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Auf dem Landweg nach Indien

Ein 30-jähriger Dresdner steht in den Startlöchern für die Reise seines Lebens Auf dem Landweg nach Indien

Am 12. Juli begibt sich Mathias Vatterodt mit auf eine Reise, die mit normalem Massentourismus nichts zu tun hat. Ein Jahr lang hat sich der Dresdner Zeit genommen, um mit seinem Jeep auf dem Landweg nach Indien zu reisen, sich dort ausgiebig umzusehen und wieder zurückzukehren. 35 000 Kilometer wird er dann zurückgelegt haben.

Am 12. Juli will Mathias Vatterodt zu einer langen Reise per Auto nach Indien aufbrechen.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Am 12. Juli begibt sich Mathias Vatterodt auf eine Reise, die mit normalem Massentourismus nichts zu tun hat. Ein Jahr lang hat sich der Dresdner Zeit genommen, um mit seinem geländegängigen Mitsubishi Pajero auf dem Landweg nach Indien zu reisen, sich dort ausgiebig umzusehen und wieder zurückzukehren. 35 000 Kilometer wird er am Ende mit seinem Jeep zurückgelegt haben.

„Freunde haben mir immer von Indien vorgeschwärmt. In drei Wochen Jahresurlaub lernt man aber nur einen Bruchteil der großen kulturellen und religiösen Vielfalt kennen. Daher wollte ich das Land mehrere Monate mit dem eigenen Fahrzeug erkunden“, sagt Vatterodt. Mit seiner Tour folgt er einer Tradition, die Ende der 1960er Jahre in der alten Bundesrepublik sehr beliebt war. Denn während DDR-Bürger im Freiluftgefängnis des real existierenden Sozialismus ausharren mussten, fuhren damals tausende Hippies mit dem VW-Bus nach Indien, um im fernen Asien zur Erleuchtung zu gelangen. In dieser bewegten Zeit führte die Route noch über Afghanistan, wo die Blumenkinder in Sigis Restaurant in der Kabuler Chicken Street das beste Schnitzel östlich von Wien genossen und sich zudem preiswert mit Drogen versorgten.

Abgesehen vom Reiseziel hat Mathias Vatterodt mit dieser Generation aber nichts gemein, zumal Afghanistan aufgrund der Gefährdungslage eh kein Thema mehr ist. Nüchtern und sachlich hat er den Trip geplant und dabei die Gefahren in den verschiedenen Ländern genau abgewogen.

Insgesamt sieben Visa musste er beantragen. „Das war ziemlich stressig. Im vergangenen Monat bin ich ständig von Botschaft zu Botschaft gerannt“, sagt der 30-Jährige, dessen Reise über den Balkan nach Istanbul, quer durch die Türkei bis Georgien, den Kaukasus entlang nach Armenien und anschließend über die Stationen Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, China, Tibet, Laos, Myanmar und Nepal nach Indien führt. Besonders kompliziert ist dabei unter anderem die Durchquerung von China. „Ich brauche einerseits einen Tourenanbieter, der mich einlädt und den Behörden vorher genau meine Streckenführung mitteilt. Zum anderen muss ich noch mal die mündliche Führerscheinprüfung ablegen“, sagt Vatterodt, der außerdem gezwungen war, für seinen längeren Aufenthalt in Indien einen Finanzierungsplan vorzulegen.

Obwohl der 30-Jährige schon seit einigen Jahren in Berlin arbeitet, fährt er als gebürtiger Dresdner bewusst mit einem Nummernschild der sächsischen Landeshauptstadt um die Welt. „In Zeiten von Pegida möchte ich als Botschafter für ein tolerantes und weltoffenes Dresden fungieren und den Menschen unterwegs zeigen, dass es auch Sachsen gibt, die anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen sind“, sagt er.

Allein muss er das übrigens nicht tun. Ständig werden ihn während des Jahres Freunde aus der Heimat besuchen. „Ich steuere immer Städte mit einem internationalen Flughafen an. Dort steigen dann Freunde zu und begleiten mich zwei bis drei Wochen. Auf diese Weise bin ich maximal fünf Tage allein“, sagt Vatterodt. Stellt sich noch die Frage, wie es der 30-Jährige geschafft hat, seinen Reisewunsch mit seinem Berufsleben zu vereinbaren. „Die Berliner Agentur, in der ich als Projektmanager arbeite, war sehr verständnisvoll. Ich habe ein Jahr lang nur 60 Prozent meines Gehaltes bekommen und erhalte jetzt während des Sabbaticals 40 Prozent“, sagt der studierte Medieninformatiker.

Neben dem Besuch von bekannten Wahrzeichen wie dem Berg Kailash in Tibet, der sowohl für Buddhisten, Hinduisten und Bön als heilig gilt, und den Mathias Vatterodt in 5000 Meter Höhe bewandern möchte, will er sich auf der Reise auch einem Bildungsprojekt widmen. „Ich habe vor, mich in Schulzimmer hineinzusetzen und mit Lehrern ins Gespräch kommen, um die unterschiedlichen Länder in dieser Hinsicht zu vergleichen“, sagt Vatterodt, der Bildung als Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander der Menschen weltweit ansieht. Nach hoffentlich vielen schönen Eindrücken wird er am 3. Juli 2017 wieder an seinem Arbeitsplatz sitzen. Das verrät die Abwesenheitsnotiz seines E-Mail-Postfachs. „Das war schon komisch, so was zu schreiben“, sagt er mit einem Lächeln.

Wer Mathias’ Reise mitverfolgen will, hat auf den Seiten http://mathias-travelblog.com (Reise); http://lernen-weltweit.de (Bildungsprojekt) Gelegenheit dazu.

Von Stephan Hönigschmid

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