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Appell: Ruf aus Dresden nicht Pegida überlassen

Appell: Ruf aus Dresden nicht Pegida überlassen

Helga Färber hat im Oktober zwei Pegida-Veranstaltungen miterlebt. "Die Atmosphäre, die Parolen, das Geschrei der Redner, die Agressivität haben mich irritiert, geängstigt und empört", erzählt sie uns.

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Helga Färber ist eine der Verfasserinnen des Aufrufes "Dresden, besinne Dich! Dresden, empöre Dich!". Foto: Norbert Neumann

Quelle: Norbert Neumann

Dresden. Helga Färber hat im Oktober zwei Pegida-Veranstaltungen miterlebt. "Die Atmosphäre, die Parolen, das Geschrei der Redner, die Agressivität haben mich irritiert, geängstigt und empört", erzählt sie uns. Dass Dresden als Aufmarschplatz für Anhänger aus dem gesamten Bundesgebiet missbraucht wird, erfülle sie mit Sorge.

"Und als Dresdnerin schäme mich ehrlich gesagt dafür, in welch schlechtem Licht unsere Stadt dadurch überall erscheint", so Helga Färber. "Denn auf der anderen Seite stehen nicht nur die im Verhältnis kleinen Gruppen, die in Gegendemonstrationen auf die Straße gehen, sondern Tausende, die wenig spektakulär in den Flüchtlingslagern, in Vereinen, in den Kirchgemeinden - und wo sonst auch immer - helfen."

Dresden, besinne Dich! Dresden, empöre Dich!

Von der Bergpredigt über Sankt Martin, der seinen Mantel teilt, über Albert Schweitzers Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben bis hin zu Mutter Teresa:
Wir stehen in einer ethischen Tradition, die uns anleitet, Mitmenschen zu respektieren, Notleidenden und Schwächeren zu helfen, anderen so zu begegnen, wie wir wünschen, dass uns begegnet wird.
An diesen Werten und Idealen sollten wir die Parolen von Pegida messen, die gegenüber Flüchtlingen und missliebigen Politikern menschenverachtend, entwürdigend und zynisch sind.
Wir möchten dafür sorgen, dass ein gegenwärtiger „Ruf aus Dresden“ nicht Pegida überlassen bleibt, dass der Ruf unserer Stadt nicht weiter nachhaltig beschädigt wird.
Wir wissen nicht, wann und ob politische Anstrengungen, die Ursachen der Flucht in den Herkunftsländern zu bekämpfen, greifen werden.
Wir wissen nicht, wann und ob es gelingen wird, in Europa ein gerechteres Engagement der einzelnen Staaten für die Flüchtlinge zu realisieren.
Wir wissen aber, dass es unsere Pflicht ist, Kriegsflüchtlingen Asyl und Hilfe zu gewähren.
Wir wissen auch, dass es Grenzen unserer Kapazitäten, unserer Möglichkeiten, unserer Kraft gibt. Um dieses Eingeständnis kommen wir nicht herum. Angesichts der gegenwärtigen Situation sind auch unliebsame politische Maßnahmen erforderlich. Es mag schmerzen, Armutsflüchtlinge ohne Lebensperspektive aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten zurückzuweisen. Doch das muss wohl sein, wenn wir Kriegsflüchtlingen weiterhin Asyl gewähren wollen.
Wir wissen, dass es viele berechtigte Sorgen um die weitere Entwicklung in unserem Land gibt.
Wir wissen, dass zur Lösung der anstehenden Aufgaben folgendes erforderlich ist: klare, auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Vorgaben von Bund und Land die Mithilfe vieler engagierter Bürger Achtung und Respekt gegenüber unseren Gesetzen und unserer Kultur durch die Neuankömmlinge
Dieser wohl größten Herausforderung seit Ende des 2.Weltkrieges müssen wir mit klarem Kopf und Anstand begegnen. Längst nicht alle, die sich von Pegida-Parolen distanzieren, demonstrieren das auf der Straße. Im engagierten Einsatz vieler professioneller und ehrenamtlicher Helfer zeigt sich das wahre Gesicht unserer Stadt.
Lasst uns dafür einstehen, dass unsere „abendländischen“ Traditionen und Grundsätze keine leeren Worte sind.
Halten wir uns die sogenannte Goldene Regel vor Augen:
Behandle Flüchtlinge so, wie Du behandelt werden möchtest, wenn Du einmal fliehen müsstest!

