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Bavaria zügelt rassige Dresdner Rösser

Bavaria zügelt rassige Dresdner Rösser

Dresdner Baukunst und Münchner Braukunst haben tatsächlich rechtzeitig vor Beginn des 181. Oktoberfestes am heutigen Sonnabend zusammengefunden - im neuen Wiesn-Zelt von Siegfried Able (50).

Es ist geschafft.

Der hat sein Jugendstil-Zelt in Erinnerung an frühere Pferderennen auf der Theresienwiese "Marstall" getauft und auf die Kunst des Dresdner Figurenbauers Peter Ardelt vertraut. Zu Recht. Seit vergangener Woche thront die Bayern-Patronin Bavaria mit vier wilden weißen Rössern über dem Zelteingang - 1,2 Tonnen schwer das Ganze, aber von einer Leichtigkeit, die halt schon Kunst ist.

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"Das war ein Sommer!" Peter Ardelt (59) sieht ein bisschen erschöpft aus, wie er da so am Tisch in seiner Übigauer Werkstatt sitzt. Aber auch zufrieden. Sein Sommer voller Stress, Spaß und Sonderschichten fürs Team hat sich gelohnt. Das neue Zelt auf der Münchner Wiesn hat mit der Quadriga aus Dresden sein unbedingtes Highlight. Und das Bühnenkarussell im Innern, in dem viel Arbeit und Herzblut der Dresdner Bühnenbildnerin Marlit Mosler steckt, gibt dem riesigen Raum in Pink, Orange und Grün einen wirklich fröhlichen Touch. Schon heute Abend wird hier unter dem drehbaren Plafond mit den acht kleinen Karussellpferden die Münchner Zwietracht gut 3000 Gäste unterhalten. Die älteste und bekannteste Oktoberfest-Kapelle hatte 20 Jahre lang im Hippodrom gespielt, dem seit 1902 bestehenden Promizelt gleich am Haupteingang zur Festwiese. Im März wurde dessen Wirt Sepp Krätz wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Sein Zelt musste weichen. Also spielt die Münchner Zwietracht dieses Jahr an derselben Stelle im neuen Promizelt, dem "Marstall". Punktsieg für Siegfried Able, der bei seinem überraschenden Aufstieg in den millionenschweren Olymp der Wiesn-Großwirte von allen Seiten argwöhnisch beäugt wird.

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Auch das ein Grund, warum sich Peter Ardelt und sein Team seit Juni tüchtig ins Zeug legen mussten. So knapp die Zeit, so groß die Ansprüche. Eine Herausforderung. Genau das, was Ardelt gut kann: In der größten Hektik einen kühlen Kopf bewahren, seine Truppe zu Höchstleistungen motivieren, ohne erdrückend zu sein. "Tolle Arbeit", lobte am Ende Wiesn-Wirt Able das Ergebnis.

Bevor es das gab, gab es viel zu tun. Pferde und Bavaria mussten "schön, stabil, leicht und unverwüstlich" werden, zitiert Ardelt sich selbst. Er weiß genau, wovon er redet, weil er unter anderem den Riesen-Bierkrug fürs Paulaner-Zelt nebenan, für die lebensgroßen Wale im Stralsunder Meeresmuseum und die riesigen Köpfe für Asisis Großausstellungen gebaut hat. Die bewährte Methode war auch für die Münchner Reittiere maßgeblich: Um eigens angefertigte Stahlskelette herum modellierten vier Bildhauer die Pferde aus Styroporplatten, einer die Bavaria. Der Umgang mit Glühdrähten, Sägen, Messern und Raspeln erfordert viel Können - Ardelt hat, wie man sieht, auf die richtigen Leute gesetzt. Aufs figurgewordene Styropor kam eine dicke Schicht Packpapier, darauf eine wetterfeste Schicht aus glasfaserverstärktem Polyester, dann die Farbe, schließlich Lack. Fertig. Die Montage von Quadriga und Karussell-Bühne in der vergangenen Woche war nochmal ein Kapitel für sich.

"Natürlich hat nicht immer alles reibungslos geklappt", sagt Peter Ardelt und erzählt von der einen oder anderen schlaflosen Nacht. Doch Verzögerungen sind üblich bei Unterfangen, in denen diverse Firmen, Planer und zig Gewerke zahnradartig ineinandergreifen müssen. Da brauche es halt Vertrauen. Und natürlich Durchsetzungskraft. "Hauptsache, am Ende wird alles gut".

Am Mittwoch hat sich der Dresdner nochmal auf die Reise nach München gemacht. Marstall-Betreiber Able, den er seit 15 Jahren von gemeinsamen Projekten kennt, wollte zur Dekoration zehn weitere der kleinen, nur acht Kilogramm schweren Nostalgie-Pferdchen haben, die schon am Bühnen-Karussell hängen. Die hatte Peter Ardelt ursprünglich in Italien in Auftrag geben wollen. Doch dann entwarf er sie selber und ließ die Stahl- sowie die Kunststoffteile von zwei Firmen aus Bad Lausick herstellen. Die Extra-Herde wurde noch am Montag und Dienstag in der Übigauer Werkstatt mit Farbe und Lack wiesn-tauglich gemacht. Nun sind sie Blickfang im Zeltinnern.

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Wo er zum Eröffnungsabend sitzt? Peter Ardelt lacht und sagt prompt: "In Übigau, mein Sohn hat Geburtstag". Aufs Oktoberfest geht er erst Ende September, gemeinsam mit Familie und Freunden. Dann, meint er, mit dem kleinen bisschen Abstand, könne er das Fest hoffentlich auch genießen.

Das 181. Oktoberfest geht heute also ohne Peter Ardelt los. Niemanden, der die Hektik rund um den Zeltaufbau kennt, würde es wohl wundern, wenn mittags beim Festbieranstich vorn die Kapelle spielt und aus den großen Zelten hinten die letzten Handwerker raushuschen. Doch der bedirndelte oder lederbehoste Oktoberfestgast wird davon nichts mitbekommen. Im "Marstall" wird er den Bierabsatz ankurbeln, sobald die Münchner Zwietracht von der Bühne herab das Kommando "Die Krüge hoch!" gibt. Auftakt für gut sieben Millionen Liter Bier, die durch die Kehlen der Festwiesn-Besucher rinnen, Teil jenes millionenschweren Umsatzes, der es trotz aller Arbeit so lohnenswert macht, ein Großer unter Wiesn-Wirten zu sein. Siegfried Able und seinem "Marstall" wird das sicher gelingen - auch dank der unkaputtbaren Pferde aus Dresden.

Die 181. Wiesn, die in diesem Jahr vom 20. September bis zum 5. Oktober einlädt, ist eine Gelddruckmaschine: Knapp sieben Millionen Besucher mit Durst auf 7,5 Millionen Liter Bier und Hunger auf 520 000 Hähnchen ließen hier im Vorjahr die Kassen klingeln.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2014

Barbara Stock

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