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Alexander Preiß und Kristian Legérè fertigen in der Dresdner Neustadt Maßschuhe wie vor 100 Jahren

Alexander Preiß und Kristian Legérè fertigen in der Dresdner Neustadt Maßschuhe wie vor 100 Jahren

Es gibt sie noch: Schuhmacher, die wirklich selber noch Schuhe anfertigen. Und zwar nicht nur, indem sie vorgefertigte Teile zusammenfügen, sondern Einzelstücke aus Rind-, Kalb-, Hirschleder oder Cordovan (spezielles hochwertiges Pferdeleder) nach Maß arbeiten.

Von Catrin Steinbach

Handwerker, die Klebstoff nur zum Heften bzw. Fixieren benutzen, um selbst die Sohlen - selbstverständlich aus Leder - wie früher anzunähen. Und zwar mit selbst verdrillten und in Pech getränkten Hanffäden, die man an der Laufsohle nicht sieht, weil sie aufwändig ins Leder eingearbeitet sind. Schuhmacher, die erst einen Leisten fertigen, dann Prototypen aus preiswertem Material und die so lange arbeiten, bis die richtigen Schuhe perfekt passen.

Allerdings findet man in Deutschland nur wenige, die das alte Handwerk noch beherrschen und zudem damit ihre Brötchen verdienen. Zwei solche Schuhmacher haben sich an der Alaunstraße in der Äußeren Neustadt niedergelassen. "Preiß Légère" heißt ihr Geschäft im Erdgeschoss eines alten Bürgerhauses nahe des Alaunplatzes. Auf der Messe "fashion & style" am Wochenende im Ostragehege stellen sie ihr Handwerk vor.

Schon der Laden in der Neustadt ist etwas Besonderes, denn er ist Teil der Werkstatt. Durch das große Schaufenster sieht man eine Wand voller Werkzeuge und blickt auf die Werkbank von Geschäftsinhaber Alexander Preiß (42). Er lässt sich gern beim Anfertigen und Annähen des Schuhbodens über die Schultern schauen.

Schuhmacherkollege Kristian Légère (26) arbeitet meist hinter den Kulissen, fertigt dort die Schäfte der Schuhe. Die dritte im Bunde ist Agnieszka Lewandowska (31). Die Gesellin lernte bei Alexander Preiß das alte Handwerk und verstärkt seit kurzem das Team. "Seit wir den Laden hier im August 2011 eröffneten, läuft das Geschäft gut", strahlt Alexander Preiß. Doch bis dahin war es ein langer, entbehrungsreicher Weg.

Preiß und Légère lernten sich auf der Berufsschule in Ohrdruf kennen. Preiß, ursprünglich Dramaturg, sattelte beruflich um. Kristian Légère absolvierte seine Berufsausbildung. Beide wollten aber nicht bei ihrem Handwerk gesundheitliche Versorgung und Funktionalität in den Vordergrund stellen. "Wir wollten einfach schöne Schuhe bauen", sagt Kristian Légère. Beide hatten das Glück, in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben die Grundlagen für ihre zukünftige Ausrichtung zu legen. "Allerdings muss man viele Dinge selber herausfinden. Das sind Berufsgeheimnisse, die der Schuhmacher an seinen Nachfolger weitergibt und die verlorengehen, wenn es diesen Nachfolger nicht gibt."

Beide angehenden Schuhmacher übten und experimentierten während ihrer Ausbildung auch noch nach Feierabend in ihren Einraumwohnungen, die eher Werkstätten glichen, um ihre Fertigkeiten zu perfektionieren.

Als nach der Ausbildung ein Orthopädieschuhmacher aus der Dresdner Neustadt Alexander Preiß um Hilfe bat, weil ein Kunde maßgefertigte Schuhe wünschte, war das für den Schumacher das Signal, seinen Traum in die Tat umzusetzen. Preiß mietete nach diesem ersten Auftrag - bei dessen Umsetzung ihn Kristian Légère unterstützte - zunächst drei Quadratmeter im Geschäft des besagten Dresdner Orthopädieschuhmachers. Dort begann er im Schaufenster "Schuhe zu bauen".

Neugierige gab es viele, Schuhe kauften sie nicht. Der Magen knurrte, "ich habe wochenlang nur Linsen gegessen", erzählt Preiß. Doch er verfolgte seinen Weg, war immer überzeugt, dass in hoher Qualität gefertigte Schuhe, die man bei richtiger Pflege 20 bis 30 Jahre lang tragen und immer wieder reparieren lassen kann, irgendwann wieder gefragt sein werden. "Als dann der erste Kunde kam, habe ich richtig gezittert", erzählt Preiß. Mittlerweile hat er also sein eigenes Geschäft. Kristian Légère ist ebenfalls nach Dresden gezogen und macht jetzt Vollzeit mit, denn das Auftragsbuch ist gut gefüllt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.01.2013

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