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Arme Schweine: Pest naht aus Osten - Dresden aber noch fast seuchenfrei

Arme Schweine: Pest naht aus Osten - Dresden aber noch fast seuchenfrei

Der Tourismusaufschwung von und nach Dresden hat tierische Kehrseiten: Das städtische Veterinäramt sorgt sich, dass so gefährliche Seuchen eingeschleppt werden, die zwar für Menschen ungefährlich, gegen die die armen Dresdner Schweine aber völlig hilflos sind.

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Wildschweine dringen immer tiefer ins Stadtgebiet vor. Da sie sich auch an Komposthaufen und Mülltonnen laben und andererseits Kontakt zu Hausschweinen suchen, können sie als Wirtstiere gefährliche Seuchen weitertragen.

Quelle: David Ebener/dpa

Der Vormarsch der Wildkeiler ins Stadtgebiet spielt dabei eine verhängnisvolle Rolle. Die guten Nachrichten: Dresden ist tollwutfrei und hat mit der Bienen-Faulbrut derzeit nur eine Tierseuche am Hals.

"So lecker die Wurst in der Türkei auch aussieht: Bringen sie die bloß nicht mit nach Hause", rät Dresdens Amtstierarzt Lutz Meißner Urlaubern. Es sei aus gutem Grund verboten, Lebensmittel aus Nicht-EU-Ländern einzuführen und sei es auch nur als Wegzehrung: Die Gefahr, Tierseuchen einzuschleppen, ist groß. Doch immer noch beschlagnahmen Zoll und andere Behörden jährlich 100 Kilogramm solcher verbotenen Lebensmittel am Dresdner Flughafen und in den Paketverteilzentren.

Kein Impfstoff, Schweine hilflos

Mit Blick darauf lässt vor allem eine Seuche Deutschlands Veterinäre jetzt zittern: "Die afrikanische Schweinepest breitet sich derzeit von Osten gen EU aus, laut letzten Meldungen ist sie jetzt an der polnischen Grenze angekommen", sagt Meißner. Zwar ist nicht zu befürchten, dass der "Schwarze Tod" wieder - wie im Spätmittelalter - halb Europa dahinrafft, denn diese Pest ist für Menschen unproblematisch. Aber das Virus lässt Schweine binnen einer Woche einen qualvollen, blutigen Tod sterben. "Die europäischen Bestände haben keinerlei Abwehr gegen diese Krankheit und wir keinen Impfstoff."

Sollte die tückische Seuche in Dresden ausbrechen, können Meißner und seine Kollegen den städtischen "Stab für außergewöhnliche Ereignisse" aktivieren, der Absperrungen und Desinfektionszentren anweisen kann. Aber in diesem Falle bliebe nur eine Lösung übrig: ganze Herden zu keulen.

Veterinäre befürchten ein Domino-Szenario: Per Fernbus kommt zum Beispiel eine ukrainische Familie nach Dresden. Weil die Stullen-Pakete während der langen Fahrt ungenießbar geworden sind, wirft die Mutter den Reiseproviant während eines Ausflugs auf dem Weißen Hirsch in einen Abfalleimer. Nachts kommt ein hungriger Keiler, schubst den Eimer um, frisst sich satt - und gesellt sich am nächsten Tag zu den Säuen der nächsten Hausschwein-Herde, die Tage später blutend sterben.

17 000 Viecher im "Dorf" Dresden

Dies ist kein unwahrscheinliches Szenario, wie Meißner versichert, da immer mehr Wildschweine immer tiefer ins Stadtgebiet vordringen und ihren Appetit an Komposthaufen stillen und zielgerichtet Abfalltonnen umstoßen, um sich zu laben. Und umgekehrt ist Dresden mehr Dorf, als man denken mag: In der Chip-Stadt gibt es rund 17 000 Nutztiere - darunter etwa 3200 Schweine -, Kleingetier noch gar nicht mitgerechnet.

Trotz der drohenden Pestgefahr aus dem Osten gibt es indes keinen Grund zur Panik, denn in der Praxis ist Dresden momentan nahezu tierseuchenfrei. Die letzten Fälle von Vogelgrippe und Papageien-Krankheiten liegen schon Jahre zurück. Tollwutfälle hat es eine halbe Ewigkeit nicht mehr gegeben - jedoch sollte man sich hüten, süße Fledermäuse zu streicheln, da diese Tiere die Krankheit noch teils ins sich tragen.

Faulbrut-Bienen in Kellerhaft

Allerdings macht die "amerikanische Faulbrut" den Imkern zu schaffen: In einem Radius von einem Kilometer um die Strehlener Christuskirche hat das Veterinäramt einen Sperrbezirk eingerichtet, aus dem Bienen nicht schwärmen dürfen. Betroffen sind vier der rund 210 registrierten Imker in Dresden. Der Honig dieser Bienenzüchter sei für Menschen unbedenklich, betont Meißner. Allerdings sei die Krankheit recht hartnäckig, da die Bakterien Sporen bilden, die sich jahrelang im Boden halten können.

Für die Faulbrut gibt es eine erprobte Radikalkur: Der Imker sperrt die Bienen in "Kellerhaft", lässt sie hungern, bis die Tiere alles Schädliche ausgeschieden haben. Dann kommt der Schwarm in einen neuen Wabenstock. In zwei Wochen etwa, so hofft Meißner nun, könnte der letzte Bienen-Sperrbezirk in Dresden vielleicht aufgehoben werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2013

Weckbrodt, Heiko

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