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Arm bis in den Tod

Arm bis in den Tod

An den eigenen Tod auch nur zu denken, löst in den meisten Menschen ein unbehagliches Gefühl aus. Die Frage, wer eigentlich für die eigene Beerdigung aufkommen soll, birgt dagegen schon das Potenzial für schlaflose Nächte.

Von Jane Jannke

Sterben ist teuer geworden, alte Menschen sind gleichzeitig immer öfter von Armut betroffen. Manch einer weiß in Zeiten größer werdender Distanzen gar nicht, dass es da am anderen Ende des Landes noch eine alte Tante gibt. Wenn dann vom Ordnungsamt mit der Todesnachricht auch gleich noch ein Kostenbescheid für die Bestattung ins Haus flattert, ist neben dem Schrecken auch oft der Ärger groß.

Wer finanziell imstande ist, muss die Kosten gemäß Gesetz übernehmen. Grausige Schauermärchen, nach denen Verstorbene wochenlang im Kühlhaus lagern, bevor sie zur letzten Ruhe gebettet werden können, weil Behörden und Angehörige sich in diesem Punkt nicht einig werden, halten sich aufgrund weniger Einzelfälle hartnäckig.

Doch muss man wirklich besorgt sein? Verstorbene sind in Dresden spätestens acht Tage nach dem Ableben einzuäschern oder zu bestatten - so schreibt es das Sächsische Bestattungsgesetz vor. "Finden wir in dieser Zeit keine Angehörigen oder wollen diese die Kosten nicht tragen, gehen wir im Wege einer kostenpflichtigen Ersatzvornahme in Vorleistung", erklärt das Ordnungsamt. In Ausnahmefällen erlaube das Gesetz aber "Fristverlängerungen", wovon bisweilen Gebrauch gemacht werde. Kenner der Branche berichten, dass daher die Asche von Verstorbenen bis zu sechs Monate im Bestattungsinstitut bleiben kann, weil nicht klar ist, wer die Senkung bezahlt. Beim Geld hört eben das Mitgefühl der Behörden auf.

Immer dann, wenn die Beerdigungskosten nicht aus Nachlässen oder Vermögen von Angehörigen beglichen werden können, springt in der Regel das Sozialamt ein - in Dresden in diesem Jahr bereits rund 200 Mal. Seit Jahren liegen die Zahlen im Schnitt bei 250 Sozialbestattungen pro Jahr. Bis zu 1450 Euro für eine Feuerbestattung werden übernommen, die Sätze variieren von Kommune zu Kommune. Im glamourösen München etwa können Bedürftige nur mit 950 Euro rechnen, in Düsseldorf sind es gar nur 588 Euro.

Opulente Trauerfeiern darf man aber auch in Dresden nicht erwarten. Zugestanden wird, "was im Sinne eines Mindeststandards ist", heißt es im Amtsdeutsch. Spielraum ja, aber eben nur im Bereich des Mindesten. Liegen etwa religiöse Belange zugrunde, zahlt das Amt auch eine einfache Erdbestattung oder Rituale wie etwa die muslimische Leichenwaschung. Neben den Bestattungskosten werden auch die Friedhofsgebühr (zirka 500 Euro), die Kosten für einen schlichten Grabstein (etwa 400 Euro) und der Totenschein (60 Euro) übernommen. Insgesamt kostet den Dresdner Steuerzahler eine Sozialbestattung somit bis zu 2500 Euro.

Auch an den Bestattungsunternehmen, die vom Sozialamt beauftragt werden, sind die Teuerungen der letzten Jahre nicht vorübergegangen. "Es geht immer ums Geld", bestätigt Jörg Strugalla, der das "Bestattungshaus Dresden Ost" in Striesen betreibt. Ein Blumenbukett für den Sarg habe früher 60 Mark gekostet, mittlerweile zahle man 60 Euro.

Das schlägt sich auch in den seit Jahren steigenden Ausgaben nieder. Musste die Stadt im Jahr 2006 noch 278 000 Euro für 271 Bestattungen aufwenden, waren es im Jahr 2011 bereits 382 500 Euro bei 247 Bestattungen. Und das, obwohl für bedürftige Verstorbene oft ohnehin die einfachsten Bestattungsarten gewählt würden, wie Jörg Strugalla weiß. "Auf dem Striesener Friedhof gibt es die Beisetzung auf der Urnenanlage ohne Trauerfeier und Namensnennung schon ab 500 Euro."

Aber auch bei der Einäscherung selbst geht es immer häufiger um das günstigste Angebot, wie kürzlich der Fall von zwölf Verstorbenen zeigte, die ein Brandenburger Bestattungsinstitut bis nach Meißen schicken wollte, weil dort die Kremation am billigsten war. Ein Trend, der Ethikverbände Alarm schlagen lässt. Er selbst lasse stets im Krematorium Tolkewitz einäschern, betont Bestatter Jörg Strugalla. Die Entwicklungen auf dem "Sterbemarkt" sieht er kritisch. Früher, so Strugalla, habe es von den Krankenkassen noch eine Sterbegeldbeihilfe in Höhe von 2100 D-Mark für jeden gegeben. Die aber wurde 2004 vom Gesetzgeber gestrichen. Stattdessen müsse nun privat vorgesorgt werden. Viele arme Menschen aber können sich das nicht leisten, was unterm Strich heißt: arm bis in den Tod.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2012

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