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Antworten auf die Papst-Umfrage zu Familie aus dem Bistum Dresden-Meißen

Antworten auf die Papst-Umfrage zu Familie aus dem Bistum Dresden-Meißen

In punkto Ehe, Familie und Sexualität wächst die Kluft zwischen den Prinzipien der katholischen Kirche und den Gläubigen. Auch im Bistum Dresden-Meißen. Dies zeigen Antworten auf eine Umfrage des Vatikans.

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Papst Franziskus

Quelle: Archiv

Wer hat auf den Fragebogen geantwortet?

80 Antworten gingen aus dem Bistum Dresden-Meißen mit seinen rund 141000 Katholiken (3 Prozent der Bevölkerung) ein. Meistens von Einzelpersonen und Ehepaaren. Manche antworteten jedoch als Gruppe, etwa Pfarrgemeinderäte, Familien-, Seniorenkreise. Zudem Kindergärten, Grundschulen, die Caritas sowie die Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Wonach wurde gefragt?

Wichtigster der drei Fragenkomplexe, der mit den meisten Antworten, waren Gläubige "in schwierigen Ehesituationen". Gefragt worden war da etwa nach dem Zusammenleben "ad experimentum" (also "auf Probe", vor der Ehe), nach Lebensgemeinschaften ohne religiöse oder zivile Anerkennung, Situation getrennt Lebender und wiederverheirateter Geschiedener. Ferner zur Weitergabe des Glaubens in der Familie und zur Erziehung von Kindern in "irregulären Ehesituationen".

Wie verstehen Katholiken die Ehe?

Ehe gilt als Sakrament, mithin als unauflöslich. Als "reguläres" Zusammenleben gilt nur das in der Ehe mit kirchlichem Segen. "Irreguläre" Situationen sind alle anderen, also zum Beispiel getrennt Lebende, wiederverheiratete Geschiedene, ohne Trauschein und Segen zusammen Lebende. Trennung und Wiederverheiratung geht daher nur unter einer Voraussetzung: Im Ehenichtigkeitsverfahren (oder auch Eheannullierung) erklärt eine kirchliche Stelle, die Ehe sei nicht zustande gekommen nach katholischem Verständnis, weil wesentliche Voraussetzungen nicht gegeben waren. Wer gegen diese Bestimmung eine neue Ehe eingeht, ist von den Sakramenten (unter anderem der Eucharistie, also dem Abendmahl) ausgeschlossen.

Wie sehen die Befragten Zusammenleben vor der Ehe?

Die meisten nehmen in den Antworten Zusammenleben vor der Ehe als unübersehbare Wirklichkeit wahr. Etwa die Hälfte sprechen sogar von "Regelfall", "Normalfall" oder "weit überwiegender Praxis". Dies träfe nicht nur auf distanzierte Kirchenmitglieder zu, sondern auch auf kirchlich Engagierte. Gewissenskonflikte beim Zusammenleben vor der Ehe hätten junge Paare heute nicht mehr. Erst zu heiraten, wenn die Ausbildung abgeschlossen und die Beziehung als stabil betrachtet wird, sei für sie und auch für die meisten ihrer Eltern normal. Für manche kann "ad experimentum" auch Zusammenleben ohne Trauschein und Segen auf Dauer heißen. Lebensberatungsstellen der Caritas sprechen von 48 Prozent nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Ostdeutschland, 26 Prozent in Westdeutschland.

In Beratungsgesprächen komme im Schnitt auf zwei unverheiratete Paare ein verheiratetes. Angestellte katholischer Einrichtungen fürchteten mitunter arbeitsrechtliche Konsequenzen bei standesamtlicher Wiederverheiratung. Dies sehen sie im Widerspruch zu Barmherzigkeit und Auftrag, Menschen in Not zu unterstützen.

Fühlen sich "irregulär" Lebende ausgegrenzt?

Neun "irregulär" lebende Paare erklärten, sie fühlten sich in ihrer Kirchgemeinde ausgegrenzt. Ihre Empfindungen reichten von Verbitterung und Wut über Schmerz und Trauer bis zur resignierenden Akzeptanz, dass sich die Situation nicht ändern lasse. Außer einer leiden alle darunter, dass sie deswegen von den Sakramenten ausgeschlossen sind. Einige äußern Zweifel, ob dies dem Willen des liebenden und barmherzigen Gottes entspreche. Eine alleinerziehende geschiedene Mutter fand keinen Familienkreis. Manche bleiben nach Trennung allein, um die Unauflöslichkeit der Ehe anzuerkennen. Wiederverheiratete Geschiedene betrachten ihr Verhältnis nicht als "irregulär", sondern leben nach ihrer Ansicht auch in der neuen Beziehung christliche Werte wie Liebe, Treue, Verantwortung.

Wie sehen nicht Betroffene Katholiken die "irregulär" Zusammenlebenden?

Die meisten von ihnen meinen, diese Menschen leiden unter Schuldgefühlen, fühlten sich stigmatisiert und in der Gemeinde isoliert. Die Kirche nehmen sie in dieser Situation nicht als hilfreich wahr. Des öfteren wurde gefragt, weshalb die Sünde der Wiederheirat nach Scheidung nicht vergeben werden könne, andere schweren Untaten aber wohl. Die Kirche solle der Realität ins Auge sehen, dass Ehen trotz allen Bemühens auseinanderbrechen können und dass Betroffenen Wege der Versöhnung und des Neuanfangs ermöglicht werden.

Wie bewertet der Bischof die Ergebnisse?

Bischof Heiner Koch konstatiert in den Antworten große Hoffnungen auf ein gutes Leben in Ehe und Familie, aber auch Angst und Erfahrungen von Scheitern. "Sie haben mir aber auch gezeigt, dass immer weniger Menschen wissen, was das Besondere einer christlichen Ehe ist, was sie bedeutet, woraus sie lebt und welche Verantwortung sie trägt." Ehe sei eine "Berufung Gottes", damit ein "Weg zur Lebenserfüllung". "Hier sehe ich massive Bildungsdefizite." Junge Paare sollten ermutigt werden. "Wir müssen schließlich zu den Menschen und Familien stehen, die auseinandergebrochen sind. Sie gehören zur Kirche dazu."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.02.2014

Tomas Gärtner

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