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Auf der Suche nach dem Geheimnis der Akupunktur

Auf der Suche nach dem Geheimnis der Akupunktur

Bettina Hauswald hat es eilig. Die Kollegen aus der Zahnklinik haben angerufen. Ein Patient hat einen hochgradigen Würgereiz und kann den Mund nicht mehr öffnen.

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Dr. Bettina Hauswald akupunktiert seit mehr als 30 Jahren. Hier setzt sie die Nadeln bei Christine Tabbour.

Quelle: Anja Schneider

Die HNO-Fachärztin und Spezialistin für Akupunktur soll es nun richten. Mit ihren Nadeln in der Tasche eilt sie über den Hof. Sieben von zehn Patienten kann sie mit Akupunktur die Narkose ersparen. "Ich werde öfter von anderen Fachbereichen angefragt", ruft sie noch. "Auch von der Kinderklinik, wenn die Kinder über mehrere Tage an quälendem Dauer-Schluckauf leiden".

Bettina Hauswald ist keine Frau, die auf der Welle moderner Trends mitschwimmt. Sie gehört zu den Medizinern, die schon immer an Akupunktur geglaubt haben. Auch in der DDR. Bereits seit den 80er Jahren forscht sie zu diesem Thema und gilt deutschlandweit als Spezialistin. Seit über 30 Jahren akupunktiert sie Patienten. Vor dem Zahnarztbesuch sogar sich selbst. Weil die Wirkweise von Akupunktur noch immer nicht vollständig nachgewiesen ist, tut sich die europäische Medizin schwer, diese Therapie anzuerkennen. Das will ein Forscherteam um die bekannte Allergologin Hauswald nun ändern.

Das Rätsel Akupunktur

"Die Wissenschaft steht vor dem großen Rätsel Akupunktur", erklärt Yuri Yarin, Studienarzt im Forscherteam Hauswald. Zwar gebe es Nachweise, dass Akupunktur wirkt. Warum und auf welche Weise die Therapie mit den dünnen Nadeln allerdings funktioniere, sei in vielen Aspekten immer noch ein Rätsel. "Das wollen wir jetzt lösen", erklärt Yarin. Aus diesem Grund starten die Wissenschaftler zwei neue Studien. Doktorand Alaa Alrayes untersucht in seiner Doktorarbeit, wie Mund- und Ohr-Akupunkturen im Vergleich zur klassischen Akupunktur wirken. Stephanie Beeskow will in ihrer Dissertation herausfinden, ob Laser-Akupunktur ähnliche Erfolge zeigt wie die Nadelakupunktur.

"Bei der Laser-Akupunktur handelt es sich um ein neues Verfahren, das sich für Kinder und sehr schmerzempfindliche Menschen eignet", erklärt Yarin. Dabei würden die Nadeln durch Laser ersetzt. Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass die Laser richtig eingesetzt, wie Nadeln wirken können. Die Dissertation soll nun die statistischen Nachweise liefern.

Die Grundlage aller Überlegungen bleibt dabei die Frage: Was löst das Stimulieren der Akupunktur-Punkte genau aus? "Wenn Akupunktur bei Allergien wirkt, müssen die Nadeln in irgendeiner Weise auf das Immunsystem wirken", erklärt Yarin. "Bislang sind jedoch alle Versuche gescheitert, eindeutig nachzuweisen, welcher Stoff immunisierenden Einfluss hat." Weil sich die europäische Medizin jedoch diagnostisch orientiere und für alles Nachweise verlange, seien die wissenschaftlichen Beweise unabdingbar.

Experte Yarin führt als Beispiel die Meridiane an. Sie gelten in der chinesischen Medizin als Leitbahnen, in denen die Lebensenergie fließt. Entlang dieser Bahnen werden bis heute bei der Akupunktur die Nadeln gesetzt. Doch niemand hat die Existenz dieser Bahnen in der für die europäische Medizin üblichen Diagnostik je darstellen können. "Die Europäer sagen dann: Zeig mir die Meridiane. Man muss sie doch sichtbar machen können", sagt Yarin lachend und schiebt hinterher. "Sie sind aber nicht sichtbar zu machen".

Nicht die Bahnen, doch immerhin die Punkte: "Insgesamt 378 Akupunkturpunkte sind in Studien nachgewiesen worden", erklärt Ärztin Hauswald. "An diesen Stellen ist die Haut dünner". In Kanada, Russland und Tschechien sei die Akupunktur längst als Teil der Schulmedizin anerkannt. Dies wäre auch für Deutschland wünschenswert. "Akupunktur benötigt eine gute Diagnose", sagt Hauswald. "Sie gehört in die Hände der Schulmediziner."

Unterschiedliche Ansätze der Heilung stammen aus unterschiedlichen Kulturen: "Dieser Streit geht schon seit mehreren hundert Jahren", fährt Yarin fort. Die chinesische Medizin funktioniere eben anders als traditionelle Schulmedizin. Aber sie wirke. Akupunktur sei die älteste nachgewiesene medizinische Methode. Schön bei Ötzi seien Nadelpunkte entdeckt worden. "Der älteste Nachweis einer medizinischen Manipulation ist 5000 Jahre alt."

Gegen Schmerzen aller Art

Doch zurück zur Gegenwart: Akupunktur eignet sich besonders zur Behandlung von Schmerzen aller Art, von verkrampften Muskeln, einem steifen Nacken, von Schluckbeschwerden und Schlafstörungen oder einfach schlichtweg zum Ableiten von Stress. "Akupunktur fördert die Selbstheilungskräfte des Körpers", erklärt Bettina Hauswald. "Das Potenzial ist enorm." Bei der Schmerztherapie beispielsweise würden durch Nadelstiche körpereigene Endomorphine freigesetzt, die zur Linderung führen. Allerdings gebe es immer noch Diskussionen mit den gesetzlichen Krankenkassen zur Zahlung der Therapie. Diese weigerten sich, wegen der mangelnden Beweislage zu zahlen. "Die Ärzte-Gesellschaft für Akupunktur bemüht sich, dass die Therapie anerkannt wird", sagt Hauswald. Ausgenommen von der Akupunktur bei Knie- und bei Lendenwirbelbeschwerden müssen bislang alle Patienten ihre Nadel-Therapie selbst bezahlen. Kostenpunkt: Etwa 30 Euro pro Sitzung.

Bettina Hauswald glaubt, dass die Akupunktur als Therapie oft viel einfacher ist, als eine komplizierte medikamentöse Behandlung. Regelmäßig gibt sie Lehrstunden für andere Ärzte. In ihrem nächsten Seminar "Akupunktur interdisziplinär" vom 6. bis 7. Februar erklärt sie HNO- und Zahnärzten, Allergologen und Schmerztherapeuten Grundlagen und Spezifika der einzelnen Akupunkturformen und zeigt Praxisübungen. Mit dabei: Jochen Gleditsch, Urvater der Mund-Akupunktur. "Anmeldungen sind noch möglich", erklärt die Ärztin. Für die Studien suchen die Forscher des Teams Hauswald noch Allergiker aller Art, besonders Patienten mit Gräserpollenallergie. Sie können sich im Uniklinikum vorstellen und würden im Rahmen der Studie kostenfrei akupunktiert werden.

Kontakt: Stephanie Beeskow, Tel.: 0152/ 58918117, mail: allergiestudie-beeskow@gmx.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2015

Katrin Tominski

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