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An der Dresdner Staatsoperette erlebt das Musical "Der Zauberer von Oz" seine Dresdner Erstaufführung

An der Dresdner Staatsoperette erlebt das Musical "Der Zauberer von Oz" seine Dresdner Erstaufführung

Ein wilder Sturm fegt durch die Staatsoperette Dresden. Die träumerische Dorothy wird hochgewirbelt, hoch, bis über den Regenbogen geht die Abenteuerreise, auf der sie die Vogelscheuche, der Blechmann, der Löwe und Toto der Hund begleiten.

Am Freitag ist es so weit.

Die Abenteuerreise führt das Quintett in die Smaragdenstadt, hier herrscht der Zauberer von Oz. Wie es weitergeht mit Dorothy und ihren Begleitern, welche Abenteuer sie zu bestehen haben, vor allem was sie erleben, wenn sie wieder zurückkommen, wird nicht verraten.

Es lohnt bestimmt, sich auf den Weg zu machen nach Altleuben, denn jetzt gibt es erstmals in Dresden das Musical "Der Zauberer von Oz" zu erleben, das der Berühmtheit seiner Filmvorlage von 1939 nicht nachsteht und dessen Supersong auch bekannt sein dürfte, wenn man weder Stück noch Film gesehen hat. Wer auf sich hält in der Branche, hat ihn gesungen, "Somewhere over the Rainbow", Judy Garland in der Originalversion im Film, Barbra Streisand oder gänzlich eigen Nina Hagen und sogar in einer Technovariante Marusha.

Erstmals führt Arne Böge Regie an der Dresdner Staatsoperette, seit Beginn letzter Saison im Engagement als Spielleiter mit Regieverpflichtung. Wenige Tage vor der Premiere treffen wir uns kurz in einer Arbeitspause.

Für den jungen Regisseur kommen mit dieser Arbeit etliche Dinge zusammen. Natürlich kennt er das Stück schon lange, die Thematik ist ihm vertraut, denn mit den Büchern ist er groß geworden. Aber eben nicht nur, darauf legt er Wert als "Wessi", mit dem amerikanischen Original des Kinderbuchs von L. Frank Baum, sondern auch mit der in der DDR bekannten Fassung von Alexander Wolkow "Der Zauberer der Smaragdenstadt" samt Folgen, mit denen ihn eine Tante aus Halle an der Saale versorgte. Und dieses Stück, so Böge, ist gut für die Staatsoperette, genau richtig, um den Besucherkreis zu erweitern, es spricht Kinder ebenso an wie Erwachsene, Eltern und Großeltern, ideal für die ganze Familie.

Es ist ein Stück über Freundschaft, darüber, wie sich Freunde helfen, auf heitere Weise werden ernsthafte Konflikte behandelt. Fantastische und dabei doch ganz lebensnahe Figuren wie die Vogelscheuche, der Löwe und der Blechmann stellen sich in Frage, sie glauben, dass es ihnen an Verstand, Mut oder Herz fehle, aber gemeinsam können sie ihre Ängste überwinden, zu sich und zueinander finden und den Reichtum dessen, was sie haben, schätzen lernen. Man könne es auch, so der Regisseur Arne Böge, im religiösen Kontext sehen, was hier unterhaltsam verhandelt wird, es gehe um Glaube, Liebe und Hoffnung.

Und für die Inszenierung besteht die Herausforderung darin, den Situationen einer solchen Geschichte gerecht zu werden, also dem Publikum, gleich welcher Altersklasse, zu vermitteln, dass hier im Spiel des Theaters Dinge verhandelt werden, die uns betreffen. Das Stück ist für den Regisseur auch so etwas wie ein sehr großes Märchen mit vielen Facetten. Und Märchen erzielen ihre Wirkung doch am überzeugendsten aus einer großen Zuneigung heraus, die gilt dem Stoff und vor allem den Menschen gegenüber, denen man sie erzählt.

Und um ein solches Zaubermärchen zeitgemäß zu erzählen, wird an der Dresdner Staatsoperette nicht gespart. Fast 400 Kostüme für 80 Mitwirkende auf der Bühne, groß besetzt mit 50 Musikern des Orchesters unter der Leitung von Peter Christian Feigel. Hendrik Scheel konnte erstmals als Ausstatter verpflichtet werden, und nach dem Erfolg von "Kiss me, Kate" darf man sich auf eine erneute Arbeit des Choreografen Christopher Tölle freuen.

Olivia Delauré und Jeannette Oswald alternieren als Dorothy, Dietrich Seydlitz ist als Zauberer von Oz zu erleben und der Tänzer Henryk Wolf als Toto, der Hund. Dazu so gut wie das gesamte Ensemble der Staatsoperette, Chor, Orchester und Ballett. Mit diesen Menschen und allen zu arbeiten, die in Werkstätten, an Licht- und Tonpulten oder in den unterschiedlichen Bereichen der Technik und des Theaters mitspielen, ist ein Geschenk für Arne Böge.

Als Vierjährigen hielt es den gebürtigen Hamburger beim ersten Theaterbesuch nicht auf dem Sessel. Er kletterte auf die Bühne und wollte unbedingt sehen, was hinterm Vorhang passiert. Es ließ ihn nicht mehr los, bald spielte er selber Theater in der Schule, und dann war er es, der andere dazu brachte, Theater zu spielen. Besonders eindrücklich sind die Erinnerungen an Theaterprojekte als Zivildienstleistender für Menschen mit Behinderungen. Es folgten Praktika und Hospitanzen, folgerichtig das Studium von 1998 bis 2002. Arne Böge wählte die Bayerische Theaterakademie August Everding in München. Hier macht der Student mit "Herakles 5" von Heiner Müller schon im zweiten Jahr auf sich aufmerksam und schließt das Studium mit einer Inszenierung der Märchenoper "Hänsel und Gretel" ab. Erste Station für den Regisseur ist das Staatstheater in Oldenburg. Hier lobt die Kritik, wie es ihm gelingt, Eduard Künnekes Operette "Der Vetter aus Dingsda" behutsam in eine "Humoreske auf den Massentourismus" umzumünzen.

Der Weg führt nach Dresden an das Staatsschauspiel, wo er u.a. Thomas Freyers Stück "Separatisten" im Kleinen Haus inszeniert. Dem Regisseur wird bescheinigt, dass er Freyers historisch-politisch korrektem Text, dem es aber an dramaturgischer Korrektheit mitunter mangele, geschickt zu Hilfe eilen konnte. Am Mittelsächsischen Theater inszenierte Böge die Uraufführung von "Adam & Evelyn" nach dem Roman von Ingo Schulze.

Also, Theater, Oper, Operette, alles kommt jetzt zusammen, für die Dresdner Erstaufführung des Musicals "Der Zauberer von Oz" an der Staatsoperette. Die Arbeitspause ist zu Ende. Keine Zeit mehr, über Visionen, Wünsche oder künftige Projekte zu sprechen. Warum auch. Die Gegenwart mit einem Zauberer ist spannend genug.

Premiere am 18.1., 19.30 Uhr, Staatsoperette; weitere Aufführungen: 19./20.1.; 2./ 3.2.

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2013

Boris Michael Gruhl

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