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Archive sind zurück und bringen konfliktreiche Liebe nach Dresden in den Alten Schlachthof

Archive sind zurück und bringen konfliktreiche Liebe nach Dresden in den Alten Schlachthof

Darius Keeler ist Keyboarder, Soundarrangeur und neben Danny Griffiths Dauermitglied in der ansonsten sehr wechselfreudigen Formation Archive. Seit 1994 hat sich das Kollektiv vom Trip Hop über ein paar musikalische Anbiederungsversuche erfolgreich ins Psychedelische und bis 2009 zum elektronischen Progressive Rock mit orchestralen Zügen weiterentwickelt.

Aber immer schon hatten sie diesen düsteren Industriehallensound, immer schon sangen und rappten mehrere Künstler, bestimmten mehrere Musiker mit. Auf der Tour zum neuen Album sprach Keeler von seiner Erziehung mit klassischer Musik, über sein Verhältnis zum Pop und darüber, warum auch neun Musiker auf der Bühne eigentlich noch nicht genug sind.

Leider ist es ein Telefongespräch, das Darius Keeler mit Dresden verbindet. Doch auch ohne ihn zu sehen, weiß man, er ist müde, und so richtig viel zu sagen hat er auch nicht. In der vorangegangenen Nacht spielten Archive in Berlin - es war gerade Berlin Music Week - und sie unter den Headlinern. Doch das achte Studioalbum mit dem Titel "With Us Until You're Dead" (2012, Dangervisit Records) ist nun mal draußen, und es muss promotet werden. "Was kann man zu einem neuen Album schon groß sagen?", fragt Keeler also zurück. "Wir wollen Musik machen, und alles, was wir mitteilen wollen, sagt unsere Musik. Wir geben sie in die Welt, und die Leute entscheiden, ob sie sie lieben oder hassen." Merkwürdigerweise lieben die Menschen die Musik von Archive vor allem in Deutschland und drum herum in Festlandeuropa, weniger in Großbritannien, obwohl sie ihr erstes Album "Londinium" sogar nach ihrer Heimatstadt benannten. Doch mit dem Wechsel vom Major- zum Eigenlabel sieht es ganz gut aus mit der Wahrnehmung vor Ort. Die Welt soll folgen.

In Dresden haben sie vor ziemlich genau drei Jahren im kleinen Saal des Schlachthofs gespielt. Wer das Konzert damals gesehen hat, wird vermutlich wiederkommen. Denn die gewaltige Bühnenshow hypnotisierte große Teile des Publikums. Es war die Tour zu "Controlling Crowds" (2009, Warner Music), ihrem letzten Album, das von gesellschaftlicher Gleichschaltung handelte und völlig zu Recht als bisher bestes und dramatischstes Werk gilt. Doch jetzt, sagt Keeler, hat das Kollektiv genug mit großer Begleitung gespielt und speckt ab. Dass es in Berlin mit dem Filmorchester Babelsberg aufgrund technischer Unzulänglichkeiten letztens nicht geklappt hat, sei deshalb auch gar nicht schlimm gewesen. " Wir wollten unsere Musik sowieso wieder einfacher gestalten."

Die neuen Songs sind dennoch alles andere als weghörbare Popperlen. Wie Keeler an Musik herangeht, hat viel mit seiner musikalischen Früherziehung zu tun. Sein Vater nahm ihn oft mit in klassische Konzerte. "Ich bin kein großer Fan der Oper, aber Mozarts Hornkonzerte waren ein Grund dafür, warum ich Horn spielen wollte. Ich mag auch Beethoven. Die alte Musik zu hören erleichterte mir das Verständnis für die Anordnung von Instrumenten. Ich lernte, wohin die Violine gehört, wohin das Cello und auch wohin das Horn muss, wie die Instrumente zusammenspielen, wie sie klingen und was für eine ständig wechselnde Dynamik daraus entsteht. Es ist eine extrem harmonische Form von Musik."

Geigen sind auf dem neuen Album immer noch drauf, vom Supersonic Belgian Orchestra, aber insgesamt ist es tatsächlich viel weniger. Obwohl nun die Liebe das Thema ist. Nicht immer kommt sie gut weg, meistens wird ihr sogar zynisch hinterhergetextet, Lieder wie "Conflict", "Damage" oder "Violently" markieren die negativen Horizonte der doch angeblich so schönen Nebensache. Trotz der düsteren Inhalte schaffen es die sehr unterschiedlich eingesetzten Stimmen von Pollard Berrier, Dave Pen, Maria Q. und Holly Martin durch ihre Intensität, den zerklüfteten Breakbeat-Sounds und den derben Gitarrenriffs Halt zu geben, wo es die harmonischen Melodien der Synthesizer nicht vermögen. Musikalisch herausfordernd ist das manchmal, aber nach mehrmaligem Hören kaum noch wegzukriegen aus der Erinnerungsschleife.

Auf die Frage nach aktuelleren Einflüssen nennt Keeler Human League, Arcade Fire und die amerikanische Band Of Montreal. Aber auch für weniger verschrobenen Pop hat er etwas übrig. "Wir machen ja eher Gitarrenmusik, Progressives und elektronischen Rock, aber durchaus auch mal Popsongs wie ,Silent' oder ,Stick Me In My Heart'. Ich mag Pop. ABBA zum Beispiel waren großartige Songwriter. Das ist nichts, was ich über Kopfhörer hören, aber wozu ich betrunken auf einer Party tanzen würde."

Letztes Mal kamen sie zu siebt, jetzt reisen sogar neun Musiker nach Dresden, immer gibt es noch ein Instrument, das live gespielt werden könnte. "Aber manchmal reichen die Musiker auf der Bühne immer noch nicht. Vielleicht sollten wir auf zwölf erweitern. Aber auch Human League hatten Sequenzer auf der Bühne und die mochte ich sehr. Es ist eben auch Teil unseres Sounds, elektronisch zu klingen."

Archive spielen am Mittwoch, 20.30 Uhr im Alten Schlachthof. Die Karten kosten 23,70 Euro.

Kartenverlosung

Die DNN verlosen für dieses Konzert fünfmal zwei Freikarten. Wer gewinnen möchte, ruft morgen zwischen 10 und 10.10 Uhr unter Tel. 01805 21 81 00 (0,14 Euro/Minute aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute) an. Die ersten fünf Anrufer, die durchkommen, gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2012

Juliane Hanka

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