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Anders, nicht schlechter: Sachsen will Behinderte besser in den Arbeitsmarkt integrieren

Anders, nicht schlechter: Sachsen will Behinderte besser in den Arbeitsmarkt integrieren

325 000 Schwerbehinderte leben in Sachsen, knapp 11 000 von ihnen sind - oft trotz guter Qualifikation - ohne Erwerb. Für viele ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nach wie vor nicht selbstverständlich.

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Die gehörlose Anja Keller (re) im Gespräch mit Jutta Cordt von der Arbeitsagentur Sachsen (li), Sozialministerin Christine Clauß (mi) und F&G-Chef Steffen Ruhtz.

Quelle: D. Flechtner

Dresden . Die Arnsdorfer Firma F&G Normteile Dresden GmbH beschäftigt überdurchschnittlich viele behinderte Arbeitnehmer. Sozialministerin Christine Clauß (CDU) würdigte gestern den Vorbildcharakter des Unternehmens und warb für mehr Aufgeschlossenheit bei Arbeitgebern.

Von Jane Jannke

Selbstbewusst steht Anja Keller an ihrer Stanzmaschine. Seit September arbeitet die 35-Jährige bei der F&G Normteile Dresden GmbH in Arnsdorf. Dass sie behindert ist, sieht man ihr nicht an. Den Medienrummel um ihre Person meistert sie souverän und gelassen. Erst im Gespräch wird deutlich: Anja Keller ist gehörlos, benötigt zur Verständigung die Hilfe von Gebärdendolmetscherin Ramona Nitzsche. Über diesen Umweg berichtet sie von Vorurteilen und Berührungsängsten. Die seien nach wie vor an der Tagesordnung.

"Oft heißt es, Behinderte seien zwangsläufig nicht leistungsfähig", bestätigt F&G-Geschäftsführer Steffen Ruhtz. Das Gegenteil findet Ruhtz seit vielen Jahren tagtäglich bestätigt: "Behinderte sind oft hoch motiviert, gut qualifiziert und können genauso viel leisten wie ein gesunder Mensch, wenn man sie gemessen an ihren Fähigkeiten einsetzt."

Elf der 110 Mitarbeiter bei F&G haben ein Handicap: Sie haben Gehörschäden, sind gehbehindert oder nach Unfall oder Krankheit eingeschränkt. Lediglich fünf bis sechs wären laut Gesetz Pflicht. Dass das Unternehmen dennoch doppelt so vielen Behinderten eine Chance gibt, hat wenig mit Moral, sondern vielmehr mit ausgesprochen unternehmerischen Motiven zu tun, sagt Steffen Ruhtz "Wir brauchen Leute, die die anfallenden Arbeiten erledigen können. Behinderte übernehmen dieselbe Verantwortung wie jeder gesunde Arbeitnehmer auch."

Mit dieser Einstellung nimmt der mittelständische Metallteilezulieferer durchaus eine Sonderrolle ein. Im Schnitt liegt die Behindertenquote in Sachsens Unternehmen bei lediglich 3,9 statt den geforderten fünf Prozent. Nach wie vor zahlen Arbeitgeber lieber in den Ausgleichstopf, als Menschen mit Handicap eine Perspektive zu bieten und lassen damit auch Arbeitskräftepotenzial ungenutzt.

Diese Praxis zeige, dass die Barrieren in den Köpfen längst nicht niedergerissen seien, konstatierte Sachsens Sozialministerin Christine Clauß bei ihrem gestrigen Besuch in Arnsdorf.

Dies zu ändern hat sich die 2010 unter Clauß' Federführung gegründete Allianz Mensch & Behinderung auf die Fahnen geschrieben. In dem Fachgremium sitzen insgesamt 21 Partner - darunter Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, der Industrie- und Handelskammern sowie von Arbeitnehmer- und -geberverbänden gemeinsam mit Betroffenen an einem Tisch. Das Ziel: die Umsetzung der 2006 verabschiedeten UN-Behindertenrechtskonvention. "Menschen mit Behinderungen gehören in die Mitte der Gesellschaft", stellte Clauß klar.

Inklusion heißt das Wort der Stunde. Hierfür brauche es eine bessere Vernetzung der verschiedenen Dienste wie etwa der Agentur für Arbeit, der Integrationsbeauftragten und der Unternehmen, betonte Jutta Cordt, Chefin der sächsischen Arbeitsagentur. Ziel sei es, Vorurteile abzubauen und noch mehr Anreize für Arbeitgeber zu schaffen, Behinderte einzustellen.

Bereits jetzt wird die Schaffung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes mit Zuschüssen von bis zu 70 Prozent des Monatseinkommens über bis zu 96 Monate belohnt. 4,5 Millionen Euro stellt die Bundesregierung im Rahmen der Initiative Inklusion für die Behindertenförderung bereit.

Anja Keller gehört zu denen, die Glück hatten. Ihre Stelle bekam sie durch den Tipp eines Freundes, der auch bei F&G arbeitet. Die neu gewonnene Selbstständigkeit macht der Mutter zweier gehörloser Kinder Mut. Ihre Familie kann sie nun selbst versorgen - dank eines Arbeitgebers, der sich nicht von Vorurteilen, sondern von erbrachter Leistung leiten lässt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2011

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