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Archäologen finden Zeugnisse aus Dresdner Stadtwerdung

Grabungen am Neumarkt Archäologen finden Zeugnisse aus Dresdner Stadtwerdung

Für Archäologen ist auf dem Neumarkt Endspurt angesagt. Noch bis Ende März untersuchen sie das letzte Teilstück des Quartiers VI im Bereich zwischen Kulturpalast und Frauenstraße. Eine der wenigen bisher nicht bebauten Flächen im mittelalterlichen Stadtkern.

Das Grabungsareal des Landesamtes für Archäologie Sachsen
 

Quelle: dpa

Dresden. Für Archäologen ist auf dem Neumarkt Endspurt angesagt. Noch bis Ende März untersuchen sie das letzte Teilstück des Quartiers VI im Bereich zwischen Kulturpalast und Frauenstraße. Eine der wenigen bisher nicht bebauten Flächen im mittelalterlichen Stadtkern. Darauf verwies Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie. Das allerletzte Kapitel bei der mittelalterlichen Stadterforschung schreiben die Experten dann mit der Grabung hinter dem Kulturpalast, auf dem restlichen Quartier VII neben dem Kimmerle-Bauprojekt. Sie steht derzeit noch aus.

Die größere Fläche des Quartiers VI ist mit der im Mai 2014 abgeschlossenen Grabung schon erforscht worden. Es fehlten noch rund 200 Quadratmeter, die gegenwärtig Grabungsleiterin Susanne Schöne mit vier Helfern unter die Lupe nimmt. Bis 3,50 Meter tief haben sie die Erdschichten beseitigt und altes Mauerwerk freigelegt, darunter auch zwei Keller aus der Renaissance entdeckt. Zwei Jahrhunderte später wurden neue Gebäude darauf errichtet. So baut eine Epoche auf die andere auf.

Sichtbare rund gemauerte Öffnungen reichen noch einmal zwei, drei Meter in die Tiefe und werden immer noch weiter ausgegraben. Hierbei handelt es sich um zwei Brunnenschächte und drei Latrinen. Schöne datiert zumindest eine dieser Gruben auf das 14. Jahrhundert. Andere, die noch nicht zugeordnet werden konnten, sind vermutlich noch älter und reichen bis zur Stadtgründung zurück.

Latrinen sind in der Regel wahre Fundgruben, denn in ihnen wurde mehr als nur die menschliche Notdurft entsorgt. So bargen auch diese Keramikteile, eine Zahnbürste aus Knochen, Klein-Spielzeug wie einen Würfel und Murmeln aus dem 16./17. Jahrhundert. Der gleichen Zeitspanne entstammt ein Steinzeugkrug, von dem sich das Stück mit dem Konterfei eines Kurfürsten erhalten hat. Besonders freut sich Schöne über eine kleine Figurine. Die etwa 15 Zentimeter messende Keramik-Madonna – sie wird ins 17. Jahrhundert verortet – sei „etwas sehr Lebensnahes“, findet die Grabungsleiterin.

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Bei einer der letzten Grabungen am Dresdner Neumarkt haben Archäologen auch Zeugnisse der frühen Stadtwerdung gefunden. Dazu gehören Stücke verbrannten Lehms mit Flechtwerk-Abdrucken von Holzhäusern aus dem 13. Jahrhundert.

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Latrinen können sich auch in die Länge strecken, wie jene, die an der Frauenstraße von der Hausnummer 7 bis zur 9 reichte. Darin fanden sich u.a. zwei Keramikkrüge und eine Glasflasche. Dorothea Rettke kniet vor einer weiteren Erdschicht und gräbt sich vorsichtig hinein. Seit 1994 gehört sie zum Helferteam. Jedes Tonteilchen und Schlackestück, jeden Knochen legt sie beiseite. Alles gelangt ins Depot des Landesamtes und wird gründlich untersucht. Das gesamte Grabungsfeld bleibt vermessen, beschrieben, fotografiert und digitalisiert der Nachwelt erhalten. In die Neubebauung werde aber kein Keller Eingang finden, so Westphalen. Die im Feuersturm ausgeglühten und verfärbten Sandsteine seien zu morsch.

Schöne verweist auf eine lange Mauer entlang der Frauenstraße. Sie markiert die Parzellengrenze aus dem 16. Jahrhundert. Daneben lassen sich Seitenflügel des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert erahnen. Wir stehen gewissermaßen vor dem Chiapponischen Haus, das als Leitfassade wieder kommen soll. Das gesamte Bauwerk kann jedoch nicht auferstehen, da die Grundrissstrukturen längst durch die heutige Galeriestraße und den Kulturpalast überbaut sind. Eigentümer dieser Ecke ist die Griebnitzsee Projektentwicklungsgesellschaft Berlin/Kondor Wessels.

Auf dem Hauptteil des Quartiers VI will das Dresdner Unternehmen USD ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Im April sollen die Bauvorbereitungen beginnen. Bereits im Frühjahr 2013 hatte USD sein Grundstück erworben. Verzögerungen kamen zustande, weil der Bebauungsplan der Stadt Mängel aufwies und vom Oberverwaltungsgericht für unwirksam erklärt wurde. Auch mussten die Grundstückseigentümer des Quartiers, zu denen noch Nobelpreisträger Günter Blobel gehört, ihre Projekte anpassen.

Von Genia Bleier

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