Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Auch im Dresdner Zoo werden Zootiere getötet und verfüttert

Eine junge Nyala-Antilope für die Raubtiere? Auch im Dresdner Zoo werden Zootiere getötet und verfüttert

Sollten gesunde Zootiere getötet und verfüttert werden? Diese Frage wird deutschlandweit kontrovers diskutiert. Auch im Dresdner Zoo landet – ganz selten allerdings – eine Nyala-Antilope als Leckerbissen auf dem Mittagstisch der Löwen.

Voriger Artikel
Erfolgreichster Blitzer steht auf der Dresdner Waldschlößchenbrücke
Nächster Artikel
Pegida-Gründer Bachmann vor Gericht - Drei Verhandlungstage geplant

Die beiden Geparden Ramses (l.) und Rashid, hier mit ihrer Pflegerin Christina Knapp, tun sich an Rindfleisch gütlich. Ganz selten bekommen die beiden auch ein schönes Stück Nyala-Antilope aus dem Zootier-Bestand.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Sollten gesunde Zootiere getötet und verfüttert werden? Diese Frage wird deutschlandweit kontrovers diskutiert. Auch im Dresdner Zoo landet – ganz selten allerdings – eine Nyala-Antilope als Leckerbissen auf dem Mittagstisch der Löwen.

Welche Zootiere sind in den vergangenen Jahren geschlachtet worden?

2013 sind es nach Informationen des Zoologischen Leiters Wolfgang Ludwig zwei Milu-Hirsche, ein afrikanisches Watussi-Rind und ein Vikunja (südamerikanisches Kamel) gewesen. 2014 wurde kein Tier geschlachtet, 2015 ein Watussi-Rind sowie ein Kamerunschaf und in diesem Jahr eine Nyala-Antilope und drei Kamerunschafe. Sie alle seien anschließend verfüttert worden. „Es hat sich ausnahmslos um männliche Jungtiere gehandelt, die für den Zuchtbock zur Konkurrenz im Gehege geworden sind“, berichtet Ludwig. Zudem solle Inzucht vermieden werden. „Wir haben uns vergeblich bemüht, neue Halter für die Tiere zu finden“, sagt er. Zum Vergleich: Im Nürnberger Zoo sind allein im vergangenen Jahr 60 Tiere getötet und verfüttert worden. Dort leben aber auch deutlich mehr Tiere.

Dürfen Zoos in Deutschland Zootiere töten, um sie zu verfüttern?

Ja – und zwar auf der Grundlage des Tierschutzgesetzes. Dort steht zwar im Paragraph 17, Absatz 1, dass bestraft wird, wer „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet“. „Wenn ein im Zoo geborenes Huftier mit der Absicht, es an die zooeigenen Raubtiere zu verfüttern, getötet wird, liegt aber immer ein vernünftiger Grund vor“, erklärt Ludwig. Das sei beispielsweise der Fall, wenn ein Tier nicht mehr artgerecht gehalten werden kann und es keine Alternativen gibt. Paragraph 2, Satz 1, des Tierschutzgesetzes verlange zudem, dass Tiere – also auch Raubtiere – ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt werden müssen.

Wer legt fest, welche Tiere geschlachtet werden und wie passiert das?

„Bei allen Zootieren kommt eine Ethikkommission zusammen“, betont der Zoologische Leiter. Ihr gehören die Zootierärzte, der für das Revier zuständige Biologe und ein Tierpfleger an. Jeder einzelne Fall werde geprüft und die Alternativen abgewogen. Belegt und schriftlich festgehalten werden müsse, wie sich der Zoo um die Abgabe des Tieres bemüht hat. Auch das Veterinäramt könne eingebunden werden. Für Tiere, die die Tierärzte einschläfern müssen, weil sie krank oder verletzt sind, braucht es keine Ethikkommission. „Eingeschläferte Tiere werden außerdem wegen ihrer Erkrankungen und der Medikamente, die sie bekommen haben, nicht verfüttert, sondern pathologisch untersucht“, fügt der Zoologische Leiter hinzu.

Junge männliche Nyala-Antilopen werden gelegentlich verfüttert. Foto: Dietrich Flechtner

An welche Tiere werden die geschlachteten Zootiere verfüttert?

Die Nyala-Antilopen und Kamerunschafe verfüttert der Zoo beispielsweise an die Rothunde oder an die Löwen. Auch die Geier und zu Lebzeiten Krokodil Max haben mal eine Keule abbekommen.

Welche Futtertiere werden in der Futtermeisterei hinter der Pinguinanlage gehalten, bevor sie auf dem Mittagstisch der Raubtiere landen?

In den Ställen leben bis zu 300 Hühner, aber auch viele Meerschweinchen, Ratten, Mäuse und Tauben sowie von Züchtern ausgemusterte Rassekaninchen. „Die Pfleger melden bei uns ihren Tagesbedarf an Futtertieren an – zum Beispiel an nackten jungen Mäusen für die Schlangen und Echsen im Aquarium“, berichtet Revierleiter Timo Neumann. Diese Futtertiere würden zum Teil selber gezüchtet und zum Teil hinzugekauft.

Was ist mit Meerschweinchen, Hamstern und Mäusen, deren Kinder überdrüssig geworden sind?

Bis vor kurzem durften gesunde Haustiere in der Futtermeisterei abgegeben und verfüttert werden. „Das machen wir aber jetzt nicht mehr“, so Ludwig. Man wolle die verantwortungslose Anschaffung der Heimtiere nicht noch unterstützen und damit ein Signal setzen.

Für Aufsehen gesorgt haben seinerzeit Nachrichten aus Dänemark. Dort kommt es vor, dass getötete überzählige Tiere – damals eine Giraffe – öffentlich zerlegt und danach verfüttert werden. Warum ist man in Deutschland zurückhaltender?

Ludwig vermutet, dass es in Deutschland mehr Gegenwind von Tierschützern, aber auch von Seiten der Politik gibt. „Abgesehen davon bin ich der Ansicht, dass es nicht Aufgabe der Zoos ist, Anatomie zu betreiben“, sagt er. Der Zoobesucher komme nicht, um beim Sezieren zuzuschauen, sondern wegen der Ästhetik und Schönheit eines Tieres. Wichtig zu wissen sei, fügt der Biologe hinzu, dass die Dänen freiwillig bei der Sektion zugeschaut und zum Teil auch ihre Kinder mitgebracht hätten.

Bei Nutztieren wie Rindern und Schweinen achtet die Öffentlichkeit nicht in dem Maße auf artgerechte Haltung wie bei den Zootieren. Warum?

„Nutztiere, die wir am Ende verzehren, werden in der Tat meist nicht artgerecht gehalten“, sagt Ludwig. Das störe den Gesetzgeber offenbar nicht wirklich. „Das Fleisch würde teurer, so dass der Konsum und auch der Profit zurückgehen würden.“ Da stehe eine große Lobby dahinter. Beim Zoo sei das nicht der Fall. „Es ist eine rein ökonomische Sache, dass Nutztiere so gehalten werden“, ist Ludwig sicher. Außerdem führe eine zunehmende Entfremdung der Verbraucher von Zusammenhängen in der Natur dazu, dass das Kotelett auf dem Teller nicht mehr mit einem vorangegangenen Tierschicksal in Verbindung gebracht werde. Der Tierschutz rücke in den Hintergrund.

Von Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.