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Arbeiten von Architekturstudenten in Workshop-Ausstellung in Dresden zu sehen

Arbeiten von Architekturstudenten in Workshop-Ausstellung in Dresden zu sehen

Als anno 90 die Friedliche Revolution gerade passiert war und wir hörten, dass wir das zwar richtig, aber alles andere falsch gemacht hätten, waren die Angehörigen der Professur für Gestaltungs- und Darstellungslehre der damaligen Sektion Architektur eher verwundert, zumal eben die nach der Wende in alle Welt ausgeschwärmten Studenten bei der Rückkehr mit einer leicht traurigen Verblüffung mitteilten, dass z.

 B. in München oder Paris-La Defense und anderswo solche anachronistischen Übungen wie Freihand- oder Aktzeichnen o. ä. längst abgeschafft worden waren. Obwohl diese und weitere bildnerische Fächer jeder ideologischen Einsprengsel bar gewesen sind, dachten wir statt im Kollektiv nunmehr im Team sehr gründlich und konstruktiv darüber nach, was ein Bereich Bildnerische Lehre im Architekturstudium spezifisch zu leisten hätte. Das Ergebnis war, dass er mit einem auswahlreichen Kursangebot jedem Studierenden nach der konzentrierten Wissensabfüllung des Grundstudiums im Hauptstudium vorzugsweise das Erlebnis der eigenen künstlerischen Kreativität an Stelle von Gestaltungstheoremen ermöglichen und damit auch das Entwerfen befruchten müsste.

Für die schnelle Verwirklichung dieses ehrgeizigen Programmes erwiesen sich nun die neuen Umstände als günstig, insbesondere, da ein Kanzler wie Alfred Post - Ehre seinem Andenken - nicht nur kunstsinnig, sondern auch großzügig war und die Erweiterung des eigenen Lehrpotentials durch Honorardozenten aus der Dresdner Künstlerschaft erlaubte. So kam ein Bereich mit sage und schreibe zwölf künstlerischen Haupt- und Nebenfächern bereits im Herbst 1991 in die Gänge, von denen hier nur Freies Bilden, Malerei, Aktzeichnen, Experimentelle Grafik, Plastik und Fotografie genannt seien, deren Ergebnisse nicht nur wiederholt in- und außerhalb Dresdens gezeigt werden konnten, sondern teilweise sogar in den Kunstbesitz der TU einzogen.

Dass der Baukunst - die Ausstellung von Horst Witter, der selbst ein Zögling unserer Anstalt war, beweist die Rechtmäßigkeit dieses Begriffes auch hier und heute noch - von den Künsten nichts näher steht als die Plastik, macht dieses Fach für uns besonders wichtig: Beide haben mit dem Raum zu tun. Bis 1997 hatte mit Wolfram Hesse ein Altmeister dafür den Lehrauftrag. Ihm war es im Gegensatz zu dem hier Gezeigten um das Form- und Maßstabsgefühl für vorrangig geometrische Formen aus Gips gegangen.

Als Nachfolger konnte der Bildhauer Lothar Beck gewonnen und schon 14 Jahre gehalten werden. Obwohl er prominent und erst im Vorjahre durch seine beeindruckende Würfel-Figuration vor dem Süd-Portal der Kreuzkirche zum Thema "Schwerter zu Pflugscharen" an die Advents-Jugendgottesdienste der frühen 80er Jahre - Initiationsereignisse der Friedlichen Revolution - erinnernd, vielen bekannt ist, soll hier kurz sein künstlerischer Werdegang beleuchtet werden. Geboren 1953 im thüringischen Herbsleben, kommt Beck nach einer Baumaschinistenlehre als Bühnentechniker und Theatermaler der Kunst zwischen 1969 und 1977 schrittweise näher. Ein dreijähriges Studium der Theaterplastik an der Fachschulabteilung der HfBK Dresden qualifiziert ihn für eine freischaffende Tätigkeit als Bildhauer, die zeitweilig durch Mitarbeit an denkmalpflegerischen Aufgaben wirtschaftlich abgefedert wird.

