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"Am Anfang konnte ich nur Guten Morgen sagen" - Deutschkurse für Asylsuchende in Dresden

"Am Anfang konnte ich nur Guten Morgen sagen" - Deutschkurse für Asylsuchende in Dresden

Stolz präsentiert der 22-jährige Touma Baho aus Syrien seine frisch erhaltene Urkunde. Nach acht Wochen hat er es geschafft – er spricht Deutsch.

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Stolz hält Touma Baho seine Urkunde in die Kamera.

Natürlich nicht perfekt, aber die grundlegenden Redewendungen beherrscht er problemlos. Touma ist einer von Tausenden Flüchtlingen, die sich vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland retten konnten. Im Juni 2014 kam er nach Dresden. „Am Anfang konnte ich nur Guten Morgen sagen“, erzählt Touma. Nun, nach zwei Monaten intensivem Unterricht, spricht er viele deutsche Sätze fehlerfrei.

Deutsche Sprache, schwere Sprache, heißt es bekanntlich immer, doch für den jungen Flüchtling war erstaunlicherweise Deutsch einfacher zu lernen als Englisch. „Der Plural und die Vokabeln fielen mir leicht, nur die Artikel sind im Deutschen ziemlich schwer.“

Der junge Mann lebt mit fünf weiteren Syrern in einer Wohnung in Dresden Gorbitz. Ihm gefällt Dresden sehr und trotz der aktuellen Flüchtlingsdebatte hat er noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Die Menschen hier sind alle sehr nett, manche sind aber auch nicht so offen“, erzählt Touma. In Syrien hat er schon drei Jahre lang Bauingenieurwesen studiert und möchte nun sein Studium in Deutschland fortsetzen.

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15 Menschen aus Syrien, Eritrea und Palästina nahmen an dem Deutschkurs teil.

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Der Grundstein für seine berufliche Zukunft ist gelegt, denn Touma ist einer von 15 Asylsuchenden, die mit Hilfe der Dresdner IT- Firma Saxonia Systems AG einen achtwöchigen Deutschkurs absolvieren durften. Die jungen Menschen aus Syrien, Eritrea und Palästina lernten täglich fünf Stunden die wichtigsten Grundlagen der deutschen Sprache und schlossen den Kurs erfolgreich mit einem Zertifikat des Niveaus A1 ab.

Dabei wurden die Schüler nicht nur stumpf mit deutscher Grammatik konfrontiert, auch auf das Kennenlernen der deutscher Kultur und Geschichte legte Lehrerin Claudia Oertel großen Wert. So besuchten die 15 Frauen und Männer unter anderem das Deutsche Hygiene Museum, das Staatsschauspiel Dresden oder unternahmen Ausflüge ins Herz der Neustadt. Das Interesse der Asylbewerber stand dabei im Vordergrund, doch auch berufsorientierte Aktivitäten kamen nicht zu kurz. So sollte ein Rundgang in der Sächsischen Landesbibliothek den Kursteilnehmern zeigen, wo man Informationen erhält und Bücher ausleihen kann.

„Die Herausforderung bei einem Kurs wie diesem ist das unterschiedliche Leistungsniveau der Teilnehmer“, berichtet Claudia Oertel. „Einige haben bereits studiert, andere haben noch nicht einmal eine Schule besucht. Doch was macht man mit Schülern, die zwar alle hoch motiviert sind, von denen einige jedoch nicht einmal wissen, was ein Museum ist? „Ich habe dann versucht, Lernpaare zu bilden, in denen ein leistungsstarker Schüler einem lernschwachen Schüler hilft.“ Konflikte hat es zwischen den Kursteilnehmern bisher nicht gegeben, erzählt Oertel. Ganz im Gegenteil, die Herkunft der Schüler spielt keine Rolle, es wachsen innige Freundschaften und alle unterstützen sich gegenseitig beim Lernen.

In den letzten Monaten hat das Image von Dresden in Sachen Flüchtlingspolitik deutlich gelitten. „Unsere Kunden in ganz Deutschland fragten uns, was denn gerade in Dresden passiert. Gesellschaftliche Veränderungen fordern neue Wege. Wir setzen uns nicht gegen die Veränderungen, sondern für neue Wege und tun etwas für die Menschen, die zu uns kommen“, erklärt Viola Klein, Aufsichtsrätin von Saxiona Systems, das Engagement. Die IT-Firma, die Mitarbeiter aus elf unterschiedlichen Nationen beschäftigt, ruft andere Unternehmen auf, ihrem Beispiel zu folgen und ebenfalls berufsbezogene Deutschkurse anzubieten.

„Alle reden über Flüchtlinge, aber nicht mit ihnen“, bedauert Klein, die sich mehr Offenheit und vor allem gegenseitigen Respekt in Dresden wünscht. „Die Asylsuchenden können für unsere Gesellschaft eine große Bereicherung sein. Da gibt es großes Potential. Aber wir sollten sie von Beginn an integrieren, denn sie sind motiviert und brauchen eine Aufgabe“, erklärt Klein. In diesem Sinne appelliert sie an Dresdner Unternehmen, für Asylsuchende Weiterbildungen und spezielle Deutschkurse für Anfänger anzubieten. „Wir teilen unser Wissen und unsere Erfahrungen gern mit jedem, der helfen möchte.“

Auch der angehende Bauingenieur Touma Baho steckt trotz seiner traurigen Vergangenheit voller Motivation. Auch wenn er sich noch nicht sicher ist, ob er in Dresden bleiben wird, fest steht: Touma wird weiter Deutsch lernen. Er möchte die deutsche Kultur noch näher kennenlernen, Freundschaften mit Deutschen knüpfen und sein Studium erfolgreich abschließen.

Wiebke Theuer

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