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Architekt Thomas Heinle: "Mir kann es nie modern genug sein"

Architekt Thomas Heinle: "Mir kann es nie modern genug sein"

Kurz nach der Wende gründete das Architekturbüro "Heinle, Wischer und Partner" eine Niederlassung in Dresden. Seitdem hat es sich stetig entwickelt und bei Bauvorhaben wie der Giraffen- und Zebraanlage im Zoo und des Vitzthum-Gymnasiums Spuren hinterlassen.

DNN hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit Architekt Thomas Heinle.

Frage: Herr Heinle, im Jahresbericht 2011 Ihres Architekturbüros tauchen Projekte wie das Generalsekretariat des Europäischen Parlaments in Luxemburg und das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin auf. Heißt das, die Hülle dieser Schaltzentralen der Macht wird von Dresdnern geplant?

Thomas Heinle: Auf die von Ihnen genannten Projekte trifft das nicht zu. Das Büro "Heinle, Wischer und Partner" arbeitet von fünf verschiedenen Standorten aus. Dabei handelt es sich um Niederlassungen in Berlin, Köln, Stuttgart, Dresden und Breslau. Entsprechend teilen wir Partner die Aufträge untereinander auf. Um die von Ihnen angesprochenen Neubauvorhaben in Luxemburg und Berlin kümmern sich meine Kollegen.

Gegründet wurde das Architekturbüro 1962 von Ihrem Vater Erwin Heinle und Robert Wischer. Befindet es sich immer noch in der Hand dieser zwei Familien?

Die Beteiligungen haben sich verändert. Im Grunde genommen bin ich der einzige Nachfahre aus den Gründerfamilien, der für das Büro arbeitet. Ich wollte mich aber nie ins gemachte Nest setzen. So ging ich nach meinem Studium an der Fachhochschule Biberach zunächst nach Chicago, um weitere praktische Erfahrungen im Büro von Helmut Jahn zu sammeln. Er ist ja unter anderem bekannt als Architekt des Frankfurter Messeturms und des Sony-Centers in Berlin. 1993 stieg ich dann bei meinem Vater als Gesellschafter ein. Allerdings nicht im heimischen Stuttgart sondern um einen ganz neuen Standort aufzubauen, eben den in Dresden.

Pionierarbeit wenige Jahre nach dem Fall der Mauer...

Ja, ich war schon damals voller Tatendrang und hatte das Ziel, die Wende ein Stück weit mitzugestalten. In der Anfangszeit des Dresdner Büros, das sich damals noch im Robotron-Areal befand, gab es nur mich und eine Studentin. Inzwischen beschäftigen wir in der Landeshauptstadt knapp 30 Mitarbeiter und haben uns einen alten Druckereiraum am Wettiner Platz als modernes Großraumbüro eingerichtet.

Was sind denn aktuelle Projekte von "Heinle, Wischer und Partner" in Dresden?

Kürzlich fertiggestellt wurde der von uns geplante Neubau für die "CES IT-Systemhaus GmbH" an der Marie-Curie-Straße. Die Betreuung dieses Projektes hat uns sehr viel Spaß gemacht, weil sich der Bauherr eng mit seinen Mitarbeitern abgestimmt und auf individuelle Wünsche reagiert hat. Unser wohl größtes Vorhaben 2012, das wir als Erstplatzierter in einem speziellen Vergabeverfahren erhielten, ist die Planung für das neue Institut für Photophysik der TU Dresden. Dessen Forscher arbeiten an äußerst innovativen Produkten und Institutschef Prof. Karl Leo erhielt kürzlich den Zukunftspreis. Eine sehr spannende Aufgabe.

Alles spezielle und sicher unheimlich anspruchsvolle Projekte. Vermissen Sie da manchmal den Reiz eines ganz simplen Auftrags?

Nein, weil wir sehr wohl auch simple Aufträge annehmen und mich genau diese Spannweite reizt. Wir machen uns zum Beispiel im Auftrag des Landes Gedanken über die Gestaltung eines Trafohauses auf dem TU-Gelände. Profaner geht's eigentlich nicht, aber mir liegt die Gestaltung der Umwelt am Herzen und wir möchten Maßanzüge planen. Die passen immer. Dieser Anspruch gilt genauso für Trafos.

Die Arbeiten von "Heinle, Wischer und Partner" sind Ausdruck äußerst moderner Architektur. Im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau im Quartier V/1 des Neumarktes ist ja wieder eine Diskussion entbrannt, ob Dresden so nah an der Frauenkirche etwas Modernes braucht. Haben Sie Verständnis für die Debatte?

Ich habe durchaus Verständnis dafür und respektiere den Erfolg derjenigen, die sich für den historischen Wiederaufbau des Neumarktes eingesetzt haben. Mir persönlich kann es andererseits nie modern genug sein. Ich glaube schon, dass der Neumarkt solch einen Neubau, der zunächst aus dem Rahmen zu fallen scheint, vertragen würde, wenn er qualitativ hochwertig ist. Mich reizt es immer, mit Architektur die neuesten technologischen Grenzen zu beanspruchen, um eine ganz neue Ästhetik herzustellen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.01.2012

Interview: Christoph Stephan

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