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Auf Phaeton-Produktion folgt Erlebniswelt

Neues Konzept für Gläserne Manufaktur von VW Auf Phaeton-Produktion folgt Erlebniswelt

Am 8. April ist großer Auftrieb in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen. Dann ersteht der Glaspalast neu als Erlebniswelt. Die Umwidmung wird notwendig, weil am Freitag der letzte Phaeton vom Band gerollt ist.

Der letzte Phaeton und Mitarbeiter am 18.03.2016 in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Kein Tusch, keine Nahaufnahmen von tränenschwangeren Gesichtern, kein öffentlicher Abgesang. Der letzte herkömmliche Phaeton ist am Freitag – sozusagen im kleinen Kreis – friedlich dahingerollt. Verdruckstes Ende einer Geschichte der Luxusklasse, die 2001 mit hochfliegenden Plänen für die Gläserne Manufaktur am Großen Garten begonnen hat. 20 000 Nobelkarossen pro Jahr wollte der damalige VW-Patriarch Ferdinand Piëch verkaufen und in einer Liga spielen mit BMW, Mercedes, Porsche. In besten Zeiten wurden es 11 166. Die Mehrzahl für den chinesischen Markt. Logisch fast, dass auch der letzte Phaeton nach China verkauft wurde.

„Die Belegschaft wollte keine Zuschauer an diesem letzten Tag“, begründet Manufaktursprecher Carsten Krebs den rigiden Ausschluss jener Öffentlichkeit, von der die Manufaktur allerdings auch künftig maßgeblich leben will. Das Konzept war lange offen, wohl auch deshalb, weil der Volkswagen-Konzern tief in seiner Abgaskrise steckt und derzeit eher mit wilden Spar- und Entlassungsszenarien Schlagzeilen macht. Nun scheinen zumindest Eckpunkte und Finanzierung klar, die nahe Zukunft der Manufaktur als Erlebniswelt sicher. Dresdens Betriebsratsvorsitzender Thomas Aehlig betont: „Die Belegschaft und dieser einzigartige Standort haben es verdient, dass in Dresden bald wieder Fahrzeuge in höchster Qualität vor den Augen der Kunden und Besucher montiert werden. Bis dahin wird den Kolleginnen und Kollegen ein hohes Maß an Flexibilität beim Einsatz in anderen Standorten abverlangt.“

„Es geht um Digitalisierung und Elektro-Mobilität“, umreißt Carsten Krebs grob, was Besucher der Gläsernen Manufaktur ab April erwartet. Klar ist, es wird ein mehrstufiges Übergangsszenario sein, denn auch künftig sollen in den noblen Hallen am großen Garten Autos montiert werden. Möglicherweise auch der Elektro-Phaeton, der trotz aller Unkenrufe für 2019/2020 avisiert ist. „Eine Entscheidung gibt es dazu noch nicht“, so Krebs. Bis dahin aber könnten ab 2017, so Konzern-Insider, Premiummodelle der Marke Volkswagen oder auch aus dem Konzern, wahlweise mit Elektro- oder Hybridmotoren, in Dresden vom Band rollen und eben jene Live-Show bieten,die seit Jahren Besucher in Scharen anlockt. Man wolle auch in diesem Jahr weiter Fahrzeuge wie den Touareg und CC in Dresden ausliefern.

Nach einer gut zehntägigen Schließung der Manufaktur feiert also der Glaspalast am 8. April seine Auferstehung als „Erlebniswelt“. Bis dahin wird das kanadische Bergahorn-Parkett unter einem weißem Fußboden verschwinden, der all die Kabel aufnimmt, mit denen die Manufaktur künftig durchzogen sein wird: Strom- und Datenleitungen, die virtuelle Räume und moderne Terminals füttern. „Wir wollen die Automobilität der Zukunft erklären, bieten Informationen zu allem, was der Auto-Kunde vorher vielleicht nicht oder nicht richtig verstanden hat“, beschreibt Krebs das Konzept. Und das werde mitnichten nur via Interaktion am Terminal geschehen. „Die Besucher können auf spielerische, interaktive und informative Art die Zukunft der Mobilität hautnah erleben.“ Einige Stichworte: Alternative Antriebe studieren, neue Apps erleben, Erlebnisse für Kinder und Familien schaffen.

Mindestens 100 der 500 festangestellten Mitarbeiter würden auch dafür weiter in Dresden benötigt, sagt er. Während 100 Kollegen ohnehin schon zuletzt an anderen Standorten eingesetzt wurden, werden nun die anderen 300 Kollegen der Autofertigung für ein Jahr an andere VW-Standorte pendeln. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der D-Klasse in Zwickau und Dresden haben in den vergangenen 14 Jahren mit dem Phaeton hervorragende Manufakturkompetenz bewiesen. Dieses Know-how ist an anderen Standorten der Marke Volkswagen und des Konzerns bekannt und geschätzt“, sagte Siegfried Fiebig, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH.

Die verbleibenden Mitarbeiter kümmern sich um die Erlebniswelt und halten alles aufrecht, was zum Manufakturbetrieb gehört: Die Auslieferung von Autos, die Gebrauchtwagenaufbereitung, das Veranstaltungsmanagement. Besucher, das ist klar, werden in den nächsten zwölf Monaten das wichtigste Kapital der Manufaktur. Allein im vergangenen Jahr sind rund 140 000 gekommen – davon rund ein Drittel aus dem Ausland.

Und auch der Phaeton rückt nicht ganz aus dem Blickfeld. Einer bereichert die Ausstellung für all die Haptiker unter den Kunden, die VW-Luxus gern anfassen wollen. Und ein Phaeton – in Beryllium Grey – ziert mit den Unterschriften aller Mitarbeiter die neu konzipierte Erlebniswelt.

Von Barbara Stock

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