Kennzeichnend ist schon in frühen Arbeiten, die den Einfluss von Freund und Frei-Luft-Atelier-Nachbar Peter Makolies fallweise nicht verleugnen, sein Streben nach bildhauerischer Perfektion. Gunter Ziller charakterisierte das 2002 sehr schön: "Seine Skulpturen sind plastische Konzentrate von Natur, in denen das Naturprodukt Stein mit dem Naturprodukt menschlicher Aktion verschmilzt. Sie sind Evolution statt Revolution, wie wir nicht nur von Freud, sondern auch von Darwin kommen." In dieser Evolution hatte der Künstler längst seinen Eigenstand gefunden. Während der 90er Jahre aber vollzieht sich aus meiner Sicht gleichwohl Revolutionäres: Beck zerbricht, zerschlägt, zerschneidet Ganzformen, natürlich absichtsvoll, und setzt sie collagehaft zu "Segmentfiguren" äußerst beeindruckend zusammen ("Schwarze Witwe", Schiefer, 1998; "Winterstein", Selbstbildnis, Marmor, 2002; "Segmentbüste", Serpentin, 2000). Indem er gelegentlich Steine in Bronze abgießt, verschleiert er raffiniert den Entstehungsprozess. Eine "Große Stehende" dieser Art ist eben noch in einer vorzüglichen Ausstellung des Künstlerbundes Dresden in der Albrechtsburg Meißen zu sehen gewesen.

So ein Mann ist der Richtige für junge Leute. Hier wird nicht zärtlich etwas Gips betröpfelt, es geht auf den Stein los - was weg ist, brummt nicht mehr! Das erzwingt einmal den Mut zur kräftigen Aktion, aber auch die Überlegung, was dem Stein angemessen und aus ihm zu holen sei. Natürlich erfordert das den guten Pädagogen, der seine Schüler für voll nimmt, aber auch behutsam zu führen weiß.

Die Präsentation "Plastisches Gestalten + Skulptur" als Auswahl verschiedener Jahrgänge belegt das. An dem einwöchigen Workshop, dem stets ein Grundkurs "Plastische Übungen" vorausgegangen war, nahmen folgende Studenten und der Lehrstuhlinhaber Prof. Dr.-Ing. Fritsche teil, die auch die Werkschau bestreiten: Karl Altenfrohne, Michael Hohl, Thomas Kannenberg, Christine Killing, Falko Klotz, Uwe Knuschke, Hartmut Kutschale, Christian Laubschat, Heiko Mayer, Ralf Naumburger, Magdalena Olesky, Samuel Schöne, Corinna Schwarz, Henry Stein, Michael Strobelt und Elisaveta Vassilewa. Alle Skulpturen sind aus Sandstein gefertigt und tragen größtenteils Titel, die den Resultaten der Gestaltungsabsichten eine gewisse Nachprüfbarkeit geben, wie z. B. "Genesis" von Falko Klotz, "Atem" von Hartmut Kutschale, "Keilerei" von Christine Kölling sowie "Kain" und "Abel" der Kommilitonen Thomas Kannenberg und Christian Laubschat.

Auch unter den durch Personalabbau und Stellensplitting längst krass erschwerten Bedingungen versucht das Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung, der reichlich verdoppelten Studentenschaft für Grund- und Hauptstudium mit dem Engagement der eigenen Mitarbeiter und dem Idealismus der freien Künstler, die fallweise für einen Gotteslohn arbeiten, weiterhin ein differenziertes bildnerisches Kreativangebot zu offerieren, gleichwie die gesamte Fakultät mit den Studiengängen Architektur und Landschaftsarchitektur unbeirrt von Bologneser Kurzschlüssen am Studienende ein Diplom erteilt.

Ausstellung bis 9. November, Haus der Architekten, Goetheallee 37, Mo-Fr 9 bis 16 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.10.2012

Jürgen Schieferdecker

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