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Auf Streife mit dem Gemeindlichen Vollzugsdienst des Ordnungsamtes

Reportage Auf Streife mit dem Gemeindlichen Vollzugsdienst des Ordnungsamtes

Dienstag, 17 Uhr: Michel Horn und Martin Mauthner steigen in den weiß-blauen VW T 5 mit der Aufschrift: Polizeibehörde. Wir haben die beiden Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes auf Streife in der Inneren Neustadt und im Hechtviertel begleitet.

Unangeleinte Hunde, illegale Grillpartys und ein Afghanistan-Kämpfer – Die Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes sind auf Streife in der Dresdner Neustadt.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Dienstag, 17 Uhr: Michel Horn und Martin Mauthner steigen in den weiß-blauen VW T 5 mit der Aufschrift: Polizeibehörde. Die beiden Mitarbeiter des Gemeindlichen Vollzugsdienstes fahren über die Augustusbrücke in die Neustadt. Sie haben Spätschicht und gehen auf Streife in der Inneren Neustadt und im Hechtviertel. Auch die Elbwiesen sollen kontrolliert werden. Das Wetter ist angenehm. Bestes Grillwetter.

17.15 Uhr: „Bitte anhalten“, sagt Dienstgruppenführer Horn zu seinem Kollegen auf der Alaunstraße. Vor dem Konsum hat er einen nicht angeleinten Hund gesehen. Als die Männer in der blauen Uniform näher kommen, leint die Halterin die Mischlingshündin an. „Ich bin noch nie erwischt worden. Deshalb mache ich mir keine Platte“, sagt sie entwaffnend ehrlich auf die Frage, warum das Tier nicht an der Leine läuft. Einen Kotbeutel hat die Mittvierzigerin dabei, eine Steuermarke trägt die Hündin nicht. Horn notiert die Angaben der Tierhalterin und gibt sie per Funk in die Zentrale durch. „Der Innendienst prüft jetzt die Angaben“, erklärt er. Wenig später kommt die Bestätigung – die Personalie sind korrekt.

17.25 Uhr: Der Transporter setzt sich in Richtung Alaunpark in Bewegung. Auf dem Platz steht ein Imbisswagen, zwei junge Männer bieten Currywurst an. Eine Genehmigung liegt vor, erfährt Horn aus der Zentrale. Mauthner stellt den Wagen ab. „Wir drehen bloß mal eine Runde und schauen, ob alles seine Richtigkeit hat“, kündigt Horn an.

Nur wenige Meter neben dem Imbissstand sitzen drei Männer im Schatten, ein Hund schnappt ohne Leine nach Stöckchen. Das gleiche Prozedere wie auf der Alaunstraße, die Kontrolle der Angaben dauert etwas länger. „Wir sind obdachlos“, sagt einer der Männer. Noch während Horn in seinem Heft notiert, kommen zwei zehn- bis zwölfjährige Jungen angerannt. Aufgeregt schildern sie ihre Beobachtungen: „Da ist ein betrunkener Mann, der mit einem Messer herumfuchtelt. Einem hat er ins Gesicht gehauen. Da hinten, der mit dem freien Oberkörper, der ist es.“

Nur mal schauen, dass alles seine Ordnung hat? Horn verständigt die Polizei, doch die hat keinen Streifenwagen frei. „Das kommt leider häufig vor“, erklärt er, „jetzt werden wir uns selbst kümmern.“ Der junge Mann mit Wanderstiefeln, kurzen Hosen und freiem Oberkörper, der vor kurzem noch herumgebrüllt und mit einem kleinen Messer gedroht haben soll, ist friedlich, als die Vollzugsbediensteten auf ihn zukommen. Nein, nicht er sei der Täter, sondern vielmehr das Opfer einer Straftat. Ein flüchtiger Bekannter habe ihm Tasche und Geld gestohlen.

Die beiden Uniformträger nehmen den jungen Mann mit zum Pavillon, um die Situation zu klären. Da bekommen sie unerwartete Unterstützung. Ein junger Mann und eine junge Frau geben sich als Zivilstreife der Polizei zu erkennen und helfen bei der Bearbeitung des Falles. Der Delinquent ist inzwischen unruhig geworden und muss mit Handschellen fixiert werden. Mauthner holt für einen Alkoholtest den Transporter in den hinteren Teil des Parks.

