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Baumfällungen in Dresden rufen wachsame Dresdner auf den Plan

Baumfällungen in Dresden rufen wachsame Dresdner auf den Plan

Viele Jahre konnte Martina J. von ihrer Wohnung aus in den Wipfel einer Linde an der Kadenstraße blicken und dort Stare und später Kleiber beobachten, die in einer Baumhöhle ihre Jungen aufzogen.

"Die Kleiber waren schon wieder emsig in der Baumhöhle zugange und haben Nestbaumaterial herangeschleppt", so die Beobachtung der DNN-Leserin. Doch vor ein paar Tagen war damit Schluss. Der Baumpflegedienst rückte vergangenen Freitag mit der Säge an. Wenige Stunden später war von zwei Linden jeweils nur noch die leere Baumscheibe übrig. Für Anwohner der Kadenstraße ein völlig unverständliches Handeln, denn "der Stamm sah, als ein Teil des Baumes abgesägt war, total gesund aus", so der Eindruck. Warum also mussten die beiden Linden weichen? Und: Dürfen jetzt überhaupt Bäume gefällt werden? Laut Bundesnaturschutzgesetz ist das doch zwischen 1. März und 30. September verboten?

"Schon die Aussage kerngesunder Baum und Kleiber (Höhlenbrüter) sind in sich widersprüchlich. Die gefällten Bäume sind mittels Bohrwiderstandsmessung genauer untersucht worden und waren nicht zu halten", antwortet Jörg Lange aus dem Amt für Stadtgrün auf Anfrage. "Sowohl das Bundesnaturschutzgesetz als auch das Sächsische Naturschutzgesetz und die Gehölzschutzsatzung lassen Ausnahmetatbestände vom Verbotszeitraum zu. Einer der wesentlichen Ausnahmen ist die Verkehrssicherheit." Und die war offensichtlich in diesem Fall gefährdet. Für die gefällten Linden soll es aber Ersatzpflanzungen geben, beruhigt das Amt für Stadtgrün - und zwar wieder mit Linden.

Die Kleiber allerdings gucken in die Röhre und müssen sich einen neuen Nistplatz suchen. Dass sie bereits Eier gelegt hatten, hält Dr. Winfried Nachtigall, Vogelkundler beim Naturschutzbund Sachsen, für unwahrscheinlich. "Die Kleiber haben mit dem Nestbau begonnen, aber Brutbeginn ist erst Ende März, Anfang April." Das gegenwärtig ungewöhnlich milde Wetter habe seiner Erfahrung nach wenig Einfluss auf den Brutzeitpunkt. "Die Aktivitäten der Wildvögel koalieren mit der Länge der Tage, weniger mit der Temperatur."

Auch aus der Neustadt gab es gestern einen Aufschrei, weil Bäume gefällt wurden. Betroffen ist ein brach liegendes Grundstück an der Hans-Oster-/Tannenstraße, das künftig bebaut werden soll. "Betroffen sind mindestens drei große Bäume. Darunter ein Maulbeerbaum, den die Stadt selbst als schützenswert eingestuft hat", sagt Valentin Lippmann vom Stadtvorstand Bündnis90/Grüne. "Im Ortsbeirat Neustadt ist nämlich der Bebauungsplan für das Gebiet behandelt worden. Weder das Stadtplanungsamt noch der Investor konnten zufriedenstellende Auskünfte über das Vorliegen einer Fällgenehmigung geben. Deshalb haben wir das Umweltamt informiert."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2014

Catrin Steinbach

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