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Ameisenhirn-Rechner: Dresdner Forscher entwickeln Neuro-Computer

Computer denken wie Menschen Ameisenhirn-Rechner: Dresdner Forscher entwickeln Neuro-Computer

„Ameisenhirn-Klasse“ – dahinter verbirgt sich kein Bio-Unterricht mit winzigen Krabbeltier-Hirnen in Formaldehydlösung, sondern eine neue Computer-Generation, die Dresdner Wissenschaftler maßgeblich mitentwickelt haben. Das Innovative: Die Computer denken wie richtige Lebewesen.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Ameisenschutzwarte (DASW) rund 150 Ameisenarten. Das Bild zeigt eine Waldameise beim Schlüpfen aus ihrem Kokon.

Quelle: dpa

Dresden. „Ameisenhirn-Klasse“ – dahinter verbirgt sich kein Bio-Unterricht mit winzigen Krabbeltier-Hirnen in Formaldehydlösung, sondern eine neue Computer-Generation, die Dresdner Wissenschaftler maßgeblich mitentwickelt haben. Das Innovative: Die Computer denken wie richtige Lebewesen und rechnen nicht bloß mit Nullen und Einsen. Dazu bestehen die Geräte nicht wie bisher aus Mikroprozessoren, sondern aus künstlich hergestellten Neuronen und Synapsen.

Irgendwann sollen die Neurorechner die Leistungen eines menschlichen Gehirns erbringen können. Das ist das Ziel des internationalen „Human Brain Projects“ („Projekt menschliches Gehirn“). Momentan jedoch schaffen die hochmodernen Computer „nur“ die Leistung eines Ameisengehirns. Dazu wurden 200.000 Silizium-Neuronen auf einer Silizium-Scheibe (Wafer) durch etwa 50 Millionen Synapsen verbunden. Für einen Rechner analog zum menschlichen Hirn müssten etwa 100 Milliarden künstliche Neuronen vernetzt werden – noch ist das Zukunftsmusik.

Am Mittwoch wollen Forscher der Technischen Universität Dresden (TUD) gemeinsam mit ihren Kollegen aus München, Lausanne, Heidelberg und Manchester mehrere „Ameisenhirn“-Rechner in Betrieb nehmen. Das hat TUD-Professor Christian Mayr angekündigt, dessen Professur für „Hochparallele VLSI-Systeme und Neuromikroelektronik“ am „Human Brain Project“ beteiligt ist. Die Neurocomputer der „Ameisengehirn“-Klasse stehen in Heidelberg und Dresden und können ab April von Wissenschaftlern aus aller Welt für besondere Forschungen genutzt werden. Die Anwendung erfolgt über ein Internet-Portal – die Dresdner bieten damit als erste „Gehirn-Cloud-Computing“ an.

Für blitzartige Analyse von extrem vielen Informationen

Interessant können die gehirnähnlichen Rechner zum Beispiel für Neurobiologen sein, die die Funktionsweise natürlicher Gehirne untersuchen. Informations- und Elektrotechniker könnten mit den Ameisenhirn-Rechnern neuartige Computerkonzepte testen, die nicht wie ein klassischer PC aufgebaut sind. Anders als ein „normaler“ Computer können solche Rechner beispielsweise gleichzeitig Befehle und Daten laden bzw. schreiben oder auf vielen Prozessoren parallel arbeiten. Angewendet werden können solche neuen Konzepte, um komplizierte Verkehrslagen rasend schnell zu analysieren, um den Zugang zu Fußballstadien zu überwachen, für die Lernforschung oder für Wettervorhersagen – eben für unübersichtliche Situationen, bei denen extrem viele Daten in kürzester Zeit verarbeitet werden müssen und die Bauteile gleichzeitig Daten berechnen, austauschen und synchronisieren müssen.

Keine Angst vor künstlicher Intelligenz

Auch wenn die neuronalen Computer noch ein großes Stück vom menschlichen Gehirn entfernt sind: Christian Mayr ist sicher, dass es irgendwann Neurocomputer mit 100 Milliarden vernetzten Neuronen geben wird. „Ich glaube, dass wir in überschaubarer Zukunft einen Rechner mit menschenähnlichen Fähigkeiten konstruieren können“, sagt der 38-jährige Professor.

Sorgen, dass die künstlichen Intelligenzen wie in Science-Fiction-Filmen die Weltherrschaft an sich reißen, müsse sich aber niemand machen. „Wir hoffen zwar, dass solche Systeme außerordentliche Lernfähigkeiten entwickeln. Aber bis jetzt haben wir mit unseren Neurocomputern keine Hinweise darauf gefunden, dass sie etwas Überraschendes tun oder gar ein Eigenleben entwickeln.“

ttr

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