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Auch Pillnitz vom Sparkurs betroffen

Auch Pillnitz vom Sparkurs betroffen

Der Raum Dresden war und ist ein bedeutender Gartenbaustandort in Deutschland. Ganz besonders hervor sticht Dresden-Pillnitz. Denn dort gibt es nicht nur das Schloss und den Park.

Der Raum Dresden war und ist ein bedeutender Gartenbaustandort in Deutschland. Ganz besonders hervor sticht Dresden-Pillnitz. Denn dort gibt es nicht nur das Schloss und den Park. Schon 1922 wurde die Höhere Staatslehranstalt für Gartenbau gegründet. In Verbindung mit der Lehr- und Beispielgärtnerei entwickelte sich Pillnitz zu einem anerkannten Ausbildungs- und Forschungsstandort. Heute sind dort gleich drei Lehr- und Forschungseinrichtungen, die sich mit Gartenbau beschäftigen, zu finden. Unterstützt vom Verband Ehemaliger Dresden-Pillnitzer arbeiten alle vier Partner unter dem Dach "Grünes Forum Pillnitz" zusammen. Gemeinsam feierten sie gestern "90 Jahre Lehre und Forschung für den Gartenbau in Pillnitz". Was konkret in Pillnitz gelehrt und geforscht wird, was die Zusammenarbeit bringt und welche Auswirkungen Sparmaßnahmen hatten und haben, hat DNN-Redakteurin Catrin Steinbach zusammengetragen.

Welche Lehr- und Forschungseinrichtungen sind in Pillnitz ansässig?

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit den Fachschulen für Agrartechnik und Gartenbau sowie der Gartenakademie, das Bundesforschungsinstitut Julius Kühn mit dem Institut für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen und Obst, die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) mit der Fakultät Landbau/ Landespflege sowie Schloss & Park Pillnitz mit den botanischen Sammlungen. Pillnitz hat zum Beispiel eine der größten und von der Qualität her besten Kübelpflanzensammlungen Deutschlands.

Was kann man in Pillnitz studieren, welche Ausbildungen werden angeboten?

HTW: Sie bietet vier Bachelor-Studiengänge (Agrarwirtschaft, Gartenbau, Landschafts- und Freiraumentwicklung, Umweltmonitoring/Umweltanalyse) und einen Master-Studiengang (Produktionsmanagement in Agrarwirtschaft und Gartenbau) an. "Die Nachfrage nach Studienplätzen der Fakultät Landbau/Landespflege ist nach wie vor sehr hoch, so dass in einigen Studiengängen auf 20 Studienplätze 140 Bewerbungen eingehen", freut sich Dekan Prof. Knut Schmidtke. "Derzeit nimmt die Fakultät jährlich insgesamt 120 Studierende in vier Bachelorstudiengängen und 30 in den Masterstudiengang neu auf." Je nach Studiengang kommen laut Schmidtke zwischen 50 und 80 Prozent der Studenten aus Sachsen, 20 bis 30 Prozent aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, zwischen zehn und 30 Prozent aus den anderen Bundesländern.

Fachschulen für Agrartechnik und für Gartenbau: "Die Pillnitzer Fachschulen bilden als einzige Schulen in Sachsen in allen Branchen des Gartenbaus Techniker, Wirtschafter und Meister aus. Der Unterricht zeichnet sich durch Praxisnähe aus. Die enge Verknüpfung von Ausbildung und angewandter Forschung gewährleistet, dass die neuesten Pillnitzer Ergebnisse in den aktuellen Unterricht einfließen. Von 1990 bis 2011 schlossen an den Fachschulen insgesamt nahezu 550 Gärtner ihre Fortbildung zum Staatlich geprüften Techniker ab und ebenso viele erlangten den Abschluss zum Staatlich geprüften Wirtschafter. Seit 1991 erhielten über 450 Gärtner in Pillnitz ihren Meisterbrief", teilte das LfULG mit.

Woran wird derzeit in Pillnitz geforscht?

Julius-Kühn-Institut: Zum einen werden hier Obstsorten gesammelt, erhalten und evaluiert. Zum anderen neue (vor allem für die landwirtschaftliche Produktion geeignete) Obstsorten gezüchtet. Im Vordergrund steht die Resistenzzüchtung, um Pflanzenschutzmittel im Sinne eines nachhaltigen Naturschutzes zu reduzieren.

HTW: Die Hochschule entwickelt derzeit Testmethoden zur Resistenzprüfung von Erdbeerkrankheiten, neue Beleuchtungstechnologien im Gewächshaus, Hydrokultursysteme zur Begrünung von Fassaden sowie Messverfahren zur Quantifizierung der Abgabe von Stickstoff in den Boden über Pflanzenwurzeln und arbeitet an einer "ökonomischen Analyse zur Steigerung der Wertschöpfung in der gartenbaulichen Erzeugung".

Abteilung Gartenbau des LfULG: Sie beschäftigt sich mit der angewandten Forschung. Ziel ist die Einführung umweltgerechter Produktionsmethoden und die Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Gartenbaubetriebe. Themen sind zum Beispiel Energieeinsparung beim Zierpflanzenanbau oder auch die Anpassung obst- und gemüsebaulicher Anbauverfahren an den Klimawandel.

