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Auch Angriffe auf Mitarbeiter im Jobcenter Dresden - Sicherheitstechnik soll Gewalt verhindern

Auch Angriffe auf Mitarbeiter im Jobcenter Dresden - Sicherheitstechnik soll Gewalt verhindern

Vergangenen Sommer passierte die bisher schwerste Attacke in Dresden. Der angegriffene Jobcenter-Mitarbeiter kam mit einem gebrochenem Handgelenk davon, sein Angreifer ließ sich auch vom herbeigerufenen Sicherheitsdienst schwer bändigen, verletzte zwei der Security-Männer.

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Pierre Ullmann, Bereichsleiter Interner Service beim Jobcenter

Quelle: Uwe Hofmann

"Am Ende kam heraus, dass er sich missverstanden fühlte - es war ein Kommunikationsproblem", sagt Pierre Ullmann, Bereichsleiter Interner Service beim Jobcenter. "Bei uns geht es um die Existenz", versucht er zu begründen, warum Menschen plötzlich so ausrasten können. Vermutlich ist das der Grund, warum es in der im gleichen Gebäude untergebrachten Arbeitsagentur bisher keine gewalttätigen Angriffe gab. Wer im Jobcenter landet, der ist beim Arbeitslosengeld II angekommen und schiebt mitunter gehörig Frust. Ein kleiner Funke kann die kalte Wut in Gewalt umschlagen lassen. "Wir haben beobachtet, dass alle, die zugeschlagen haben, es ohne Vorwarnung getan haben", sagt Ullmann.

Vier Mal ist das bisher passiert, 2011 das erste Mal, im Folgejahr zwei Mal, 2013 bisher einmal. Glücklicherweise ging es meistens glimpflich aus: Eine Gehirnerschütterung, eine Platzwunde und Schürfwunden trugen die Angegriffenen davon. Beleidigungen und Drohungen sind weitaus häufiger, 31 wurden 2012 registriert, 2013 bisher zehn. Statistisch sind sie aber schwer zu fassen, weil nicht alle angezeigt werden, auch wenn die Mitarbeiter dazu von der Jobcenter-Leitung angehalten sind. 2012 hat das Jobcenter neun Strafanträge gestellt, in diesem Jahr bisher fünf. Das ist eigentlich wenig, wenn man es ins Verhältnis setzt: Rund 700 Mitarbeiter betreuen beim Jobcenter etwa 51200 Kunden. In den Räumen der Arbeitsagentur sind es noch einmal 630 Mitarbeiter für 25300 Arbeitslose. Aber jeder Übergriff ist einer zu viel, zumal er das Arbeitsklima beeinflusst. "Bei einigen ist das persönliche Sicherheitsgefühl sehr viel stärker betroffen als es der tatsächlichen Bedrohungslage entspricht", sagt Ullmann. Gerade dann, wenn wieder etwas passiert ist.

Deshalb wird im Jobcenter schon seit längerem viel für die Sicherheit getan: Die Mitarbeiter werden geschult, wie sie Konflikte deeskalieren und mit schwierigen Personen umgehen können. Außerdem sind sie angehalten, auf ihren Tischen nichts in Reichweite ihrer Besucher aufzustellen, das als Waffe verwendet werden könnte. Der Sicherheitsdienst ist in der Nähe des Eingangs stationiert und patrouilliert zusätzlich über die Gänge des Jobcenters und der Arbeitsagentur. Durch ein Notrufsystem via Computer kann er herbeigerufen werden. Zudem werden derzeit Notrufknöpfe installiert, wie man sie aus Bankfilialen kennt. "Außerdem haben wir die Zusammenarbeit mit der Polizei intensiviert", sagt Ullmann. Die Beamten werden in den nächsten Wochen alle Filialen des Jobcenters auf Sicherheitsprobleme untersuchen. Eine interne Analyse habe man ebenfalls angestoßen. Sie fasst den Begriff Gefährdung weiter und soll ergründen, wie sich Stress, Erkrankungen und Eskalationen vermeiden lassen. Denn diese Probleme haben miteinander zu tun, meint Ullmann. Er habe die begründete Vermutung, dass im Jobcenter ein höherer Krankenstand als im Durchschnitt der sächsischen Verwaltung herrscht.

Trotz aller Vorsichtmaßnahmen gilt laut Ullmann: "Wir bleiben ein offenes Haus." Allerdings nicht für diejenigen, die schon einmal durch Angriffe auffällig geworden sind. "Sie bekommen Hausverbot", sagt er knapp. Das bedeutet, dass sie nicht mehr unangemeldet ins Gebäude gelangen. Das wird in einem internen Sicherheitssystem registriert. Allerdings bleibt der rechtliche Anspruch auf Beratung. Deshalb werden die mit Hausverbot belegten Dresdner zu festen Terminen eingeladen, bei denen dann auch das Sicherheitspersonal mit zugegen ist. Wie wichtig das sein kann, zeigt der Leipziger Fall. Dort war der Angreifer schon 2010 auffällig geworden, dennoch saß die Mitarbeiterin ihm ganz allein gegenüber.

Uwe Hofmann

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