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"Anders ist nicht schlecht": Ägypter, Herzchirurg und seit zehn Jahren Dresdner

"Anders ist nicht schlecht": Ägypter, Herzchirurg und seit zehn Jahren Dresdner

"Erst war ich traurig, dann sauer, jetzt habe ich wirkliche Bedenken". Sorgenvoll blickt Dr. Tamer Ghazy, seit 2012 Kardiochirurg am Herzzentrum Dresden, auf die Pegida-Bewegung und vor allem auf das Ergebnis der von ihr unterstützten OB-Kandidatin.

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Seit 2005 lebt Dr. Tamer Ghazy in Dresden, seit 2012 ist er Kardiochirurg am Herzzentrum.

Quelle: Anja Schneider

9,6 Prozent der Stimmen konnte Tatjana Festerling am 7. Juni auf sich vereinen. Für den 36-Jährigen war Dresden immer ein guter Platz zum Leben und Lernen. Jetzt mehren sich die Zweifel.

Als Medizinstudent kam der Ägypter 2000 erstmals für einen Austauschmonat nach Dresden. Nicht ganz freiwillig, wie er zugibt. "Ich wollte nach Berlin, wurde aber in Dresden angenommen. Ich wusste gar nicht, wo das liegt und habe ein Riesen-Theater gemacht. Genutzt hat es nichts, zum Glück!", erinnert sich Dr. Ghazy. Schnell war er fasziniert von den Farben im Stadtbild, von den vielen grünen Flecken in der Stadt, von der Präzision der Deutschen und vor allem vom Niveau und der funktionellen Organisation im Herzzentrum.

2005 kam er schließlich wieder, um seine Facharztausbildung am Herzzentrum zu absolvieren. Zwei Jahre Sprachunterricht am Goethe-Institut lagen da bereits hinter ihm. Denn die Sprache zu kennen, bevor man in ein anderes Land geht, sei das Wichtigste. Integration, sagt er, sei nicht schwierig. Man müsse nur verstehen, dass es verschiedene Lebensstile gibt, die trotz unterschiedlicher Wertesysteme funktionieren. "Integration verlangt von beiden Seiten zu akzeptieren, dass anders nicht schlecht ist", sagt der Herzchirurg.

Probleme wegen seiner Herkunft hat er in Dresden nie gehabt. "Aber ich kenne einige Geschichten von Kollegen", fügt er hinzu. Dr. Ghazy ist der Sprecher aller Assistenzärzte am Herzzentrum und damit Ansprechpartner bei Problemen. Die 602 Mitarbeiter stammen aus 16 Nationen, neben Ägypten beispielsweise aus Argentinien, Aserbaidschan, China, Finnland, Griechenland, Kroatien und Polen. Einige Kollegen seien auf der Straße angespuckt worden, beleidigt, geschlagen. "Es passiert einiges. Und die Beleidigungen treffen auch die Kinder im Schulalltag. Wenn Achtjährige so miteinander reden, dann haben wir ein Problem. Mir tun die Kollegen leid, die nicht so denken. Denn sie fühlen sich schuldig."

Dabei sei das Problem nicht allein Pegida, sondern gehe tiefer. "Deutschland ist ein Magnet, und damit ein Einwanderungsland. Um wirklich groß zu werden, braucht das Land Einwanderung. Die Frage ist, ob Deutschland dafür bereit ist, mit allen Konsequenzen: anderen Menschen, anderen Kulturen und Sprachen", sagt Dr. Ghazy. Auch er als gläubiger Muslim habe Angst vor fanatischen Islamisten und findet es verständlich, dass man so etwas hier nicht haben möchte. "Fanatismus macht mich wütend. Ich frage mich, wer von uns versteht die Religion falsch? Bin ich die Ausnahme? Es wäre Aufgabe von Religionswissenschaftlern, das zu klären."

Trotz aller Zweifel, seine Faszination von Deutschland möchte sich Dr. Tamer Ghazy nicht nehmen lassen: "Ich finde es toll, was ihr hier in kurzer Zeit geschafft habt und ich bin stolz, hier zu sein."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.06.2015

Christin Grödel

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