Sind Lehre und Forschung in Pillnitz vom Sparkurs des Freistaates betroffen?

HTW: "Sofern die Umsetzung des Sparkonzeptes wie von der Staatsregierung vorgesehen erfolgt, wird voraussichtlich zum Jahresende 2017 an der Fakultät Landbau/Landespflege eine Professur von derzeit 17 Vollzeitstellen nicht wieder besetzt. Hierdurch wird das Angebot in der Lehre hinsichtlich der fachlichen Breite und der Betreuungsintensität betroffen sein und eingeschränkt werden. Ein Abbau von Studienplätzen ist durch den geplanten Stellenabbau aber nicht vorgesehen", gibt Prof. Knut Schmidtke Auskunft.

LfULG: An der Zahl der Lehrkräfte an den Fachschulen in Pillnitz werden laut Norbert Eichkorn, Präsident des LfULG, keine Abstriche gemacht. Doch die Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung Gartenbau werde weiter sinken. Aktuell sind 57 Mitarbeiter dort beschäftigt. "2020 werden es noch 50 sein." Die Leistungsfähigkeit der Abteilung lasse sich aber nicht allein an der Anzahl der Mitarbeiter festmachen, hieß es. Durch Kooperationen mit Thüringen und Sachsen-Anhalt habe das Leistungsangebot weitgehend erhalten werden können. "Aufgrund der demografischen Entwicklung und den ausreichenden Lehrstellen in den Gartenbaubetrieben" sei jedoch die Erstausbildung im LfULG beendet worden. Das heißt, es werden keine neuen Lehrlinge mehr eingestellt. "Im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung unterstützt das LfULG jedoch die sächsischen Ausbildungsbetriebe im Gartenbau bei der berufspraktischen Ausbildung." In Pillnitz stünden dafür 2000 Quadratmeter Funktions- und Übungsflächen sowie 1000 Quadratmeter hochmoderne Übungsgewächshäuser zur Verfügung.

Was bringt der Zusammenschluss im "Grünen Forum Pillnitz"?

Gemeinsame Veranstaltungen und Präsentation von Forschungsergebnissen, eine Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. "Synergien entstehen in erster Linie durch die Nutzung einer gemeinsamen Fachbibliothek in Dresden-Pillnitz, die aus den Beständen der Fakultät Landbau/Landespflege und des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zusammengesetzt ist. Die Bestände sind für alle Nutzer der gemeinsamen Bibliothek zugänglich. Für Lehrzwecke ist der Zugang zum Schlosspark in Pillnitz für Studenten und Dozenten kostenfrei, so dass die reichhaltigen Pflanzenbestände kontinuierlich als lebende Anschauungsobjekte genutzt werden können.

Gemeinsam betreut werden auch eine Reihe von Abschlussarbeiten der Studierenden der HTW Dresden, so derzeit eine Arbeit zu Krankheiten von Salbei. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LfULG ergänzen im Rahmen von Lehraufträgen (zum Beispiel zur Landschaftsökologie oder des Pflanzenschutzes im Gartenbau) das Lehrangebot der HTW Dresden. Im Rahmen des Grünen Forums Pillnitz finden regelmäßig Fachveranstaltungen, auch für die breite Öffentlichkeit statt, so die "Pillnitzer Gespräche", die von den Partnern im Grünen Forum gemeinsam geplant und durchgeführt werden", zählt Prof. Knut Schmidtke konkrete Beispiele auf.

Wo sieht der Verband Ehemaliger Dresden-Pillnitzer seine Aufgabe?

Der Verband ist ein Zusammenschluss von Absolventen einer höheren gärtnerischen Ausbildung in Pillnitz (von 1963-1990 im Schloss Nöthnitz in Bannewitz), und zählt 280 Mitglieder. Vorsitzender ist Wolfgang Friebel, Gartenmeister von Schloss Pillnitz. Der Verband versteht sich als Förderer des Gartenbaustandortes Dresden-Pillnitz und dabei besonders der Aus- und Fortbildung. "Wir geben Zuschüsse zu Exkursionen von Studenten, stiften Prämien für Wettbewerbe, zeichnen besondere schulische Leistungen aus", nennt Friebel Beispiele. Ganz wichtig sei, den Studenten, denen oft der direkte Bezug zur Praxis fehle, Mut zu Praxissemestern zu machen. "In Pillnitz ist alles auf einem Fleck: Pflanzensammlungen, Lehre und Forschung, Versuchsflächen. Mit diesem Pfund können und müssen wir wuchern. Das Ziel ist, mit guten Produkten die Verbraucher lanfristig zu überzeugen, dass ,gut' und ,billig' nicht zusammengeht." Das Billigdenken mache auf lange Sicht die Landwirtschaft und den Gartenbau kaputt, so Friebel. "Andererseits haben die Sachsen auch in schlechten Zeiten immer Blumen gekauft. Da haben wir es hier vielleicht leichter, als zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern."

Was bietet die Gartenakademie?

Sie gibt Klein- und Hobbygärtnern Gartentipps, bietet donnerstags ein Gartentelefon, schult Gartenfachberater und sogenannte "Pflanzendoktoren", führt Weiterbildungsveranstaltungen und am heutigen Sonnabend den Pillnitzer Gartentag durch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

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