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Arbeit für Geflüchtete – oft erst einmal nur fürs Gemeinwohl

Asyl Arbeit für Geflüchtete – oft erst einmal nur fürs Gemeinwohl

Arif und seine Kollegen stehen in ihren gelben und orangfarbenen Warnwesten bei zwei Grad auf dem Grünstreifen an der Pirnaer Landstraße. Der Wind pfeift frostig vom Baggersee herüber. Seit 7.45 Uhr befreien fünfzehn Eritreer, Afghanen und Libyer ein weiteres Areal in Leuben von Gestrüpp und Abfall.

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Unter der Anleitung des Vereins Striesen Pentacon lernen die Flüchtlinge Arbeitsabläufe kennen und auch Geräte wie die Motorsense zu bedienen.

Dresden.  Arif und seine Kollegen stehen in ihren gelben und orangfarbenen Warnwesten bei zwei Grad auf dem Grünstreifen an der Pirnaer Landstraße. Der Wind pfeift frostig vom Baggersee herüber. Seit 7.45 Uhr befreien fünfzehn Eritreer, Afghanen und Libyer ein weiteres Areal in Leuben von Gestrüpp und Abfall.

„Ich arbeite gerne hier“, sagt der 19-jährige Arif aus Kabul. Er nimmt seit November an dem Projekt teil, auf das ihn ein Sozialarbeiter im Flüchtlingsheim aufmerksam machte. „Zu viel schlafen ist nicht gut. Hier lerne ich Deutsch und finde neue Freunde“, sagt der 19-jährige Afghane.

„Wenn Sie wüssten, was die Autofahrer hier beim Vorbeifahren aus dem Fenster werfen“, erklärt Arndt Mende von der „Gemeinnützigen Gesellschaft Striesen Pentacon e.V.“ den Grund des Arbeitseinsatzes. Er ist der Chef der bunt zusammengewürfelten Truppe. Der Verein ist als Träger, zusammen mit dem Sozialamt, für die Arbeitseinsätze der Flüchtlinge und deren Bezahlung verantwortlich. „Was das Grünflächenamt der Stadt nicht bearbeitet, fällt an uns“, beschreibt Mende den für Asylbewerber möglichen Arbeitsbereich. Nach § 5 Asylbewerberleistungsgesetz dürfen Flüchtlinge – egal ob mit oder ohne Aufenthaltstitel – nur dann eingesetzt werden, wenn niemand sonst die Arbeiten verrichten kann oder will. Deswegen muss Mende die Einsätze vorab mit Stadt und Ortsamt abklären.

Für die Flüchtlinge unter dem Kommando des 53-Jährigen heißt das: Müllsammeln auf den Elbwiesen, Geländer am Moränenende erneuern, Schneeschippen vor dem Ortsamt, Fußgängerwege streuen, Unterholz beseitigen. Für diese Aufgaben habe die Stadt weder Geld noch Leute, so Mende.

„Der Chef ist ein very good man, sehr nett“, bekräftigt Arif. Und wer zuschaut, weriß, warum: Der 53-Jährige erklärt jedem Anfänger geduldig die Funktion sowie Sicherheitsbestimmungen der Elektrosensen oder Rasenmäher. Die Flüchtlinge fangen meist gänzlich ohne Vorwissen über die Arbeitsvorgänge und mit minimalen Deutschkenntnissen bei Arndt Mende an.

Zuerst werden vor allem Vokabeln gepaukt. Ständig fragen die Männer nach, wie jedes einzelne der Werkzeuge heißt, so Mende. Deshalb sei sein Deutschunterricht auch nah an der Arbeitswelt. „Ich möchte ja nicht, dass ich nach einer Schaufel frage und einen Besen bekomme“, scherzt der Chef.

Laut Gesetz bekommen die Flüchtlinge für diese Arbeit einen Euro und fünf Cent pro Stunde – das ist nicht viel, zumal sie nicht mehr als 100 Stunden im Monat beschäftigt sein dürfen. Für die maximal 105 Euro erhalten sie einen Lohnschein vom Verein. Den lösen die Asylbewerber dann beim Sozialamt ein. Dass viele sich Hoffnung gemacht haben auf gute Jobs mit halbwegs guter Bezahlung, um Geld nach Hause schicken zu können, hört auch Mende immer wieder.

Dieses Jahr stehen hier insgesamt 500 solcher Arbeitsgelegenheiten zur Verfügung. Doch von den knapp 100 000 möglichen Stunden wurden laut Presseamt in den ersten beiden Monaten des Jahres nur 7800 abgeleistet. Wie viele Flüchtlinge mitmachen oder wie lange sie dabei bleiben, das, so hieß es auf DNN-Anfrage aus dem Rathaus, werde nicht statistisch erfasst.

„Ein kostenloses Monatsticket und mehr Werbung in den Flüchtlingsunterkünften können hier viel bewirken“, nennt Mende zwei Aspekte, an denen es seiner Ansicht nach hapert. „Ich gehe oft selbst in die Heime und sage den Leuten dort Bescheid“, berichtet auch der stellvertretende Geschäftsführer vom Striesen Pentacon e.V., Reinhard Rödig. Von dem zusätzlichen Geld würden sich die wenigsten Asylbewerber eine Monatskarte leisten. Früh am Morgen gehen sie deshalb kilometerweit zu Fuß zur Arbeit oder fahren mit dem Rad. Hierin sieht Rödig, neben der Bezahlung, das Hauptproblem der bescheidenen Resonanz.

Nach knapp zwei Stunden ist der zehn Kubikmeter große Baucontainer voll. Mende, Arif und anderen albern mit den Werkzeugen herum und ziehen zum nächsten Einsatz weiter. Immerhin: Die Bevölkerung von Leuben nehme die Arbeit zur Verschönerung ihres Viertel gut an – es komme so gut wie nie zu irgendwelchen böswilligen Kommentaren, bestätigen Rödig und Mende.

Von Paul Felix Michaelis

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