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Als Migrant ohne Papiere zum Arzt: Dresdner Verein Medinetz hilft im medizinischen Ernstfall

Als Migrant ohne Papiere zum Arzt: Dresdner Verein Medinetz hilft im medizinischen Ernstfall

Laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik leben bis zu 400.000 Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland. In der Regel haben die betroffenen Migranten ohne rechtmäßige Papiere keine Krankenversicherung und meiden im Ernstfall den Gang zum Arzt, da Ängste vor Behörden und einer möglichen Abschiebung bestehen.

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Migranten ohne Papiere steht eine ärztliche Versorgung zu. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Das Menschenrecht auf ärztliche Versorgung steht ihnen jedoch zu, auch ohne vorhandene Papiere. In Dresden kümmern sich 20 Helfer des Vereins Medinetz um diese Patienten, die sie Papierlose nennen.

Konkret sorgen sie sich um Menschen mit befristeten Arbeitsaufenthalten, ausländische Studenten, die ohne Genehmigung im Land bleiben und Familienangehörige, deren Verwandte bereits legal in Deutschland leben. „Die Menschen, die sich an uns wenden, benötigen dringende medizinische Hilfe“, berichtet Sarah U., die seit etwa einem Jahr im Verein aktiv ist. Die potenziellen Patienten rufen in der Regel an, fragen nach Hilfe und besuchen im Zweifel die wöchentliche Beratungsstunde des Vereins. Im Anschluss kontaktiert der Verein die Ärzte und vermittelt einen Behandlungstermin. „Häufig organisieren wir auch einen Dolmetscher oder eine Begleitung für diese Termine“, beschreibt Sarah die vermittelnde Vereinsarbeit.

Seit dem ersten Schreiben des Medinetz Dresden steht die Fachärztin Viola Hellmann als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Rund drei bis vier Mal im Jahr hilft sie Flüchtlingen und Migranten ohne legalen Aufenthaltsstatus im medizinischen Ernstfall. Wenn jemand Hilfe benötigt, empfängt sie die Menschen in Rücksprache mit den Helfern von Medinetz. „Das entspricht meinem ärztlichen Ethos. Da frage ich auch nicht nach den Umständen und Hintergründen der Patientinnen“, erklärt Hellmann ihr Handeln. In der Gemeinschaftspraxis in Löbtau sind die Mitarbeiterinnen informiert. „Gerade bei Schwangerschaften ist eine frühzeitige medizinische Untersuchung notwendig“, berichtet sie von ihren Behandlungen in den vergangenen Jahren. Ob Blutdruckmessen, Laboruntersuchungen oder Aufklärungsarbeit vor der Geburt: Ohne die Arbeit von Hellmann und ihren Mitarbeiterinnen könnten sich die Frauen und ihr Nachwuchs in Gefahr begeben.

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Auf ihrem Protestmarsch von Bayern nach Berlin zieht eine Gruppe von Flüchtlingen am 25.09.2012 durch Leipzig.

Quelle: Hendrik Schmidt

Für die Frauenärztin ist die Behandlung juristisch unproblematisch. Der sogenannte „verlängerte Geheimnisschutz“ gewährleistet die durchgängige Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht bis in öffentliche Stellen. Sollte Hellmann also Daten an Krankenhauspersonal senden, dürfen diese gesetzlich nicht an die Ausländerbehörde übermittelt werden. Eine Ausnahme bilden lediglich gefährliche ansteckende Krankheiten. In der Praxis sieht die Arbeit zudem noch etwas anders aus: „Ich behandle die Patienten auf eigene Rechnung. Eine Akte existiert gewöhnlich nur bei mir. Und da steht ein falscher Name drin.“ In der Gemeinschaftspraxis mit insgesamt vier Ärztinnen bereiten die wenigen anonymen Behandlungen kein Problem. „Wir leben in einer so reichen Gesellschaft. Ich glaube, es ist meine ärztliche Pflicht, Menschen unabhängig von ihrem sozialen Status zu helfen“, so Hellmann.

Ob Allgemeinmediziner, Gynäkologen oder Augenärzte: Auf rund 100 Doktoren und zwei Krankenhäuser kann das Medinetz inzwischen zurückgreifen, die im Ernstfall eine diskrete und unbürokratische Hilfe anbieten. Die Kosten übernehmen größtenteils Spender. Zudem zehrt der Verein noch von 15.000 Euro, die er im Jahr 2009 zusammen mit der Auszeichnung „Sächsischer Förderpreis für Demokratie“ erhielt. „Die Menschen die hier in der Anonymität leben, verfügen selten über große finanzielle Mittel. Aber wenn sie Geld haben, beteiligen sie sich auch an den Kosten“, schildert Anna S. die Abrechnung.

Den Vorwurf, Menschen in ihrer Illegalität zu unterstützen, weisen die Mitarbeiter klar von sich. „Mit dem Menschenrecht auf ärztliche Versorgung zu dem unsere Arbeit beiträgt, sind wir abgesichert und es wird rechtlich von einer Strafverfolgung abgesehen“, ordnet Anna S. die Arbeit des Vereins ein. Damit die ehrenamtlichen Helfer diese fortsetzen können, hoffen sie auf weitere Ärzte und Spender. Die Mitglieder des Vereins sind überzeugt, dass ihre Tätigkeit weiterhin gefragt ist: „Solange Papierlose beim notwendigen Gang zum Arzt mit Abschiebung rechnen müssen, unterstützen wir sie weiter.“

Dominik Brüggemann

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