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Am Neumarkt heißt es: Fenster dicht

Am Neumarkt heißt es: Fenster dicht

Die Fensterfronten von Wohnungen am Neumarkt, die zum Kulturpalast zeigen, dürfen keine normalen Fenster haben. Das hat jetzt die Landesdirektion Sachsen (LDS) entschieden und den Widerspruch von Neumarkt-Bauherr Michael Kimmerle gegen die Baugenehmigung der Landeshauptstadt Dresden vom 6. August 2014 verworfen.

Darin war als Auflage enthalten: Die zum Kulturpalast zeigenden Fensterfronten in Kimmerles Quartier VII/2 müssen festverglast sein (DNN berichteten). Grund: Lärmschutz.

Immerhin erzielte Kimmerle laut LDS-Sprecher Ingolf Ulrich einen Teilerfolg: Der Bauherr errichtet in seinem Quartier auch ein Hotel, und dort darf er zu öffnende Fenster einbauen. Allerdings wird das Öffnen der Fenster ausschließlich zu Reinigungszwecken erlaubt.

Ulrich zitiert den Bescheid seiner Behörde: "Als Festverglasung im Bereich Hotelnutzung gelten auch Fenster mit abnehmbarem Fenstergriff. Dabei ist sicherzustellen, dass die Fenstergriffe grundsätzlich abmontiert sind. Sie dürfen nur zum Zwecke der Fensterreinigung oder zur Durchführung von Reparaturarbeiten von eigens hierzu eingewiesenen Fachkräften in der Zeit von 6 bis 22 Uhr angebaut und benutzt werden." Damit kann Kimmerle die Unterhaltskosten für sein Hotel senken. Die Mieter der 19 Wohnungen im Bauvorhaben "Jüdenhof Dresden" indes müssen den Hubwagen rufen, wenn es die Fenster mal wieder nötig haben.

Was wie ein Schildbürgerstreich klingt, entspringt den strengen Lärmschutzverordnungen. Vom Kulturpalast kann nachts Lärm ausgehen, wenn nach Konzerten die Bühnentechnik abgebaut und auf Sattelschlepper verladen wird. Der Lärm überschreitet Grenzwerte. Davor müssen die Anwohner geschützt werden. Wohnungen sind deshalb nur genehmigungsfähig, wenn aktiver Lärmschutz in Form von Festverglasung betrieben wird, so die LDS.

In einem früheren Verfahrensstadium hatte die LDS darüber nachgedacht, das Problem mit einer Baulastsicherung im Baulastenverzeichnis zu lösen (DNN berichteten). Dabei hätten sich - salopp gesprochen - die Wohnungseigentümer verpflichtet, den vom Kulturpalast ausgehenden Lärm zu akzeptieren. Doch das hätte laut Ulrich nur die Eigentümer und nicht die Mieter gebunden. "Die Mieter hätten gegen den von der nächtlichen Nutzung des Kulturpalastes ausgehenden Lärm vorgehen können", begründet der Sprecher den Schwenk der LDS hin zu einer strengen Regelauslegung.

Auch abnehmbare Fenstergriffe seien keine Lösung für die Wohnungen gewesen. Der Eigentümer hätte den Mietern die Benutzung der Fenstergriffe nicht vorschreiben können, so Ulrich. Die Baugenehmigung sei immer an das Grundstück und damit an die Eigentümerschaft gebunden.

Während Kimmerle wenigstens einen Teilerfolg mit seinem Widerspruch erzielen konnte, ist der Bescheid der LDS für weitere Neumarkt-Bauherren, die in ihren Vorhaben ausschließlich Wohnungen errichten wollen, ein Tiefschlag. So zögert die Baywobau noch, einen Kaufvertrag für das benachbarte Quartier VII/1 abzuschließen - wegen der Festverglasung. Zu der "Notgemeinschaft" gehören auch USD und eine zu Kondor Wessels zählende Projektgesellschaft, die im Quartier VI bauen wollen. Letztendlich geht es um die Frage, ob teure Wohnungen in Dresdens nobelster Lage mit vollverglasten Fensterfronten zu vermarkten sind.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.02.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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