Der junge Mann, der behauptet, er habe als Soldat in Afghanistan gekämpft, hat bereits einen Ladendiebstahl auf der Alaunstraße begangen, heißt es. Im Park soll er eine Schere gestohlen haben. Seine Angaben sind wirr, seine Alkoholisierung ist mit 1,03 Promille recht hoch. Die Prozedur zieht sich hin. „Solange wir hier sind, können wir nicht an anderen Orten nach dem Rechten sehen“, sagt Horn.

18.45 Uhr: Der Afghanistan-Kämpfer hat einen Platzverweis für den Alaunpark sowie eine Strafanzeige erhalten und verlässt den Ort des Geschehens. Die Vollzugsbediensteten verabschieden sich von den Polizisten, die wieder als junges Pärchen das Geschehen im Alaunpark beobachten. Der Transporter rollt über den Bischofsweg und die Königsbrücker Straße zur Louisenstraße. Dort wollte Horn eine Gruppe von Punkern unter die Lupe nehmen, doch die sind weg. Leere Bierflaschen und Verpackungen zeugen noch von ihrer Anwesenheit.

19 Uhr: Die Fahrt geht zum Elbufer. „Bei schönem Wetter steht ein Grill am anderen“, sagt Horn. Das ist im Landschaftsschutzgebiet verboten. Es gibt öffentliche Grillplätze. „Sehr attraktiv sind die nicht. Man muss den Leuten schon etwas Ordentliches anbieten, wenn man wildes Grillen verhindern will“, meint Horn. Unterhalb der Albertbrücke hat sich eine Gruppe von 30 jungen Menschen auf der Wiese versammelt, der Grill läuft auf Hochtouren. Sie haben Löschwasser dabei und werfen die leeren Verpackungen nicht durch die Gegend. Aber sie grillen im Landschaftsschutzgebiet. Einer der Partyteilnehmer zeigt seinen Ausweis vor, Horn notiert sich die Angaben. Der Grill wird auf den öffentlichen Platz umgesetzt. Was das illegale Grillen kostet, kann der Vollzugsbedienstete nicht sagen. Wie beim Verstoß gegen den Leinenzwang – das wird von Fall zu Fall entschieden. Wenn alle zusammenlegen, dürfte die Strafe erschwinglich sein.

19.45 Uhr: Wolken ziehen auf, das bremst die Lust am Grillen etwas. Der Transporter bewegt sich über die Rothenburger Straße noch einmal in die Neustadt. Alles ist ruhig. „Mein wichtigstes Arbeitsmittel ist das Notizbuch“, erklärt Horn, der die Abwechslung in seinem Beruf mag. „Ich kann nicht erst Gesetzestexte studieren, ich muss sofort entscheiden“, erklärt er. Nicht immer seien die Menschen so höflich zu ihm wie heute. „Es gibt auch viele, denen der Respekt vor einer Uniform völlig fehlt. Neulich am Wiener Platz mussten wir sogar unsere Einsatzstöcke ziehen. Da wurden wir regelrecht bedrängt“, erklärt er.

20.15 Uhr: Der Transporter bewegt sich ins Hechtviertel, die Vollzugsbediensteten wollen einen Hundehalter kontrollieren, der eine gefährliche Dogge ohne Maulkorb ausführen soll. „Bleiben Sie lieber im Auto sitzen“, empfiehlt Mauthner, ehe die beiden aus dem Auto steigen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Mann kehren sie zurück – er hatte den anderen der beiden Hunde ausgeführt.

20.30 Uhr: Der VW fährt den Elberadweg parallel zur Leipziger Straße ab, es ist ruhig. Kein Grund zum Eingreifen – die Männer fahren zurück in die Theaterstraße für eine Pause, ehe sie ihre Streifentätigkeit fortsetzen. Einige Aufträge liegen vor, so soll in einer Gaststätte die Einhaltung des Jugendschutzes kontrolliert werden. „Zwei Leute für ein so riesiges Gebiet sind schon sehr wenig“, meint Horn. „Wir können nur an ausgewählten Brennpunkten sein.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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