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Angst vor der Eskalation: Die Dresdner Muslimin Sara Tayel fürchtet gewalttätige Pegida-Mitläufer

Angst vor der Eskalation: Die Dresdner Muslimin Sara Tayel fürchtet gewalttätige Pegida-Mitläufer

Sara Tayel hat sich gezielt für Dresden entschieden, obwohl sie auch Angebote aus München oder Heidelberg hatte. Die Entscheidung ist der Wissenschaftlerin, die in Makrobiologie promoviert, nicht schwer gefallen.

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Quelle: dpa

Vor allem zwei Gründe gaben den Ausschlag: „Die Forschungsinstitute haben eine gute Reputation und die Stadt ist lebenswert und bezahlbar“, sagt sie. 2009, in dem Jahr in dem ihre Landsfrau Marwa El-Sherbini getötet wurde, besuchte die Ägypterin zum ersten Mal Dresden. „Mir hat es hier gleich sehr gut gefallen. Ich wollte unbedingt zurückkehren“, sagt die 27-Jährige.

Obwohl der Tod von Marwa El-Sherbini die Muslimin äußerst betroffen machte, ließ sie sich davon nicht abhalten. „Viele Freunde und Bekannte haben gesagt, dass ich nicht gehen sollte, aber ich wollte meine eigenen Erfahrungen machen“, erklärt Tayel. Und die sind bisher durchweg positiv.

Jemand sagt „Scheiße Scharia“ „Bis auf zwei Vorfälle, wo jemand ‚Scheiße Scharia’ und ‚I hate Allah’ gesagt hat, ist eigentlich nichts Schlimmes passiert.“ Auch die Pegida-Demonstrationen sieht sie bisher gelassen. „Die Demonstrationen machen mir nichts aus, aber sie könnten Menschen, die sich bisher nicht getraut haben, etwas gegen den Islam und Ausländer zu sagen, ermutigen mitzumachen. Manche werden so erst auf Ideen gebracht, die vielleicht unterbewusst in ihnen schlummern. Auch Gewalttaten werden so wahrscheinlicher“, denkt Tayel.

Damit es nicht soweit kommt, hält die Wissenschaftlerin Aufklärung für das Gebot der Stunde. „Ich war dieses Jahr beim Tag der offenen Tür in unserer Moschee unweit des Straßburger Platzes. Dort haben sich viele Bürger Vorträge über den Islam angehört und an Gebeten teilgenommen.“ Man könne beobachten, dass Menschen, die etwas über den Islam wissen, eine deutlich tolerantere Einstellung hätten, so Tayel. Auch öffentliche Auftritte von Deutschen, die zum Islam konvertiert sind, findet die 27-Jährige hilfreich.

Dennoch stellt sie klar, dass sich niemand bevormundet fühlen sollte. Erscheinungen wie die „Scharia Polizei“, die in Wuppertal versucht hat, die Gesetze des Islam auf deutschem Boden durchzusetzen, indem sie z.B. Discobesucher vom Alkoholkonsum abhielt, lehnt Tayel ab. „In Deutschland gelten deutsche Gesetze und nichts anderes. Es ist falsch, den Leuten einen Lebensstil aufzuzwingen“, sagt sie entschlossen. Ihrer Auffassung nach verstoße diese Vorstellung auch gegen den Islam, weil sich jemand aus freien Stücken an die Regeln halten müsse, so die 27-Jährige. Trotzdem kann sie auch abseits dieser prominenten Phänomene nachvollziehen, dass Menschen manchmal Angst vor dem Fremden haben. „In Ägypten gibt es zur Zeit viele Flüchtlinge aus Syrien. Auch sie werden nicht alle herzlich empfangen“, so Tayel. Allerdings gebe es keine Demonstrationen gegen sie, betont die Wissenschaftlerin. Da man die Pegida-Demonstrationen in Dresden jedoch nicht einfach ignorieren könne, halte sie die zivilgesellschaftlichen Gegendemonstrationen für ein wichtiges Zeichen.

Zu wenig Gegendemonstranten „Es gibt da aber noch Potenzial. Laut Statistiken sind etwa 13 Prozent der Menschen hier intolerant. Daher dürften es eigentlich 87 Prozent nicht sein. Ich würde mir wünschen, dass den Pegida-Demonstranten deutlich mehr Gegen-demonstranten gegenüberstehen“, so Tayel.

In ihrem täglichen Leben merkt sie jedenfalls, dass es in Dresden ein großes Reservoir an weltoffenen Menschen gibt. „Ich habe neulich Möbel im Internet bestellt und der Verkäufer hat die Schränke, obwohl er das nicht musste, persönlich vorbeigebracht. Es sagte, dass er etwas gegen das schlechte Ansehen der Deutschen tun möchte.“ Diese Einstellung habe ihr Mut gemacht, freut sich Tayel.

STH

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