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An Dresdens BSZ werden nur noch schulpflichtige Migranten unterrichtet

Immenser Ansturm An Dresdens BSZ werden nur noch schulpflichtige Migranten unterrichtet

Sachsen erwartet einen immensen Zustrom an unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Um ihnen einen Platz in den Vorbereitungsklassen an den Beruflichen Schulzentren (BSZ) anbieten zu können, sollen nicht mehr schulpflichtige Migranten ab 1. März dort nicht mehr beschult werden.

Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ am Dresdner BSZ für Elektrotechnik.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  330 ausländische junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren, die meisten davon Flüchtlinge, besuchen im Moment die Vorbereitungsklassen an acht Dresdner Beruflichen Schulzentren (BSZ). In einer ersten Etappe sollen sie Deutsch als Zweitsprache lernen, in einer zweiten in die Lehrlingsklassen hineinschnuppern und in der dritten Etappe eine Ausbildung aufnehmen. Doch gelingt das tatsächlich? Und sind die BSZ diesem Ansturm an Asylsuchenden gewachsen? Kaum, sagen Leiter Dresdner BSZ und auch das Kultusministerium sieht sofortigen Handlungsbedarf.

„Die Situation an den BSZ ist angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen nicht mehr tragbar“, erklärt Dirk Reels, Sprecher des Kultusministeriums, auf DNN-Anfrage. Der Freistaat habe seine Aufnahmequote von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Moment erst zu 67 Prozent erfüllt. Sachsenweit mindestens 1150 Kinder und Jugendliche würden noch erwartet. Um die 16- bis 18-jährigen schulpflichtigen Flüchtlinge an den BSZ aufnehmen zu können, will das Kultusministerium bereits ab 1. März junge Migranten, die älter als 18 und damit nicht mehr schulpflichtig sind, bis auf einige Ausnahmen nicht mehr in den BSZ unterrichten. „Die Heterogenität ist enorm: In den Vorbereitungsklassen der BSZ werden vom jugendlichen Analphabeten über Schüler, die in ihrem Heimatland kurz vorm Abitur standen, bis zum nicht mehr schulpflichtigen Flüchtling, der lediglich einen Sprachkurs besuchen möchte, alle unterrichtet“, erklärt Reelfs. Zum Kerngeschäft der BSZ aber würden Sprachkurse nicht gehören. Ab 1. März werde daher zunächst entschieden, ob die über 18-Jährigen über die Arbeitsagentur oder einen anderen Weg einen Deutschkurs machen und auch in Ausbildung und Arbeit gebracht werden können. Minderjährige Flüchtlinge und solche, die einen Ausbildungsbetrieb vorweisen können, würden weiterhin beschult. „Migranten, die das Abi machen wollen, können das schriftlich an einem Kolleg beantragen – in Freiberg, Leipzig oder Breitenbrunn“, so Reelfs. Über die Aufnahme entscheide der Schulleiter.

Eine Umfrage unter Schulleitern über die Situation an Dresdner BSZ ergab folgendes Bild. Bernd Petschke, Leiter des BSZ für Elektrotechnik am Strehlener Platz, hat zwei Vorbereitungsklassen an seiner Schule. „Die gibt es schon seit etwa zehn Jahren hier“, berichtet er. Sie seien ursprünglich für Spätaussiedler eingerichtet worden, die in Größenordnungen nach Deutschland gekommen sind. „Heute sitzen 40 Schüler aus 14 Nationen in den beiden Klassen“, sagt Petschke. Das Gros stamme aus Syrien. Die jungen Flüchtlinge besuchen das BSZ zwei Jahre lang. „Im ersten Jahr haben sie durchweg Deutsch, im zweiten Jahr sollen sie dann hineinschnuppern in ihren künftigen Ausbildungsberuf“, erklärt der Schulleiter. Soweit die Theorie. „In der Praxis haben wir das Phänomen, dass selbst Schüler, die sich nach dem ersten Jahr einigermaßen auf Deutsch verständigen können, in den Berufsschulklassen sang- und klanglos scheitern, weil sie sich in der Fachsprache unterhalten müssen“, hat Petschke beobachtet. Das betreffe Elektroberufe wie Elektroniker, Mechatroniker und Anlagenmonteure. „Nur sehr wenige Asylsuchende schaffen den Sprung in ein duales Ausbildungsverhältnis“, resümiert der Schulleiter. Er, Petschke, sei oft unterwegs, um Unternehmen zu sagen, dass ihre Erwartungen an die Fähigkeiten der jungen Flüchtlinge nicht erfüllt werden könnten. „Es ist einfach unrealistisch anzunehmen, dass die jungen Leute bereits nach zwei Jahren fit für eine Berufsausbildung sind“, meint er. Mindestens fünf Jahre seien dafür nötig. „Alles andere ist realitätsfern“, ist Petschke überzeugt. „Die Schere zwischen dem, was die deutsche Gesellschaft bei der Berufsausbildung fordert, und den Vorstellungen der jungen Migranten davon klafft sehr weit auseinander“, weiß Petschke.

Ähnlich wie am BSZ für Elektrotechnik stellt sich die Situation auch am BSZ für Dienstleistung und Gestaltung dar. 61 junge Migranten besuchen die drei Vorbereitungsklassen. „Es sind überwiegend junge Leute aus Eritrea, aber auch aus nordafrikanischen Ländern, aus Weißrussland und Georgien“, berichtet Schulleiter Eberhard Weigel. Es seien nur ganz wenige Frauen darunter, Minderjährige gar nicht. „Manchmal machen die jungen Leute aber offenbar auch keine korrekten Angaben, was ihr Alter betrifft“, so Weigel. Auch am BSZ für Dienstleistung und Gestaltung lernen alle Flüchtlinge im ersten Jahr Deutsch. „Diejenigen, die am besten sprechen und mitkommen – etwa ein Drittel – werden im zweiten Jahr tageweise in die Berufsschulklassen integriert“, erklärt Weigel. Sie besuchen dann gemeinsam mit den künftigen Friseuren, Gebäudereinigern und Hauswirtschaftern eine Klasse. Einen Berufsabschluss machen sie Weigel zufolge nicht, sondern lediglich einen Sprachabschluss. „Mit diesem Zertifikat können sie sich dann in einem Unternehmen für eine Berufsausbildung bewerben“, erklärt der Pädagoge. Wieviele dieser jungen Leute beginnen dann tatsächlich eine Lehre? „Da haben wir noch keine Erfahrungen, weil es die drei Vorbereitungsklassen an unserer Berufsschule ja erst seit zwei Jahren gibt“, sagt Weigel. Unklar ist auch, was aus den zwei Drittel Jugendlichen wird, die das Zertifikat nicht schaffen, sondern nur eine Bescheinigung über die zweijährige Teilnahme am Deutschunterricht. „Eine Rückkopplung gibt es nicht“, bedauert Weigel. Eins aber kann der Schulleiter mit Sicherheit sagen: „Die meisten dieser jungen Leute sind uns sehr ans Herz gewachsen, sie sind lern- und wissbegieriger als so mancher deutsche Lehrling“, resümiert Weigel.

Von Katrin Richter

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