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Asylbewerber mit Infarkt wird in Dresden nicht erstversorgt

Asylbewerber mit Infarkt wird in Dresden nicht erstversorgt

"Ich habe viele Verfolgungsschicksale hinter mir. Und es war für mich nicht vorstellbar, dass man in Deutschland einen Kranken schlägt", sagt Armir Darwish* auf Persisch.

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Seit dem Vorfall braucht der Iraner Herzmedikamente, aber auch Antidepressiva.

Quelle: Madeleine Arndt

Doch dem Journalisten aus Teheran, der als politisch Verfolgter gerade auf den Bescheid seines Asylantrags wartet, ist es passiert. Der Iraner ist herzkrank. Am 14. Dezember gegen 5 Uhr früh erlitt er in seiner Dresdner Übergangswohnung eine Herzattacke. Seine Mitbewohner riefen sofort den Rettungsdienst an, der fünf Minuten später zur Stelle war. Doch dann begann der Albtraum: "Der ist nicht krank, der ist besoffen, haben sie gesagt", berichtet Armir Darwish.

Statt ihn auf einer Trage in den Krankenwagen zu bringen, verlangen die beiden Sanitäter von ihm, er solle selbst laufen. "Ich konnte aber nicht. Schimpfend haben sie mich dann die Treppen runtergezogen, geschubst und mich geschlagen. Vor dem Krankenwagen ließen mich die Sanitäter sogar los und ich fiel auf den Boden", berichtet der Asylbewerber. Im nahe gelegenen Krankenhaus Friedrichstadt habe ihn der Rettungsdienst nicht in die Notaufnahme gebracht, sondern auf eine andere Station. Dort habe man ihm in die Augen gesehen, gesagt, er sei gesund und solle zurückgefahren werden. Erst als sich Armir Darwish im Krankentransporter übergab, seien die Sanitäter unsicher geworden und brachten ihn in die Notaufnahme. Dort erkannte eine Schwester den kritischen Zustand des Iraners. Zwischen dem Notruf und der medizinischen Versorgung, der einen Tag darauf die Herz-OP folgte, vergingen laut Armir Darwish zwei Stunden. Seine medizinischen Befunde belegen, dass er keinen Tropfen Alkohol im Blut hatte.

Im Krankenhaus Friedrichstadt hält man sich zurück. Die Rettungsdienste seien nicht bei den Krankenhäusern angestellt, damit hätte man im Grunde nichts zu tun, so die Sprecherin Viviane Piffczyk. Die Krankenakte dürfe auf Grund des Datenschutzes nicht eingesehen werden. Wenn es aber so weit kommen sollte, werde man die polizeilichen Ermittlungsarbeiten unterstützen, erklärte die Pressesprecherin.

"Ich halte ihn für absolut glaubwürdig", betont Asad Mamedow, Geschäftsführer des Ausländerrats Dresden e.V. Im Januar war der Iraner bei ihm gewesen und hatte ihm das Geschehene geschildert. Danach suchte er sich einen Dolmetscher, ging zur Polizei und erstattete Anzeige. "Es ist schockierend", sagt Asad Mamedow. Problematisch an dem Fall sei, dass Zeugen fehlen. Am Ende werde Aussage gegen Aussage stehen.

Laut Unterlagen der zentralen Leitstelle verstrichen vom Eintreffen des Krankenwagens bis zur Fahrt Richtung Klinik genau 21 Minuten - keine auffällig lange Zeit. Was jedoch danach bis zur letztlichen Behandlung im Krankenhaus geschehen ist, darüber kann nur der mit der Fahrt beauftragte Rettungsdienst Auskunft geben. Doch die Rettungsdienste berufen sich ebenfalls auf die ärztliche Schweigepflicht und geben der Presse gegenüber keine Informationen heraus. Auch die zentrale Leitstelle nannte den DNN den Namen des für den Einsatz verantwortlichen Rettungsdienstes nicht. Den werde man im Laufe des Ermittlungsverfahrens ausschließlich der Polizei mitteilen, hieß es dort.

*Name geändert, der Redaktion bekannt

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.02.2014

Arndt, Madeleine

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