaligen Infesto-Werk auf und wurde Chef des Baubetreuers, heute einer von insgesamt fünf Geschäftsführern. Aufgewachsen in einem kleinen Baubetrieb, nach dem Abi ausgebildet als Tischler und mit Studienabschlüssen in Holztechnik und Maschinenbau in der Tasche, war die Basis gegeben.

2011 konnte die Dresdner Niederlassung (inzwischen existieren weitere in Leipzig und in Berlin) ihr 20-jähriges Bestehen begehen. An ihrem Wirken kommt man, insbesondere am Neumarkt, nicht mehr vorbei. Der Name Baywobau Dresden steht heute für die Errichtung ganzer Häuserquartiere an historischem Standort und in teilweise historischer Gestaltung. Bis 2000 waren der Geschosswohnungsbau und Wohnungssanierungen Schwerpunkt. So hatte die Baywobau Dresden zum Beispiel als Zwischenerwerber von der damaligen Woba im gesamten Stadtgebiet 900 Wohnungen gekauft und nach der Sanierung wieder veräußert. 30 Prozent gingen zur Eigennutzung an die Mieter. Doch nach dem Auslaufen entsprechender Steuervorteile musste man sich Gedanken über neue Geschäftsfelder machen. Sie lagen nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Entwicklung von Stadträumen.

Gemeinsam mit dem Partner Mübau sollte es am Neumarkt losgehen. Als dieser pleite war, machte die Baywobau Dresden mit der Unterstützung des Münchner Mutterkonzerns allein weiter. Dessen Vorstand Volker Hofmann hat ein Faible für die sächsische Landeshauptstadt. Wenn sich auch die Münchner Projekte als lukrativer erweisen, die Dresdner sind gut fürs Renommee. So folgten am Neumarkt nach der Feuertaufe Tiefgarage das Hotel de Saxe, die Errichtung des "Juwels an der Frauenkirche" (Quartier III) und des großen Areals zwischen Schloss und Johanneum mit Swissôtel und Löwenhof (Quartier VIII). Probleme gab es überall zu lösen. Mal stellte sich die Stadt quer, mal die Denkmalpflege, mal sorgte die Finanzkrise für ein Aus. "Ich habe mich durch alle Gremien durchgeboxt", kann Dietze inzwischen mit einer Portion Gelassenheit sagen. Vielleicht sind es seine 69 Lebensjahre, vielleicht ist es das Vollbrachte, das den hartnäckigen Kämpfer ruhiger werden lässt. Vielleicht täuscht aber auch der Schein. Denn es geht mit Riesenschritten weiter.

Nächstes Neumarkt-Projekt soll ein Teil des Quartiers VII hinter dem Kulturpalast sein. Vor allem aber wartet das Lahmann-Sanatorium auf den Baubeginn. Die Baywobau Dresden nimmt viel Geld in die Hand, um diese Anlage vor dem Totalverfall zu retten, und will auf dem Gelände auch mehrere Neubauten errichten. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan soll nun Klarheit bringen, so dass Ende Oktober mit der Tiefgarage begonnen werden kann.

Das jährliche Investitionsvolumen der Baywobau Dresden beträgt 30 Millionen Euro. Darunter fallen auch der Bau von Stadtvillen und die Sanierung im Bestand wie die Kronen-Apotheke an der Bautzner Straße. Dort sind auch neue Eigentumswohnungen entstanden, die erneut zum großen Thema geworden sind. 200 Wohnungen werden in der Herzogin Garten an der Hertha-Lindner-Straße entstehen, auf einem von den Freimaurern, von Bund und Land erworbenen Grundstück. Die Baywobau hat sich dafür einen tschechischen Partner ins Boot geholt. Mit nur zehn Mitarbeitern ist sie eine Niederlassung ohne aufgeblähte Bürokratie, aber eine mit zahlreichen Partnern. 80 Prozent der tätigen Firmen sind in Sachsen ansässig, betont Dietze.

Alles richtig gemacht? Na ja, das Dach vom Hotel de Saxe würde er heute nicht mehr so brutal gestalten, gesteht der Chef ein. Und froh wäre er schon, wenn er für die Millioneninvestitionen nicht nur Mieter, sondern zeitnah auch einen Käufer finden würde. Für einen Teil des Quartiers VIII steht er noch aus. Dietzes liebstes Projekt ist immer das letzte. Es macht naturgemäß auch immer den größten Ärger. Aber die Sorgenkinder wachsen einem ja bekanntlich besonders ans Herz.

Im September verleihen die "Dresdner Neuesten Nachrichten" mit dem Wirtschaftsministerium, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der Handwerkskammer sowie der "Industrie- und Handelskammer" den Wirtschaftspreis "So geht's aufwärts" für besonders pfiffige und erfolgreiche Unternehmer. Die zehn Nominierten porträtieren wir im Laufe des Sommers. Heute stellen wir das Unternehmen Baywoba vor, das seine Spuren in Stein in ganz Dresden hinterlässt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2012

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