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Altes Fischerhaus in Zschierensteht erneut im Wasser

Altes Fischerhaus in Zschierensteht erneut im Wasser

"Eigentlich wollte ich hier bleiben, aber dann hat mir mein Sohn ins Gewissen geredet und gesagt: Mensch, du kannst ja doch nichts machen." Stimmt. Gegen die Fluten ist Hartwig Seiche aus Zschieren machtlos.

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Diese Aufnahme stammt von Montag Abend. Da war das Wasser bei Hartwig Seiche an der Elbstraße in Zschieren bereits in den Hof vorgedrungen. Als er gestern noch einmal zurückkehrte in seinen Wathosen, stand die Elbe bereits 30 Zentimeter im Erdgeschoss.

Quelle: Ralf U. Heinrich

Seit vielen Jahren wohnt der 56-Jährige an der Elbstraße in einem mittelalterlichen Fischerhaus mit einem verwunschenen Garten drumherum. Eigentlich ein idyllisches Fleckchen Erde. Doch bis zum Fluss sind es keine 200 Meter. Am Montag Nachmittag habe das Wasser bereits im Hof gestanden, berichtet Seiche. Da betrug der Elbpegel knapp sieben Meter. Als abzusehen war, dass ihr Haus nicht verschont bleiben würde, haben er und seine Partnerin vorsorglich alles nach oben geräumt. "Wir hoffen, dass der Pegel nicht ganz so hoch klettert wie zur Flut 2002, als das Wasser die Decke des Erdgeschosses erreicht hat", sagt er.

Gestern Mittag ist Hartwig Seiche noch einmal zurückgekehrt in sein Haus an der Elbstraße - in Wathosen, die bis zur Brust reichen. Der Pegel lag mittlerweile bei 7,45 Meter und das Wasser stand 30 Zentimeter im Erdgeschoss. Noch kein Vergleich zum Sommer vor elf Jahren, als die Elbe 3,10 Meter im Haus stand. Damals hatte Hartwig Seiche das alte Fischerhaus gerade denkmalgerecht saniert - bis auf den Dachstuhl. Und es stand alles unter Wasser - bis auf den Dachstuhl. Er hatte Möbel, Bücher und Familienfotos aus dem Erdgeschoss in die erste Etage getragen. Das erwies sich später als fatal, weil die Elbe nicht nur Keller und Erdgeschoss, sondern auch die erste Etage unter Wasser gesetzt hatte. Viel Hilfe, nicht nur materielle, hat Seiche damals erfahren. "An manchen Tagen waren 30 Helfer bei uns", erinnert er sich.

Heute sagt der 56-Jährige: "Ich mach' mich nicht mehr so verrückt wie 2002." Klar habe er die Nacht zum Montag durchgearbeitet, nicht nur Hab und Gut, sondern auch die Tauben, Enten und Hühner inklusive vier frisch geschlüpfter Küken in Sicherheit gebracht.

Bevor Seiche am Montag Abend die Zelte abbrach in seinem Zschierener Haus, um bei Verwandten zu übernachten, hat er Vorsorge getroffen: "Falls das Wasser doch bis zur Decke gehen sollte, haben wir im Obergeschoss die Fußböden freigeräumt - bis auf einige Möbel, die dann halt mit den Füßen im Wasser stehen", erzählt der 56-Jährige. Auch die Fenster und Türen hat er ausgehängt. "Wir lassen das Wasser kommen", meint er. Überhaupt hat der Zschierener mit Blick auf die Hochwassergefahr einiges verändert im Haus, hat die Steckdosen nicht nur 30 Zentimeter überm Fußboden, sondern in Fensterbretthöhe angebracht. Jeder Raum im Erdgeschoss ist jetzt gefliest und verfügt über einen Abfluss. Rund 300000 Euro hat Seiche 2002 vom Land bekommen, um das Haus wieder auf Vordermann zu bringen. 60000 Euro an Spenden seien damals zusammengekommen - auch über die DNN-Aktion "Dresdner helfen Dresdnern". Diesmal dürfte er weniger brauchen dank der Vorsorge, die er getroffen hat.

Und eins steht für Hartwig Seiche auch fest: Er wird das Haus verkaufen und Richtung Sächsische Schweiz ziehen - "aber nicht wegen des Hochwassers, sondern weil wir mehr Platz brauchen für den Anbau von Grünspargel, Mini-Kiwis, Mispeln und Hopfensprossen", betont er. Diese "gärtnerischen Sonderkulturen" will er verkaufen und auch die Lämmer und Weidegänse aus eigener Haltung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2013

Katrin Richter

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