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Anprobe auch ohne Pferd: Dresdner Sattler für Innovationspreis nominiert

Anprobe auch ohne Pferd: Dresdner Sattler für Innovationspreis nominiert

Eine Dresdner Innovation sorgt im altehrwürdigen Sattlereihandwerk für Furore: Der Sattlermeister Thomas Büttner hat in diesem Jahr ein digitalisiertes Modell zur Anpassung von Pferdesätteln auf den Markt gebracht.

"Tomax" hat der Dresdner seinen patentierten, auf Deutsch etwas sperrig klingenden "Pferderückenabbilder" genannt, der auf Englisch als "Horse Back Simulation Tool" mehr hermacht.

Was für den Laien wie eine Ansammlung von grauen Kleiderständern aussieht, ist für den Experten hochmodernes Handwerkszeug. Denn mit dem Tomax werden zeitraubende Fahrten zu den Pferden vor Ort oft nicht mehr nötig. Mit den üblichen Biegelinealen oder einem Handscanner kann ein geschulter Besitzer den Rücken seines Tieres selbst vermessen und die Daten dann per E-Mail an die Sattlerei schicken. Büttner muss nur die Messdaten in seinen Laptop einspeisen, der mit dem Tomax-Modell verbunden ist, und schon fahren kleine Schrittmotoren die Gelenke des Gestells in Sekundenschnelle und auf den Zehntel Millimeter exakt in eine präzise dreidimensionale Nachbildung des Pferderückens. Anhand dieses Vorbildes wird dann der Sattel gefertigt. Zeitraubende Papp- oder Holzmodelle sind damit passé. Und auch die Vor-Ort-Anproben nach der Fertigung werden dank der Detailgenauigkeit des neuen Modells spürbar weniger. Denn Sattelbaum und Polster ließen sich mit dem Tomax ideal anpassen. "Von 100 Sätteln müssen wir im Schnitt nur noch zehn nachkorrigieren", sagt Thomas Büttner.

Seine Idee von einem vollautomatischen Pferderückenabbilder sei der Globalisierung geschuldet, erklärt der Sattlermeister, der auch schon mal bis nach Mallorca fliegen musste, um am Pferd Maß zu nehmen. Bereits vor vier Jahren trug er sich mit dem Gedanken, hier eine schnellere und auch reproduzierbare Lösung zu finden. Allerdings fehlte dem 50-Jährigen das nötige Kapital, um seinen Prototypen serienreif zu machen. "Ich habe bei der Handwerkskammer kompetente Hilfe gefunden", erinnert sich der Dresdner. Auf deren Anraten bewarb er sich für die "InnoPrämie" bei der Sächsischen Aufbaubank und bekam eine 50-prozentige Förderung. Zwei Jahr dauerte es dann noch bis zur Umsetzung seines Pferde-rückenabbilders.

Heute kann Thomas Büttner eine Sattelanprobe ganz unkompliziert per Videokonferenz und Datentransfer übers Internet erledigen. Seine Erfindung ist sofort auf weltweites Interesse in der Sattlerei gestoßen. In nur wenigen Monaten erreichte Büttners Pferderückensimulator einen Marktanteil von 50 Prozent. Das hat zwei Gründe, wie der Dresdner erklärt. Zum einen seien die Reiter heutzutage anspruchsvoller. Zum anderen gibt es sehr viele schlecht sitzende Sättel. So liege es oft am Sattel, wenn sich ein Tier mit Rückenproblemen plagt. Hier hat Thomas Büttner mit seinem passgenauen System eine Marktnische besetzt.

Nicht nur bei der Fertigung, auch im Anschluss ist es wichtig, einen Sattel regelmäßig zu prüfen und nachzujustieren. Gerade junge Reittiere verändern sich in den ersten sieben Jahren sehr stark, legen an Schulterhöhe und Muskulatur zu. "Dementsprechend muss der Sattel jährlich geprüft und immer wieder angepasst werden", erklärt Büttner. Auch später empfiehlt er Reitern, aller zwei bis drei Jahre den Sitz des Sattels kontrollieren zu lassen.

Auf dem 3. Sächsischen Innovationsgipfel in Chemnitz stellt heute Thomas Büttner seine Erfindung vor. Er und elf weitere Unternehmen wurden für den mit insgesamt 50 000 Euro dotierten Innovationspreis nominiert, der heute verliehen werden soll. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Freistaat herausragende Leistungen von sächsischen Unternehmen. Außerdem vergeben die sächsischen Handwerkskammern einen Sonderpreis in Höhe von 5000 Euro.

Reitsport-Fachmarkt und Sattlerei Thomas Büttner, Dresden, Kesselsdorfer Straße 212, Tel.: 0351/438 453 00; Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 - 20 Uhr, Sa 10 - 16 Uhr, www.tom-buettner.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.11.2013

Madeleine Arndt

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