Helga Färber arbeitete bis zum Eintritt ins Rentenalter und ihrer Rückkehr nach Dresden als Kinder- und Jugendpsychologin, leitete in Köln eine Tagesklinik. Jetzt nur ihren Ruhestand zu genießen ist ihr zu wenig. Und so knüpfte sie schon vor Jahren Kontakte zum Ökumenischen Informationszentrum. Bereits seit 2011 unterrichtet sie zwei bis drei Mal pro Woche einzelne irakische Migranten in Deutsch und deutscher Konversation.

Damit auch dieses Dresden stärker wahrgenommen wird, verfasste sie zusammen mit der Dipl.-Päd. Simone Lemmnitz unter der Überschrift "Dresden, besinne Dich! Dresden, empöre Dich!" einen Appell.

In diesem werden die Dresdner aufgerufen, "dieser wohl größten Herausforderung seit Ende des 2. Weltkrieges... mit klarem Kopf und Anstand (zu) begegnen" und für die "abendländischen" Traditionen und Grundsätze einzustehen. "Behandle Flüchtlinge so, wie Du behandelt werden möchtest, wenn Du einmal fliehen müsstest!"

Unterzeichner

Dr. Jutta Adolph, Dr. Georg Bonitz, Heidrun Bonitz, Sabine Brömsel, Dipl. Mus., Prof. Ralf- Carsten Brömsel, Gunther Emmerlich, Dr. Helga Färber, Dr. Juliane Färber, Karin Fickler, Prof. Niels- Christian Fritsche, Prof. L. Güttler, Derek Henderson, Jürgen Hübner, Michael Kanig, Prof. Ursula Krämer, Samuel Kummer, Simone Lemmnitz, Dipl. Päd., Prof. Rainer Lischka, Dirk Lorenz, Dipl. Ing. Arch., Prof. Dr. phil. habil. Dr.h.c. Heinrich Magirius, Pfarrer Ciprian Matefy, Ilge Mirring, Prof. Peter Mirring, Christiane Möller-Brennecke, Prof. Friedemann Pabst, Kristin Pannasch, Prof. Dr. Sebastian Pannasch, Dr. Sabine Pannasch, Manfred Pannasch, Godehard Pünder, Christl Weber-Pünder, Dr. Wolfram Quellmalz, Markus J. Rosenthal, Dipl. Ing. Arch., Prof. Fritz Rost, Renate Rost, Maria Schikora, Doris Söhnen, Prof. Rüdiger Söhnen, Prof. Peter Schreier, Christina Straßburger, Pfarrer Laurenz Tamme, Dr.-Ing. Eh Uwe Thomas, Prof. Doris Titze, Thekla Twietmeyer, Josef Ullrich, Susanne Worms, Prof. Udo Zimmermann, Saskia Zimmermann, Prof. Ingo Zimmermann, Almut Zirr

Helga Färber und Simone Lemmnitz verschickten diesen Appell per E-Mail bzw. per Post an Freunde, Bekannte und namhafte Persönlichkeiten mit der Bitte um Unterstützung. "Unsere Absicht ist, diesem schlechten Dresden-Bild in der Öffentlichkeit etwas entgegenzusetzen."

Bis gestern gab es 50 Unterzeichner bzw. positive Rückmeldungen. Darunter von Gunther Emmerlich, Peter Schreier und Ingo Zimmermann.

Direkt an die DNN schrieb Uwe Thomas, Landesminister a.D und Staatssekretär der Bundesregierung a.D.: "Als alter Dresdner, der vor vielen Jahren dort zur Schule und zur Technischen Universität ging, bevor er selbst zum Flüchtling wurde, würde ich mich gern mit meiner Unterschrift dem Aufruf anschließen. Dresden ist und bleibt meine Heimatstadt, deren Bild durch Pegida verzerrt wird."

Catrin Steinbach

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