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Amerikanerin richtet Stiftung für arme Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Dresden ein

Amerikanerin richtet Stiftung für arme Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Dresden ein

Thea Katz hat den Holocaust überlebt. Ihre Eltern nicht. Die 84-jährige US-Amerikanerin richtet eine Stiftung ein - die Kantor Josef und Helene Herzberg-Stiftung.

Mit dem Namen möchte die gebürtige Dresdnerin an ihre Eltern erinnern. Das Geld soll armen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde helfen. Es ist die erste Stiftung einer Jüdin nach dem Zweiten Weltkrieg in Dresden.

Wie fühlte es sich an, von der Mutter abends ins Bett gebracht und gestreichelt zu werden? Was war der Vater für ein Mensch? Wie klang seine Stimme? Thea Katz war acht, als sie ihre Eltern das letzte Mal sah. Zu groß schon, um sich später nicht an sie erinnern zu können. Zu klein, um zu verstehen, was damals passierte.

Das jüdische Mädchen kam 1930 in Dresden zur Welt. Es wuchs gemeinsam mit seinen beiden wesentlich älteren Geschwistern Fanny und Adolf Heinrich an der Ziegelstraße 54 in der Pirnaischen Vorstadt auf. Vater Josef Hillel Herzberg war als Kantor und Fleischbeschauer (Chassan und Meshgiach) in der Jüdischen Gemeinde beschäftigt. Mutter Helene arbeitete als Packerin in der Zigarettenfabrik Lande GmbH.

Um ihre Kinder zu retten, haben die Herzbergs die beiden Mädchen und den Jungen 1938 mit einem Kindertransport nach England geschickt. Sie selbst blieben in Dresden. Vielleicht, weil sie nicht genügend Geld hatten, um auch sich in Sicherheit zu bringen. Darüber ist weder der Jüdischen Gemeinde noch Thea Katz etwas bekannt. Die ehemalige Dresdnerin mag auch nichts über ihr eigenes Leben nach der Flucht nach England erzählen.

Dem Buch der Erinnerung "Juden in Dresden - deportiert, ermordet, verschollen", welches das Schicksal von 2300 Dresdner Juden nachzeichnet, ist Folgendes zu entnehmen: Josef Herzberg war zunächst mehrere Monate im Dresdner Polizeipräsidium inhaftiert, bevor er um den Jahreswechsel 1939/40 herum ins Konzentrationslager Lublin deportiert und dort erschossen wurde. Seine Frau lebte allein weiter und musste ins sogenannte "Judenhaus" an der Sporergasse umziehen und Zwangsarbeit im Pieschener Goehle-Werk, einem Rüstungsbetrieb, leisten. Im November 1942 wurde Helene Herzberg ins berüchtigte "Judenlager Hellerberg" und von da Anfang März 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort kam sie um.

Thea Katz und ihre beiden Geschwister überlebten also die schlimme Zeit. Heute wohnt die betagte Dame in den USA. "Frau Katz hatte sich Anfang 2013 an uns gewandt", entsinnt sich Nora Goldenbogen, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Dresden, an den ersten Kontakt. Damals sei gerade Alexander Nachama als erster jüdischer Gemeinderabbiner nach dem Krieg ins Amt eingeführt worden. "Thea Katz hat offenbar auf diese Weise überhaupt erst erfahren, dass es in Dresden wieder jüdisches Leben gibt", berichtet Goldenbogen. Nach dem Willen der Stifterin sollen nun mit dem Geld - 25 000 Euro - arme Mitglieder der Jüdischen Gemeinde unterstützt werden. "Der eine Teil der Mittel könnte über eine Verbrauchsstiftung für bedürftige Mitglieder ausgegeben werden, der andere in eine größere Stiftung fließen", erklärt Ingolf König, der sich in Dresden um die Stiftung kümmert.

"Wir haben viele sozial Bedürftige in unseren Reihen", sagt Goldenbogen. Das glaube niemand beim Anblick der schönen Synagoge. Doch die Jüdische Gemeinde ist eine Migrationsgemeinde: 1990 gab es 60 Mitglieder, heute sind es 730. "95 Prozent sind Zuwanderer vor allem aus Russland und der Ukraine, zum Teil auch aus Weißrussland und Usbekistan", weiß Goldenbogen. Ganze Familien seien seit Anfang der 1990er Jahre eingewandert. "Wer damals 60 war oder älter, hat hier meist keine Arbeit gefunden, ist heute über 80 Jahre und bekommt nur die Grundsicherung." Diese Menschen hätten Bedarf, was zum Beispiel Zuzahlungen zu Medikamenten angeht, berichtet sie. Die Gemeinde habe eine sehr hohe Fürsorgepflicht.

"Vor 1933 gab es mindestens 20 solcher Stiftungen - für Studenten, für alte und kranke Leute", berichtet Nora Goldenbogen. Das habe auch mit dem jüdischen Prinzip der Wohltätigkeit zu tun, der religiösen und moralischen Pflicht, anderen zu helfen. Die Kantor Josef und Helene Herzberg-Stiftung nimmt diese Tradition nach fast 80 Jahren Unterbrechung wieder auf.

Bankverbindung für Spenden: Kantor Joseph und Helene Herzberg-Stiftung, Commerzbank Dresden, IdNr: DE114103514, IBAN: DE25850400000125552001, BIC: COBADEFFXXX

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.04.2015

Katrin Richter

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